Taylor Swift Partys in Regensburg: Das steckt hinter dem Hype um den Weltstar

Am Wochenende tritt Taylor Swift auf ihrer „Eras Tour“ im Münchner Olympiastadion auf. Auch Swiftes aus Regensburg bereiten sich für das Mega-Event vor. In der Alten Filmbühne feiern sie einen ganzen Abend zu ihren Songs. Hier bekommt man einen Eindruck, was hinter dem Hype um die momentan erfolgreichste Popsängerin steckt.
Schon beim ersten Schritt in die Alte Filmbühne in der Regensburger Altstadt ist an diesem Montagabend klar, was los ist: Blümchen-Kleider, Glitzertops und selbst gemachte Armbänder scheinen der inoffizielle Dress-Code zu sein. Der Raum ist in pinkes Licht getaucht und obwohl Montag ist, ist die Tanzfläche voll. Wer zur Bar will, muss sich durch die tanzende Menge quetschen. Die Sitzgelegenheiten am Rand des Raumes sind dagegen fast leer. Der Frauenanteil liegt an diesem Abend bei geschätzt 90 Prozent. Sie alle verbindet eine Person: Taylor Swift – die erste Popsängerin, die von der Times zur Person des Jahres gekürt wurde, und deren Fans bei Konzerten in Seattle und in Hamburg kürzlich für messbare Erderschütterungen sorgten. Ihre Musik ist die einzige, die der DJ an diesem Abend in der Filmbühne spielt.
Am Wochenende tritt Swift im Rahmen ihrer „Eras Tour“ im Münchner Olympiastadion auf. Die Tickets kosten teilweise mehrere hundert Euro – ausverkauft waren sie trotzdem schnell. Auch in Regensburg bereiten sich „Swifties“, wie sich die Fan-Gemeinde nennt, auf das Mega-Event vor. Sie basteln Armbänder, durchforsten das Internet und Second-Hand-Shops für ein perfektes Outfit. Und sie nutzen jede Gelegenheit, um die Songs der 14-fachen Grammy-Gewinnerin mitzusingen und dazu zu tanzen.
„Die Eras Tour ist ein riesen Event“
Eine von ihnen ist Simone Mühlberger. Die 22-Jährige hat für ihr Konzertticket am Sonntag etwas mehr als 100 Euro ausgegeben. Den Preis findet sie in Ordnung – „es bringt uns ja nicht nur am Konzerttag Freude“, sagt sie. Auch an ihrem Handgelenk hängen die typischen Armbänder mit Buchstabenperlen, am Donnerstag wird sie mit anderen Regensburger Fans noch mehr davon basteln und sie am Samstag mit anderen Fans tauschen. Für das Konzert hat sie sich mit einer Freundin gebrauchte Cowboyboots gekauft. Mit den Vorbereitungen steigt bei der 22-Jährigen die Vorfreude. Dann müssen sie und ihre Freundin aber auch schnell wieder auf die Tanzfläche – denn es läuft der Song „22“.
Der DJ – DJ Tilda Swifton – veranstaltet einmal im Monat eine Swift-Party in der Alten Filmbühne und das seit mehr als einem Jahr. Auch wenn er sich selbst als großen Fan der Musik bezeichnet, hat er sich nicht nur wegen ihr auf den Popstar spezialisiert. „Die Community macht einen großen Teil des Spaßes aus. Alle, die hier herkommen, tanzen die ganze Zeit und sie singen alle Texte mit“, erklärt er. Viele der Besucher an diesem Abend kommen regelmäßig. Dass Taylor Swift gerade einen riesigen Hype erlebt und Menschen Hunderte Euros für Konzertkarten ausgeben, liegt seiner Meinung nach, nicht nur an der Musik: „Die Kunstfigur Taylor Swift hat sich hochgeschaukelt. Die “Eras Tour„ ist ein riesen Event – es ist der ,Place to be‘.“
Rolling Stone zählt sie zu talentiertesten Songwritern
Als DJ Tilda Swifton „Wildest Dreams“ auflegt, ist Taylor Swifts Stimme in der Alten Filmbühne kaum noch zu hören, der Chor der feiernden Swifties übertönt sie fast. Swifts Lieder haben eingängige Melodien und sie gilt als talentierte Texterin – das Magazin Rolling Stone zählt sie etwa zu den 100 größten Songwritern aller Zeiten. Damit ist sie die jüngste Künstlerin in diesem Ranking.
