Wenn der Bus (fast) von selber fährt: Unterwegs im High-Tech-Gefährt der Zukunft

Der Fahrer sitzt, beobachtet, eingreifen muss er aber (fast) nicht: Autonom ist ein Kleinbus des Unternehmens AVL auf der Strecke zwischen dem Hotel am See in Neubäu und dem Bahnhof im Rodinger Ortsteil seit rund vier Wochen im Probe-Regelbetrieb unterwegs.
Rund 1300 Kilometer wurden dabei zurückgelegt, die Resonanz der etwa 300 Fahrgäste war sehr positiv, so dass Armin Engstle, AVL-Niederlassungsleiter für Roding, ein gutes Fazit zieht: „Es ist wirklich gut gelaufen.“
Der mit modernster Technik ausgerüstete Kleinbus kann schon viel: In normaler Geschwindigkeit geht die ruhige Fahrt durch Neubäu, links abbiegen oder die Vorfahrt anderer Fahrzeuge gewähren ist ebenso kein Problem wie das Fahren bei Regen oder das Erkennen von anderen Verkehrsteilnehmern oder Hindernissen. Es habe während des gesamten Probe-Regelbetriebs keinerlei Unfälle oder größere Schwierigkeiten gegeben, betont Engstle.
Alles geht noch nicht
Damit habe das seit vier Jahren laufende Projekt einen wichtigen Schritt gemacht, wenn auch nur einen ersten, wie der AVL-Sprecher betont. Denn alles kann der umgebaute Kleinbus mit Hochtechnologie noch nicht – und kann es auch noch nicht können. Wenden etwa geht nicht, außerdem kommt der Kleinbus zum Stehen, wenn ein unerwartetes Hindernis wie ein Baustellenfahrzeug vor ihm auftaucht. „Hinten registriert er noch nicht so viel“, klärt Engstle auf, wichtig sei aber, dass das Gefährt im Zweifelsfall auch stehenbleibe und keine Gefahr für die Mitfahrer bestehe.
3,5 Terabyte an Daten wurden während der Fahrten an 23 Tagen auf der etwa 1,3 Kilometer langen Strecke gesammelt, diese werden nun ebenso analysiert wie eine Umfrage unter den Fahrgästen. „Wir haben viel Neues gelernt, gerade bei Fahrten im ländlichen Raum mit Traktoren oder Ähnlichen sowie Baustellen“, so der Standortleiter, der mit der Auswahl der Teststrecke unter anderem deshalb auch sehr zufrieden war.
Nächster Test in Cham
Mit den neuen Erkenntnissen sollen dann die nächsten Schritte angegangen werden, so Engstle. So wird es etwa Ende September eine neue Teststrecke in der Chamer Innenstadt mit weiteren Schwierigkeiten wie den beiden Kreisverkehren an den Enden des Parkhauses geben.
Wichtig seien die Projekte in Roding und Cham auch, um das Vertrauen der Bevölkerung in die neue Technologie zu stärken, betont Engstle: „Wir brauchen die Akzeptanz der Leute, sie sollen das Angebot annehmen“. Und wer einmal etwa in Neubäu mit dem autonom fahrenden Bus unterwegs gewesen sei, sehe, dass es sich wie eine ganz normale Fahrt anfühle.
Stellvertretender Landrat Markus Müller betonte, der Landkreis sei sehr froh, dass die Firma AVL in Roding angesiedelt ist. Das Unternehmen sei ein Aushängeschild auf dem Gebiet der Mobilität, bei der autonomes Fahren in Zukunft eine Schlüsselrolle einnehmen werde, ist er sich sicher.
Auch Landtagsabgeordneter Dr. Georg Hopp hatte viel Lob im Gepäck, auch für das Testzentrum, das AVL in Roding am Eisenhart gebaut hat und in dem viele Wetterverhältnisse durchgespielt werden können. Forschung und Entwicklung hätten für die Region wichtige Standortfunktionen, der autonom fahrende Kleinbus sei ein „Paradebeispiel“ dafür, was möglich sei.
Lob aus der Politik
Auch mehrere Minister haben das Pilotprojekt in Neubäu und die Wetterhalle in Roding besucht und waren beeindruckt. Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter etwa sprach angesichts der Geschwindigkeiten, die erreicht werden, von „einem neuen Level.“ Engstle und sein Team freuen sich über das Lob, betonen aber, dass die Zukunftstechnologie nur gemeinsam funktionieren könnte, wenn Unternehmen, Politik und Bevölkerung an einem Strang zögen. Er bedankte sich deshalb auch beim Landkreis Cham für die große Unterstützung.
Die weiteren Ziele seien klar im Blick: ein autonom fahrender Kleinbus, in dem kein Sicherheitsfahrer mehr sitzt, um bei Gefahrensituationen eingreifen zu können, was derzeit noch gesetzlich vorgeschrieben ist. Angesichts des immer stärker werdenden Fahrermangels sei dies sehr wichtig, um die Mobilität im Ländlichen Raum aufrechterhalten zu können, der „AutBus“ sei speziell darauf abgestimmt.
Auch weitere Strecken in Zukunft denkbar
AVL kann sich mittelfristig auch weitere Strecken, etwa eine Hauptroute zwischen Cham und Roding plus Zubringerstrecken, vorstellen. Dies sei zwar noch ein weiter Weg, aber die nächsten Schritte müssten gegangen werden, erläutert Engstle, der froh ist, dass beim ersten Schritt nicht gestolpert wurde.


