Wegen vermehrter Kontrollen der Stadt: Regensburger Wirte gründen neuen Verein

Von Rainer Wendl · 7. August 2024 um 05:00

Das städtische Ordnungsamt führt seit Wochen verstärkt Lautstärke-Kontrollen in Regensburger Kneipen durch – die Wirte reagieren darauf mit einer Vereinsgründung.

„Der Ton macht die Musik“, sagt Karin Griesbeck, Wirtin der Alten und Neuen Filmbühne. Auf Befehlston reagiert die erfahrene Gastronomin allergisch. Genau einen solchen haben Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts nach ihrer Schilderung aber angeschlagen, als sie kürzlich zu einer spätabendlichen Kontrolle hereingeschneit sind. „Die haben nicht einmal gegrüßt, sondern sofort ,Musik leiser!’ gerufen“, schildert sie die Begegnung.

Anschließend sei ihr erklärt worden, dass die Lautstärke so niedrig zu sein habe, dass sich die Gäste ohne erhobene Stimme unterhalten können. Griesbeck kann diese Vorgabe bis heute nicht so recht nachvollziehen, denn: „Wenn 100 Leute in einem Raum sind und reden, ist nur noch das laut – da hört man keine Musik mehr.“

Aus dem Stand 43 Mitglieder

Doch Diskussionen dieser Art führen zu nichts. Fakt ist, dass die Regensburger Kneipenszene seit einigen Wochen mit einer (angekündigten) Offensive solcher Kontrollen konfrontiert ist. Als Reaktion darauf wurde am Freitag der Verein „Initiative Gastro Regensburg“ gegründet.

Karin Griesbeck fungiert als zweite Vorsitzende, den Führungsposten hat der Kommunikationsprofi und Ex-Gastronom Phuc Huynh übernommen. Mit dem neuen Verein ist das Duo auf offene Ohren in der Szene gestoßen. „Innerhalb von nur 48 Stunden haben wir 43 Mitglieder gewinnen können, hinter denen mehr als 1500 Mitarbeiter stehen“, verdeutlicht Huynh, dass die Initiative auf Anhieb eine gewichtige Stimme darstellt.

„Es besteht Bedarf, die Wirte fühlen sich gegängelt.“

Der Vereinszweck ist laut Satzung „die Vertretung und Förderung der Interessen der Gastronomen in Regensburg gegenüber Behörden, Politik und Öffentlichkeit“. Schon allein durch das große Interesse an der Neugründung sieht sich der Vorsitzende bestätigt. „Es besteht Bedarf, die Wirte fühlen sich gegängelt.“

Griesbeck führt aus, wie sehr aus ihrer Sicht die aktuellen Kontrollen der Lautstärke der abgespielten Musik das Klima vergiften: „Ein früherer Ordnungsamtsleiter hat mal zu mir gesagt, dass er grundsätzlich nur auf Beschwerden reagiere. Zur Zeit aber wird pauschal auf alle losgegangen. Das nervt, denn wir sind schließlich Unternehmer und kennen unsere Regeln.“

„Eigentlich sind wir Problem-Löser“

Anstatt sich gezielt einzelne schwarze Schafe vorzuknöpfen, sorge die Stadt durch ihre Vorgehensweise für Verunsicherung und Frust in der Branche. „Eigentlich sind wir Problem-Löser. Jetzt aber werden wir bestraft, obwohl es keine Probleme gibt. Die Konsequenz wird sein, dass Kollegen das Handtuch werfen und zusperren.“

Für Huynh ist das eine real existierende Gefahr, mit weitreichenden Folgen. „Die Kneipenszene macht Regensburg nicht nur bunt und attraktiv für 30.000 Studenten, sie ist auch ein Kulturträger. Noch dazu ein privat und nicht durch Steuermittel finanzierter“, sagt er und nennt als prominentes Beispiel zwei international bekannte DJs mit Regensburger Wurzeln: „Die Gebrüder Teichmann sind heute auf der ganzen Welt Repräsentanten Deutschlands – hätten sie das jemals werden können, wenn sie nicht bei Karin aufgelegt hätten?“

Liegen Probleme anderswo?

Hinzu kommt die soziale Komponente. Kneipen sind Orte des Austauschs und des Aufpassens aufeinander. „Wir sind immer auch ein Stück weit Sozialarbeiter“, sagt Griesbeck. Mit Blick auf die Taylor-Swift-Partys in der Alten Filmbühne meint sie: „Das ist Frieden pur. Laut ist es natürlich auch – aber nur, weil alle aus voller Kehle mitsingen.“

Ohne die regulierende Funktion der Kneipen – da sind sich die beiden Vereinsvorstände sicher – wäre es in der Stadt lauter, unsicherer und schmutziger. „Die Wirte kümmern sich um ihre Gäste, aber auch um die Sauberkeit vor ihren Lokalen und auf den Freisitzen. Wer räumt dagegen den Müll weg, der von diesen ganzen Automaten-Läden ausgeht?“, fragt Huynh und setzt nach: „Und wer geht gegen die Leute vor, die sich mit riesigen Boxen auf den Bismarckplatz oder die Maxstraße setzen und wirklich Lärm machen? Da müsste man konsequent kontrollieren!“

Dialog mit Ordnungsamt gesucht

Er will damit zum Ausdruck bringen, dass es in Regensburg durchaus Probleme gibt, aber nicht die Wirte dafür verantwortlich zu machen seien. Als Beleg dafür führt er das einhellig positive Fazit der Stadtpolitik auf die Mitte 2023 eingeführte Sperrzeitverkürzung an. Auch die Polizei habe von einem Rückgang der gemeldeten Ruhestörungen berichtet, sagt Huynh und räumt gleichzeitig ein, dass ihm das Ordnungsamt jüngst einen gegenteiligen Trend mitgeteilt habe.

Auch zur Klärung solcher Widersprüche soll der neugegründete Verein ab sofort beitragen. „Wir suchen den Dialog mit dem Ordnungsamt“, betont der Vorsitzende. Damit der Ton künftig wieder freundlicher wird.

„Das ist Frieden pur“ – und die Lautstärke kommt von den Gästen: So voll ist es bei den Taylor-Swift-Partys in der Alten Filmbühne. Foto: Marie Campisi