Dass Taylor Swift gerade jetzt so erfolgreich ist, hat für Alexandra Regiert, Doktorandin am Lehrstuhl für vergleichende Kulturwissenschaft an der Universität Regensburg, einen bestimmten Hintergrund: „Taylor Swift Konzerte und das ganze Universum darum bieten auch einen Zufluchtsort.“ Insbesondere nach den Corona-Jahren mit Ausgangsbeschränkungen sehnen sich viele nach „analoger Gemeinschaft“. Vor allem jüngere Frauen aus der breiten Bevölkerung biete sie Identifikationspotenzial. Denn: „In den Nuller- und Zehner-Jahren grenzte man sich als Frau eher von anderen Frauen ab, ein hyperfeminines Auftreten galt als uncool oder gar antifeministisch. Frauen standen in einer männerdominierten Welt unter dem Druck, sich anzupassen“, sagt Regiert.
Für Simone Mühlberger und ihre Freundinnen steht Taylor Swift vor allem für eines: „Girlhood“, also dem Zusammenhalt unter Mädchen und Frauen. „Girly Sachen werden in der Gesellschaft oft ins Lächerliche gezogen“, sagt Mühlberger. In der Filmbühne merkt man davon an diesem Abend nichts – „man kann einfach so sein und sich kleiden, wie man will.“
Das findet auch Robbie Iorga. Der 29-Jährige ist einer von wenigen männlichen Gästen am Taylor-Swift-Abend und hat vergangene Woche noch ein Konzertticket für 450 Euro ergattert – „ich habe so geweint vor Freude“, sagt er. Für ihn als schwulen Mann sei die Swiftie-Community ein „safe space“, wie er sagt, ein Ort, an dem er sich sicher und wohl fühlt.
Easter Eggs: Kleine Rätselaufgaben für die Fans
Alexandra Regiert spricht in Bezug auf das Swift-Universum auch von einer Wohlfühlblase. „Angesichts der konfliktgeladenen weltpolitischen Lage könnte das Phänomen Taylor Swift auch als eine Art Eskapismus gedeutet werden“, sagt sie. Zwar werden Probleme vor allem aus dem privaten Raum thematisiert, die feministische Präsentation biete den Fans aber Raum, sich stark zu fühlen.
Dass Taylor Swift damit zur Milliardärin wurde und an dem Hype um ihre Person sehr gut verdient, macht sie für einige Fans im doppelten Sinne zum Vorbild. Anja Klosterhuber bewundert die unternehmerische Raffinesse: „Ich find’s cool, dass man nicht nur die Künstlerin hat, sondern auch eine Business-Frau“, sagt der 19-jährige Swiftie. Karten für das Konzert hat sie nicht mehr bekommen, sie wird das Event vom Olympiaberg aus beobachten – ihr Outfit steht bereits: Das schwarze Kleid sei vom Reputation Album inspiriert.
Die Musik mag sie aber nicht nur wegen der Melodien und Texte, sondern auch wegen der kleinen versteckten Hinweise und Bezugnahmen auf alte oder neue Werke – sogenannte „Easter Eggs“, die Fans wie kleine Rätselaufgaben lösen und sich in sozialen Netzwerken darüber austauschen. Auch das Tauschen von Freundschaftsbändern hat sich unter Swifties in Bezug auf eine Liedzeile etabliert. „Sie weiß, was wir mögen und wie sie mit uns in Verbindung treten kann“, sagt Klosterhuber. Mit dem Superstar identifizieren können sich viele der Regensburger Fans aber nicht. Auch wenn sie Taylor Swift sehr sympathisch findet, sagt Mühlberger: „Ich finde wir haben wenig gemeinsam außer den feministischen Ansichten.“
Für DJ Tilda Swifton hat sich das Swift-Phänomen in gewisser Weise verselbstständigt: „Taylor Swift ist vor allem, was das Fandom und die Community daraus macht“, sagt er. In Regensburg beispielsweise machen die Swifties mit Textsicherheit und Ausgelassenheit an diesem Montagabend die Tanzfläche der Alten Filmbühne voll. Ob es in München für ein kleines Erdbeben reicht, wird das Wochenende zeigen.


