Verkehrsminister lobt autonom fahrenden Bus in Roding-Neubäu: „Das ist der nächste Level“

Autonome Fahrzeuge werden an mehreren Orten in Bayern getestet, im Rodinger Ortsteil Neubäu (Landkreis Cham) ist die Firma AVL schon einen Schritt weiter: Dort startet bald der Probe-Regelbetrieb eines Kleinbusses zwischen Seepromenade und Bahnhof. Verkehrsminister Christian Bernreiter zeigte sich nach einer Probefahrt beeindruckt.
Sichtlich beeindruckt zeigte sich Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter nach einer Probefahrt mit dem autonom fahrenden Kleinbus der Firma AVL von der Seepromenade in Neubäu zum Bahnhof und zurück: „Das ist der nächste Level“, meinte er unter anderem im Hinblick auf die Geschwindigkeit von bis zu 70 Stundenkilometern, die erreicht werden kann.
Bald können sich auch die Bürger ein Bild vom Stand der Technik machen: Vom 15. Juli bis zum 14. August findet auf der etwa 1,3 Kilometer langen Strecke ein Probe-Regelbetrieb statt, neun Mal am Tag wird der Bus verkehren. Die Mitfahrt ist dabei kostenlos.
Autonome Fahrzeuge im Testbetrieb gäbe es in Bayern mehrere, erläuterte Bernreiter, allerdings unter anderen Voraussetzungen: Diese seien meistens nur 16 bis 18 Stundenkilometer schnell, „das ist für die Bürger anfangs interessant, stellt aber dann eher ein Verkehrshindernis dar.“ Die nächste Stufe, das ganz normale Fahren in einem Ort mit anderen Autos und Fußgängern, werde nun von der Firma AVL erreicht. „Eine tolle Leistung“, lobte der Minister nach der kurzen Fahrt, die ohne Probleme verlief.
Akzeptanz schaffen
Nach vier Jahren Arbeit sei ein Zwischenziel innerhalb des Zeitrahmens erreicht, freute sich Armin Engstle, Standortleiter bei AVL in Roding. Er hofft, dass viele Menschen das Angebot nutzen und im autonomen Bus mitfahren, so könne auch die Akzeptanz für die neue Technologie gefördert werden.
Die weiteren Ziele haben Bernreiter, AVL und Landrat Franz Löffler schon im Blick: ein autonom fahrender Kleinbus, in dem kein Sicherheitsfahrer mehr sitzt, um bei Gefahrensituationen eingreifen zu können, was derzeit noch gesetzlich vorgeschrieben ist. Angesichts des immer stärker werdenden Fahrermangels sei dies sehr wichtig, um die Mobilität im Ländlichen Raum aufrechterhalten zu können, der „AutBus“ sei speziell darauf abgestimmt.
„Ich freue mich, dass wir das Projekt bei uns im Landkreis im Echtbetrieb starten können“, sagte Löffler. Die Welt bleibe nicht stehen, es sei daher sehr wichtig, beim globalen Thema autonomes Fahren weiter zu kommen. Die Firma AVL beweise in Zusammenarbeit mit allen Unterstützern (unter anderem der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden), dass dies auch im ländlichen Raum möglich sei.
Weitere Schritte sollen folgen
Der Probe-Regelbetrieb sei die letzte Stufe, bevor das Konzept schrittweise in den normalen Regelbetrieb überführt werden könne – AVL kann sich dabei mittelfristig auch weitere Strecken, etwa eine Hauptroute zwischen Cham und Roding plus Zubringerstrecken, vorstellen. Dies sei zwar noch ein weiter Weg, aber die nächsten Schritte müssten gegangen werden.
Die Strecke in Neubäu sei bewusst gewählt worden. Der autonome Bus, ein umgebautes Serienfahrzeug, fahre auf einer bisher noch nicht durch den ÖPNV angeschlossenen Linie, der Testbetrieb soll deshalb auch Erkenntnisse zum zukünftigen Bedarf für diese Route liefern. Die Mobilitätszentrale des Landkreises Cham wird daher eine Umfrage unter den Nutzern durchführen, auch im Hinblick auf eine bessere Nutzung des Neubäuer Bahnhofs, den der Landkreis gemeinsam mit Stadt und der Deutschen Bahn im kommenden Jahr grundlegend verbessern möchte.
Es sei „etwas ganz Besonderes für die Stadt“, dass der Probe-Regelbetrieb hier stattfinde, freute sich Bürgermeisterin Alexandra Riedl. Sie sei „stolz auf das, was hier geleistet wird.“ Ebenso kam Lob vom Landtagsabgeordneten Dr. Gerhard Hopp, der Landkreis könne im Wettbewerb der Regionen auf der ganzen Welt mithalten, meinte er.
Testlabor besichtigt
Im Anschluss ging es in das Testlabor von AVL. Mit dem Mobilitäts- und Sensortestzentrum betreibt AVL seit 2020 in den ehemaligen Räumen der Continental AG an der Schorndorfer Straße in Roding ein einzigartiges, 1600 Quadratmeter großes Indoor-Labor zur Verifizierung und Validierung von Sensoren für Fahrer-Assistenzsysteme, wo auch widrige Wetterverhältnisse wie Regen oder Nebel sehr realistisch simuliert werden können, um die autonomen Fahrzeuge zu testen.
Auch davon zeigte sich Verkehrsminister Christian Bernreiter beeindruckt. Mehrere Weltkonzerne hätten die Testanlage bereits besichtigt, teilte AVL-Geschäftsführer Dr. Georg Schwab mit.
Infos zum Probe-Regelbetrieb
Dauer von 15. Juli bis 14. August: Der autonom fahrende Kleinbus verkehrt im Rahmen eines Probe-Regelbetriebs unter Aufsicht eines Operators (Sicherheitsfahrer, gesetzliche Vorgabe) vom 15. Juli bis 14. August insgesamt neun Mal am Tag zwischen der Seepromenade in Neubäu und dem Bahnhof.
Rund ein Kilometer Weg: Die Strecke ist etwa 1,3 Kilometer lang.
Mitfahren kostet nichts: Die Nutzung ist für die Fahrgäste kostenlos.
Anschlüsse zur Oberpfalzbahn: Die Fahrten sind alle auf den Anschluss zur Oberpfalzbahn am Neubäuer Bahnhof verplant.
AVL trägt die Kosten: Für den Landkreis fallen für den Testbetrieb keine Kosten an, Bus und Sicherheitsfahrer werden von AVL gestellt.
Genehmigung und Fahrplan-Management: Die Mobilitäts-Kreiswerke haben die Genehmigung eingeholt und das Fahrplan-Management übernommen.
Sieben Personen können gleichzeitig mitfahren: Im Kleinbus stehen sieben Plätze zur Verfügung.
Keine Fahrräder oder Rollstühle: Rollstühle oder Fahrräder können nicht befördert werden.