„Wir können Weltspitze werden“: Minister Markus Blume bei Besuch von AVL in Roding beeindruckt

Da es immer schwieriger werde, genügend Lastwagen- und Busfahrer zu finden, sei es unerlässlich, dass in Zukunft stufenweise der Umstieg zum teil- und schließlich zum vollautomatisierten Fahren erfolge, ist sich AVL-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab sicher.
Dazu gelte es noch mehr, „auf die Straße zu kommen“ und Daten zu sammeln, damit die Region nicht in zu großen Rückstand zu anderen Regionen der Welt komme, sagte er am Donnerstag bei einem Besuch von Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) und anderen Politikern. Der Gast aus München zeigte sich beeindruckt von der Spitzentechnologie, die am Eisenhardt in Roding beheimatet ist.
Mit dem Mobilitäts- und Sensortestzentrum betreibt die AVL Software and Functions GmbH seit 2020 in den ehemaligen Räumen der Continental AG an der Schorndorfer Straße in Roding ein einzigartiges Indoor-Labor zur Verifizierung und Validierung von Sensoren für Fahrer-Assistenzsysteme.
In dem 1600 Quadratmeter großen Testareal können sicherheitsrelevante Funktionen unter widrigen Wetterbedingungen, unabhängig von realen Außenbedingungen, getestet und so die Sicherheit der Fahrzeuge im teilautonomen Betrieb sichergestellt werden.
Nebel ist Herausforderung
Nachdem der Rodinger Niederlassungsleiter Armin Engstle die Schwerpunkte bei der Sensortechnik und die technische Entwicklung präsentiert hatte, schauten sich die Gäste in der 84 mal 20 Meter großen Wetterhalle um und erlebten dabei eine beeindruckende Demonstration unter anderem mit heftigem Regen, Nebel, einem „Fußgänger“ und einer simulierten tiefstehenden Sonne. Wie Engstle erläuterte, sei Regen ein weit kleineres Problem für die Sensoren als Nebel. Eine Besonderheit und Innovation in Roding sei, dass für die Wetterhalle ein digitaler Zwilling existiert, in dem die Werte überprüft und noch komplexere Szenarien durchgespielt werden können.
Wie Engstle und Schwab betonten, sei es wichtig, viel zu testen und Daten zu sammeln, um die Software weiter zu optimieren. Dies soll auch verstärkt auf normalen Straßen geschehen. So hat AVL neben der 1,4 Kilometer langen Teststrecke in Neubäu vom Bahnhof bis zur Seepromenade drei weitere in Betrieb genommen, unter anderem im Gewerbepark in Regensburg.
In Neubäu geht es von 15. Juli bis 14. August in die nächste Phase des Projekts, wenn in Absprache mit dem Landrats-amt Cham und den Rodinger Verkehrsbetrieben ein Probe-Regelbetrieb zu den regulären Fahrzeiten stattfindet. Dabei sei immer ein Fahrer mit an Bord, der eingreifen könne, falls Probleme auftreten. Dieser „Notfallfahrer“ werde wohl noch einige Jahre lang dabei sein, schätzt Engstle, sei aber auch unter anderem wichtig, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für Fahrzeuge, die autonom unterwegs sind, sicherzustellen. Und diese Akzeptanz sei essenziell wichtig.
Danach gelte es, die Strecken und die Möglichkeiten weiter auszubauen, dies könnte für den ländlichen Raum in Teilbereichen eine Lösung gegen den Fachkräftemangel bei Fahrern sein, sagte Schwab.
Pläne für Ausbau
So sei es etwa „technisch machbar“, im Landkreis sowohl eine Hauptroute zwischen Cham und Roding plus Zubringerstrecken einzurichten. Dies sei zwar noch ein weiter Weg, es gebe noch einige technische Herausforderungen zu bewältigen, „aber wir müssen die nächsten Schritte gehen.“
Auch in anderen Teilen der Welt werde viel geforscht und getestet, es gebe aber immer wieder Rückschläge. So wurde etwa dem Konzern Cruise in den USA nach einem Unfall für sechs Monate die Fahrerlaubnis für seine autonom fahrenden Autos entzogen. „Wir können Weltspitze werden“, ist Schwab durchaus optimistisch, es gelte aber, dass Wirtschaft und Politik an einem Strang ziehen und den Weg konsequent zusammen weiter gehen würden.
Politik will unterstützen
Die Unterstützung der Politik sagte Blume, der auf dem AVL-Gelände auch eine Probefahrt mit einem autonom fahrenden Bus absolvierte, zu. Der Besuch bei dem Unternehmen sei für ihn eine „Erweiterung des Horizonts“ gewesen, es sei sehr gut, dass eine so innovative Firma in Bayern zu Hause ist. Mit seiner High-Tech-Agenda wolle das Land genau solche Unternehmen unterstützen. Das autonome Fahren sei eine sehr wichtige Technologie für die Zukunft, stimmte der Minister Schwab zu.
Auch Landtagabgeordneter Dr. Gerhard Hopp, der den Besuch initialisiert hatte, bedankte sich für die Einblicke. Ein wichtiger Schritt in die Richtung autonomes Fahren könne in Roding zu Hause sein, ist er überzeugt.

