Wie geht es mit dem Besuchsdienst weiter? Christa Dendorfer legt ihr Amt in St. Michael nieder

Einen Ansprechpartner, dem man seine Probleme und Sorgen erzählen kann, von dem man aber auch den neusten Tratsch aus dem Landkreis erfährt, das fehlt oft alten Menschen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es seit 1982 den Besuchsdienst im Seniorenheim St. Michael. Doch nun steht dieser vor einer Veränderung.
Nach über 30 Jahren gibt die Leiterin Christa Dendorfer die Verantwortung ab, ein Nachfolger ist noch nicht gefunden. Das macht Heimleiterin Monika Lobmeier Sorgen. Sie ist dankbar für den Besuchsdienst und das, was Dendorfer geleistet hat, befürchtet aber, dass dieser nun einschlafen könnte.
Besuchsdienst ist eine ideale Ergänzung zum Sozialdienst
Neben der Leiterin sind derzeit vier weitere Frauen ehrenamtlich aktiv: Petra Wagner, Angela Niebauer, Eva Kayl und Heidi Hruby. „Ich habe sie alle gefragt, ob sie die Leitung übernehmen wollen“, sagt Dendorfer. Die Frauen sind sich einig, die Nachfolgerin zu unterstützen, aber keine kann die Leitung übernehmen.
Der ehrenamtliche Besuchsdienst ist eine ideale Ergänzung zum Sozialdienst, so Lobmeier. Denn die Ehrenamtlichen können sich mehr Zeit für jeden einzelnen Bewohner nehmen. Zwischen 30 Minuten und drei Stunden dauert ein Treffen mit einem Senior. Es kommt immer darauf an, was man macht, sagt Dendorfer. Man spielt Karten, macht einen Spaziergang oder unterhält sich, aber auch das Schweigen gehört dazu. Denn manchmal sei es einfach wichtig, da zu sein, sind sich die Frauen einig.
Hund unterhält Senioren
Jeder Ehrenamtler kann auf schöne Geschichten zurückblicken: Petra Wagner erfreut die Senioren seit rund eineinhalb Jahren mit ihrem Hund. Der Hund ist für viele Bewohner wichtig, denn manche haben eine lange Bindung zu Tieren, an die sie sich gerne erinnern. Wenn sie ihn nicht dabei hat, wird sie immer gefragt, wo der Hund heute sei, erzählt sie.
Bewohner werden immer pflegebedürftiger
Heidi Hruby ist bereits von Anfang an dabei. Die Aufgabe ist ähnlich geblieben, nur die Umgebung hat sich geändert, sagt sie. Denn die meisten der 88 Bewohner seien heute pflegebedürftiger als früher, erklärt Lobmeier, und damit sei auch die Verweildauer der Menschen im Heim kürzer.
Der Besuch der Frauen kommt bei den Bewohnern gut an. „Eine Frau hat mal gesagt, ihre Mutter mag uns lieber als sie“, erzählt Dendorfer. Das könne man natürlich nicht gleichsetzen, aber mit den Besuchsfrauen hätten die Heimbewohner keine gemeinsame Vergangenheit und damit auch keine offenen Probleme – das schaffe Vertrauen.
Abschied fällt schwer
Dendorfers längste Betreuung dauerte 15 Jahre. Sie erzählt, dass die alte Dame sie jedes Mal zum Aufzug begleitete und ihr dann die Tränen über das Gesicht liefen. „Ich habe sie getröstet und gesagt, ich komme nächste Woche wieder“, erzählt Dendorfer. Doch die Dame meinte nur: „Eine Woche ist lang.“
Der Abschied von den toten Bewohnern fällt den Ehrenamtlichen schwer. „Eine Frau wollte, dass ich beim Tod dabei bin“, sagt Dendorfer. Zwei Tage lang habe sie die Sterbende begleitet. Doch im entscheidenden Moment war sie nicht da.
Jede Ehrenamtliche hat „feste“ Bewohner, die sie regelmäßig besucht. Und die Bewohner haben oft mehrere Ehrenamtler, sie könnten gar nicht zu viel Besuch bekommen. Dendorfer berichtet, dass eine alte Dame von fünf Frauen besucht wurde. „Sie hatte jeden Tag Besuch“, sagt die ehemalige Leiterin.
Feste organisiert
Und nicht nur bei den Treffen setzte sich Dendorfer für die Geselligkeit ein. Sie organisierte Erntedankfeste oder ein Jubiläumsfest zum 30-jährigen Bestehen des Besuchsdienstes. Die Feste standen immer unter einem bestimmten Motto, erzählt sie. So wurde einmal ein Garten im Speisesaal angelegt oder ein Wald, in dem die Heimbewohner sogar echte Pilze entdecken konnten.
Nachwuchs fehlt
Vor Corona bastelte Dendorfer für jeden Heimbewohner eine Karte und überreichte sie zusammen mit den Besucherinnen. Doch mit Corona hat sich nicht nur der Brauch geändert, auch die Ehrenamtlichen sind weniger geworden. Von 16 Personen ist die Gruppe auf fünf geschrumpft. Jetzt sucht der Dienst nicht nur eine Leitung, sondern auch wieder neue Ehrenamtler, wie Eva Kayl, die durch Zufall auf das Ehrenamt gestoßen ist. „Es tut mir gut und den anderen“, sagt Kayl.
Neue Leute für diesen Dienst zu finden, ist schwierig, sagt Lobmeier. Wer Besuchsdienstler werden möchte, sollte sich zurücknehmen, verschwiegen sein und auf Probleme eingehen können. Beim ersten Besuch eines Senioren sollte man „nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern sich erst Informationen zu der Person einholen“, rät Lobmeier.
„Das Ehrenamt ist keine Verpflichtung, es ist einfach nur ein Ratsch“, stellt Dendorfer fest. Interessierte können sich im Seniorenheim St. Michael melden.
Auszeichnung Weißer Engel
Neue Freizeit: „Sie ist der Motor“, sagt Heidi Hruby über Christa Dendorfer. Nach 42 Jahren ehrenamtlichen Einsatz und nach 30 Jahren Leitung des Besuchsdienstler, legt sie ihr Amt nieder. In ihrer neuen Freizeit möchte die Rentnerin zur Ruhe kommen und viel Lesen. Weißer Engel: Für ihr Engagement wurde sie im Juli vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit dem „Weißen Engel“ ausgezeichnet. Die Geehrte wusste gar nicht, dass es eine solche Auszeichnung gibt, sagt sie. Als sie erfahren habe, dass sie den „Weißen Engel“ erhalte, habe sie sich sehr gefreut. Kurz zuvor sei ihre letzte Heimbewohnerin gestorben. Die Auszeichnung sei nun für Dendorfer eine Art Abschluss ihrer ehrenamtlichen Arbeit.