Innovatives Projekt im Kinderhaus Neubäu am See: Der Kryto weckt die Fantasie

Von Christoph Klöckner · 22. Mai 2024 um 11:00

Der Kryto ist ein Kuschelmonster, ein Geschichtenerzähler und ein Ideenerfinder – und vor allem, er ist international. Der kleine Simon hat ihn erfunden als Aushängeschild fürs neue Projekt – und alle Kleinen im Kinderhaus St. Franziskus in Neubäu haben Kryto per demokratischer Abstimmung aufs Schild gehoben.

Die Großen – das Betreungsteam um Leitung Alexandra Nagelschmidt – sind gefolgt, denn das Ziel des Geschöpfes kindlicher Fantasie eint die Einrichtung: Mit ihm besuchen sie jetzt die Herkunftsländer der Kinderhauskinder und lernen sie kennen.

13 Nationalitäten

Und das sind mittlerweile 13 Nationalitäten, die da im ehemaligen Neubäuer Dorfkindergarten, der in kirchlicher Trägerschaft ist, zusammenkommen, der immer mehr zur internationalen Spielwiese wird. Wie die Gesellschaft selbst so wird auch die Kinderhaus-Belegschaft das Abbild einer immer bunteren Bevölkerung. Auslöser dafür sind die Anziehungskräfte freier Arbeitsplätze in Rodings Industrie, gepaart mit dem Fachkräftemangel und dem demografischen Wandel.

Und wer da kommt, ist nicht nur europäischer Herkunft, wie Polen, Slowakei, Rumänien oder Ungarn, sondern geht weiter in die Welt hinaus. So kommen Eltern der Neubäuer Kinder aus der Türkei, aus Indien, Bosnien, dem Kosovo, aus Kamerun, aus Ägypten oder auch China.

Da kann es dann schon einmal sein, dass Alexandra Nagelschmidt beim Sandkasten kurzerhand ins Englische fällt, um die kleine Aradhya zu fragen, wo sie herkommt. Sprache ist hier flexibel – aber auch zeitweise Barriere. So könnte die kleine Inderin nach Einschätzung von Alexandra Nagelschmidt durchaus in der ersten Klasse bestehen – nur die deutsche Sprache steht noch im Weg. Dass dieses Problem jedoch gerade hier im Kindergarten schnell beiseite geräumt ist, haben die Neulinge aus Ägypten und Bosnien im Kindergarten gezeigt − nach wenigen Wochen stehen sie den Spielkameraden in nichts nach.

Engpässe der Betreuung

Die Zuwanderung hat an vielen Ecken im Stadtgebiet Engpässe bei der Betreuung für Kinder ab einem bis sieben Jahre aufgezeigt, dem die Stadt mit Anbau- und Neubauplänen wie gerade in Wetterfeld begegnet. Zwischenzeitlich gab es auch in Neubäu Erweiterungspläne mit Containern, diese sind auch aus Kostengründen verworfen worden – stattdessen dienen weitere Räume der alten Schule seit einiger Zeit nebenan als neues Quartier.

So war dort, wo gerade die Krippenkinder zum Fliegerlied turnen und singen , vorher der Jugendraum, der in den Keller gewandert ist. Und dieser Turnraum dient gegen Mittag als Schlafraum – die Bettchen sind an der Wand gestapelt.

„Das Kinderhaus ist damit zusammengerückt“, sagt Alexandra Nagelschmidt, „alles ist nun nebeneinander.“ Denn vorher war auch in der alten Schule noch im Keller ein Raum, der vom Kinderhaus genutzt wurde. Wobei die Kinder vor der Neunutzung der Schulräumlichkeiten bereits zusammengerückt waren – alle Gruppen durften nach Genehmigung durchs Jugendamt mehr aufnehmen als üblich.

Statt sonst 25 hatten die Kindergartengruppen 28 Kinder, die Krippenplätze wurden von 17 auf 19 und die Plätze in der Waldgruppe von 20 auf 24 ausgebaut. Seit März 2024 gebe es nun die Spatzengruppe neu – zwölf Krippenkinder haben damit einen Betreuungsplatz gefunden. „Dafür sind alle anderen Gruppen von den Plätzen her wieder auf Normalniveau zurückgegangen“, so Alexandra Nagelschmidt.

„Wir sind voll“

Das bedeutet aber auch, dass sich zur Lage vorher wenig geändert hat: „Wir sind voll!“ 129 Kinder kommen täglich, die von 21 Fachkräften in Sachen Erziehung betreut werden. Sogar eine kleine, bei Eltern eher unbeliebte Nachmittagsgruppe gibt es mit sechs Kindern. „Da haben die Eltern gesagt: Bevor wir keinen Platz bekommen ....“, erklärt Alexandra Nagelschmidt. Außerdem kommen noch Grundschulkinder ab Mittag, wenn die Kindergartenplätze frei werden.

Und Kryto, den es mittlerweile als Bastelpuppe wie als genähten Kuschelalien in jeder Gruppe gibt? Der ist gerade wieder unterwegs, nach Deutschland und Rumänien ist nun Russland aus der Weltkugel mit den Ländernamen gezogen worden. Die wird vorher ordentlich geschüttelt – das Projekt heißt schließlich „Kryto schüttelt die Welt“.

Russland im Blickpunkt

Dass nun ein Land gezogen wurde, das in der Weltpolitik gerade bei den meisten aktuell wenig Ansehen genießt, kann da passieren. Das Land gehört auch zur Welt und ist Herkunftsland eins Kindes im Kinderhaus – und Kryto hat offensichtlich wenig Scheu bei seiner Auswahl. „Wir haben hier untereinander damit kein Problem“, sagt Alexandra Nagelschmidt – die ukrainischen und russischen Eltern der Kinder seien befreundet. Das jeweilige Land, wie jetzt Russland, wird dann intensiv in den Kindergartenalltag eingebaut, um es kennenzulernen.

Erforscht wird mit Vorlesegeschichten, Rätseln oder Suchspielen, was dort gegessen wird, welche Sprache man spricht, was es dort für interessante Sachen zu entdecken gibt, oder auch, warum die Uhren dort gerade eine andere Zeit anzeigen als bei uns. Der Kryto hilft, Antworten zu finden – und führt die Kinderhauswelt zusammen.

Erweiterung der Krippe steht an

Kinderhaus: Der Stadtrat hatte sich zuletzt mit der Bürgermeisterin und der Verwaltung zuletzt einige Gedanken um die Erweiterung des Kinderhauses in Neubäu gemacht. Eigentlich war eine Erweiterung des Kindergarten und der Kinderkrippe angedacht. Das ist jetzt vom Tisch, hat Alexandra Riedl im Stadtrat bekannt gegeben.

Erweiterung: Erweitert wird nur die Kinderkrippe um eine Gruppe. Der Grund sei, dass vom Jugendamt angekündigt worden sei, dass die komplette Erweiterung in beiden Bereichen für das gesamte Stadtgebiet angerechnet werde. Dadurch bekomme Roding bei einer solchen Umsetzung Probleme mit dem Bedarf und deshalb auch mit der Förderung etwa bei einem Neubau eines Kindergartens an anderer Stelle. Daher falle die Erweiterung schmaler aus als zunächst angedacht, so Riedl.