Historischer Tag in Neubäu am See: Teststrecke für autonomen Bus der Firma AVL eröffnet

Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Landrat Franz Löffler und Bürgermeisterin Alexandra Riedl haben sich auf der neuen Teststrecke selbst davon überzeugen können, wie weit AVL beim autonomen Fahren bereits ist: Sie fuhren die 1,2 Kilometer lange Strecke zwischen der Seepromenade und dem Neubäuer Bahnhof mit dem selbstfahrenden Prototyp der Firma.
Mit der Fahrt am Donnerstagnachmittag wurde der Testbetrieb für den AutBus im Straßenverkehr offiziell eröffnet. Mit an Bord waren zwei Mitarbeiter von AVL als Sicherheitspersonen. Das ist Vorschrift für den Testbetrieb im normalen Straßenverkehr, der ab sofort beginnt. Das Software-Unternehmen arbeitet und forscht bereits seit einiger Zeit an diesem Zukunftsthema.
Tests am Standort Roding
Im vergangenen Jahr hat AVL in Roding ein Zentrum errichtet, bei dem selbstfahrende Systeme getestet werden. Widrige Wetterbedingungen werden im Innenraum simuliert. Mit der neuen Teststrecke in Neubäu am See ist jetzt der nächste Schritt hin zum autonomen Fahren gemacht. Im normalen Straßenverkehr wird der Minibus die Strecke zwischen Bahnhof und Seepromenade selbstständig befahren. Im Fahrzeug ist aber eine Sicherheitsperson, die im Zweifelsfall eingreifen kann, sollte das System in eine Situation geraten, mit der es nicht umgehen kann.
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Der nächste Schritt sei der reguläre Busbetrieb auf der Strecke, so Armin Engstle, Leiter des AVL-Standortes Roding. Bereits im nächsten Jahr können Touristen mit dem autonomen Bus zum See oder zurück fahren. Auch hierbei wird ein Mitarbeiter im Fahrzeug sitzen. Die Alternative wäre die Überwachung aus der Ferne, aber Engstle ist sich nicht sicher, ob AVL das bereits bis nächstes Jahr bewerkstelligen könne. Diese Option werde aber aktuell geprüft. Sicherheit habe jedenfalls Priorität.
Wie sicher das System bereits jetzt durch den Straßenverkehr steuert, davon konnten sich Hubert Aiwanger, Franz Löffler und Alexandra Riedl bei ihrer Testfahrt selbst überzeugen. Im Vorfeld scherzte Aiwanger noch, er hätte Vertrauen – Gottvertrauen. Nach der Fahrt waren die drei Testfahrer überzeugt, auch von der Sicherheit, mit der der AutBus die Probleme im Straßenverkehr gemeistert hat. Die Technik habe wunderbar funktioniert, so Aiwanger. Und weiter: „Die Fahrt war sehr überzeugend. Er hat die Fußgänger erkannt, er hat die Hindernisse erkannt. Beim Abbiegen haben wir gemeint, er hat das Blinken vergessen. Aber nein, er hat geblinkt.“
Einhellig betonten Minister, Landrat und Bürgermeisterin die Bedeutung und das Potenzial des autonomen Fahrens für den ländlichen Raum. Die Technik könnte die Lösung vieler Probleme sein. Gerade beim Blick auf den Lastverkehr und die fehlenden Lastwagenfahrer sieht der bayerische Wirtschaftsminister in der Technik die Lösung. Ähnlich äußerte sich Alexandra Riedl mit Blick auf die Probleme, Busfahrer zu finden. Auch hier könne das selbstständige Fahren eine Alternative sein.
Die Politik habe dabei allerdings auch Aufgaben, meinte Aiwanger. Denn mit der technischen Machbarkeit sei es nicht getan, sagte er. Auch die rechtlichen Fragen, die dadurch entstehen – wie beispielsweise Versicherungsfragen –, müssten von der Politik aus dem Weg geräumt werden, damit das autonome Fahren kommen könne.
Franz Löffler betonte, wie groß das Potenzial des autonomes Fahrens sei. Damit ließen sich Autos effizienter nutzen, denn: „Die meisten Fahrzeuge sind Standzeuge. Man fährt mit dem Auto von A nach B und dann bleibt das Auto stehen.“ Da könne das selbststeuernde Fahrzeug die Zahl der Autos reduzieren, weil die verfügbaren Fahrzeuge flexibler genutzt werden könnten.
Chance für den ÖPNV
Und der Landrat hofft auf einen großen Schritt beim Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum. Denn gerade hier sei es schwer, weit entfernte Orte mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu betreuen. Löffler formulierte seine Vision für das autonome Fahren so: „Dass die Oma in der Einöde, die zum Doktor muss, mit dem autonom gesteuerten Fahrzeug sicher und verlässlich hingebracht werden kann.“ Das würde auch die Lebensqualität auf dem Land weiter erhöhen, so Löffler. In fünf Jahren könnte es vielleicht soweit sein, meinte er.
AVL-Geschäftsführer Georg Schwab lobte seine Mannschaft: „Das habt ihr sehr gut gemacht!“ Außerdem dankte er allen Partnern – von Politik bis Hochschule. Der Probebetrieb in Roding sei auch eine Chance, die Bevölkerung an autonomes Fahren heranzuführen, so Schwab weiter. Neben Personen- seien auch Logistiktransporte möglich.

