Kontrollen in Bars sorgen für Ärger: In Regensburgs Kneipen soll es leiser werden

Der Stadt Regensburg ist es zu laut in den Kneipen. Deswegen kündigte sie an, dass der Kommunale Ordnungsservice (KOS) nun verstärkt kontrollieren wird, ob der Geräuschpegel in den Läden im Rahmen des Erlaubten liegt. Das lässt andere hellhörig werden.
Denn sie sehen in dem Schritt auch eine mögliche Gefahr für Regensburgs kulturelle Vielfalt. Der Grund für die Kontrollen ist laut einer Pressemitteilung der Stadt, dass viele Bars, die laut Genehmigung eigentlich lediglich leise Hintergrundmusik spielen dürften, bis in die frühen Morgenstunden Musik in Disco-Lautstärke auflegen. Als eine Darbietung, die im Hintergrund ertönt, gilt laut städtischer Definition, wenn es sich dabei um „unauffällige, beiläufige und nicht betriebsprägende Musik“ handelt.
Nach Möglichkeit sollen alle Betriebe regelmäßig kontrollier werden, erklärt Juliane von Roenne-Styra, Pressesprecherin der Stadt. Entscheidend dabei sei, dass eine Unterhaltung zwischen Gästen oder des KOS-Mitarbeiters mit den Betreibern dabei problemlos und in normaler Lautstärke möglich ist. Es seien durchaus einige Lokale, die bei Kontrollen des KOS immer wieder auffallen, weil die Musik über Hintergrundmusik hinausgeht, auch wenn keine Veranstaltung angezeigt wurde. Aus Datenschutzgründen könne sie die Namen der Bars und Kneipen nicht nennen. Diese seien über die gesamte Altstadt verteilt.
Ska, Afrofunk, Metal
Einer, der es mit Sorge betrachtet, wie rigide die Stadt nun auf die Einhaltung dieser Regel pochen will, ist Mathias Wagner, Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz. „Ich bin froh darüber, dass DJs in Kneipen Musik auflegen“, sagt er. Denn in den Lokalen werde Musik geboten, die in keinem Club zu hören sei: Ska, Afrofunk, türkischer Elektro, Metal – für Wagner definieren sich Kneipen auch über die Musik, die dort gespielt wird. Sie sei mehr als Hintergrundbeschallung. Sollte dies in der einen oder anderen Bar nun nicht mehr möglich sein, wäre das fürchterlich für ihn. „Wir haben eine solche Vielfalt in Regensburg. Auf einer der Taylor-Swift-Partys in Regensburg ist sogar eine ARD-Doku gedreht worden“, nennt Wagner ein Beispiel.
Auch Karin Griesbeck, Chefin in der Alten und der Neuen Filmbühne, ist genervt von den angekündigten Patrouillen – immerhin gebe es keine Beschwerden über sie. Und überhaupt, Hintergrundmusik: „Wer soll das beurteilen?“, fragt sich die Gastronomin. Ihrer Kenntnis nach gehe es bei den Kontrollen auch darum, ob in den Bars getanzt wird. „Was soll ich machen, wenn einer tanzt? Soll ich es ihm verbieten und sagen, dass das Ordnungsamt das nicht will? Der wird mir doch erklären, dass er ein freier Mensch ist und weitermachen“, sagt sie. Wenn jemand etwas falsch macht, sei Griesbeck natürlich dafür, dass eingeschritten wird. „Aber warum müssen jetzt auch noch die Leute beschnitten werden, die gar keine Probleme machen?“, wundert sie sich.
Auch andere Barchefs treibt das Thema um. So manche bereits angekündigte Veranstaltung wurde nun abgesagt. Offen über diesen Ärger sprechen wollen die Gastronomen aber nicht: Zu groß ist die Sorge, dann erst recht Besuch vom KOS zu bekommen. Der Mitarbeiter einer Bar (Name der Redaktion bekannt) äußert sich ähnlich wie Griesbeck: „Viele Betreiber achten selbstverständlich darauf, gut mit dem Vermieter und den Nachbarn auszukommen“, sagt er. Dieses gute Verhältnis zum Umfeld sei notwendig. „Und ich habe das Gefühl, das klappt auch meistens“, sagt er.
Briefe an die Rathaus-Chefin
Der Mitarbeiter wisse auch lediglich von einem schwarzen Schaf, das lautstärketechnisch regelmäßig über die Stränge schlägt. „Und ich bin schon überrascht, dass manche Dinge in einer Großstadt wie Regensburg immer noch so gehandhabt werden, wie in einem Ort, in dem gerade einmal 50.000 Menschen leben“, wettert er. Wagner und Griesbeck haben sich nun auch mit Briefen an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) gewandt und ihr diese Sorgen geschildert.
Sie beteuert: Es gehe nicht darum, den Barbetrieben zu schaden oder die Qualität der Musikdarbietungen infrage zu stellen. „Kulturelle Vielfalt ist mir wichtig und mir ist durchaus bewusst, dass die Regensburger Bar- und Kneipenszene einen großen Teil dazu beiträgt“, sagt die SPD-Frau. Es gehe vielmehr darum, dass die Verstöße gegen die genehmigte Betriebsart zugenommen haben. Vor allem im Interesse der Wohnbevölkerung könne die Stadt das in dieser Form nicht hinnehmen. „Wer laute Musik zum Tanzen braucht, kann in die verschiedenen Diskotheken in unserer Stadt gehen“, macht die Oberbürgermeisterin ihren Standpunkt klar. Zudem geht es auch ums Geld: Schank- und Speisewirtschaften sollten sich laut Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra im Vergleich zu Diskotheken keinen Wettbewerbsvorteil verschaffen. „Denn Diskothekenbetreiber tätigen erhebliche Investitionen in verschiedene Lärmschutzmaßnahmen“, erklärt sie. Popularmusikbeauftragter Wagner wird nun seinerseits die Kontrollen genau im Auge behalten und beobachten, wie sich das Thema weiter entwickelt. „Wenn es notwendig wird, würde ich das Gespräch mit allen Beteiligten suchen und vermitteln“, sagt er.