Rechte Parolen bei D’Agostino-Hit: So reagieren Regensburger DJs

Von Heike Haala · 29. Mai 2024 um 05:00

Wer Events mit Musik schmeißt, muss sich in diesen Tagen einer Gretchenfrage stellen: Wie hältst du es mit dem Hit von Gigi D’Agostino? Einige Regensburger wollen bei rassistischen Parolen einschreiten – das Lied aber weiter spielen.

Knapp eine Woche ist es nun her, seit ein Video bekannt wurde, das eine Gruppe von Menschen zeigt, die an Pfingsten in einem Club auf Sylt rassistische Zeilen zum Song „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino sangen. Seither wurden weitere dieser Vorfälle bekannt, etwa soll es beim Pfingstfest in Bad Kötzting dazu gekommen sein. Erste Veranstalter – wie Oktoberfest-Chef Clemens Baumgärtner – kündigten an, das Lied zu verbieten. In Regensburg wird es weiter zu hören sein.

Zum Beispiel, wenn Muk Röhrl als DJ Misky auflegt. „Ich spiele dieses Lied, seit es veröffentlicht wurde“, sagt er. Das nach dem Insel-Eklat nicht mehr zu tun, hält er für Blödsinn: „Dann lässt man es kapern“, verdeutlicht der DJ. Zudem ist das Lied für ihn ein absoluter Klassiker, der Jahrzehnte überdauerte, ohne an Partyqualität zu verlieren. „Ich spiele das fast jede Woche“, erklärt er. Gerade bei Events mit Musik aus den 1990er und 2000er Jahren sei der Titel gefragt.

Röhrl hat es selbst noch nie erlebt, dass zu dem Song Parolen gegrölt wurden. Sollte er das mitbekommen, würde er sich wahrscheinlich an die Türsteher wenden und sich dafür einsetzen, dass diese Leute rausgeworfen werden. Allerdings sei er als gebuchter DJ an den Veranstalter gebunden. Sollte der aber fordern, dass er das Lied nicht auf seiner Party hören möchte, werde Röhrl sich auf jeden Fall daran halten.

„Man hat Sylt im Hinterkopf“

Ähnlich äußert sich Benjamin Knorr, der Regensburger Clubbesuchern als DJ Bekay bekannt sein dürfte. „Ich spiele das Lied und sollte ich mitbekommen, dass Parolen gesungen werden, würde ich sofort abbrechen“, sagt er. Sicher triggere der Song gerade. „Man hat Sylt im Hinterkopf, wenn man ihn hört“, beschreibt der DJ seine Wahrnehmung. Aber ein Verbot des Hits bringe in seinen Augen nichts.

Zudem betont er wie Röhrl, dass „L’amour toujours“ auf den im Moment beliebten Events mit Musik aus den 2000er Jahren ein absoluter Kracher sei. Knorr hatte aber auch schon mit Veranstaltern und Clubbetreibern zu tun, die ihn baten, das Lied nicht zu spielen – daran halte er sich.

Club-Betreiber Sascha Al Mahmoud geht davon aus, dass der Song weder im Velvet Room noch in der Astra Kiezbar gespielt wird. Ganz sicher ist er sich da zwar nicht. Aber von einem Verbot halte er ohnehin nichts. Denn er steht auf dem Standpunkt: „Das könnte ja bei jedem Lied kommen. Um Parolen zu grölen, braucht es kein Lied.“ Szenen wie auf Sylt habe es in seinen Läden noch nie gegeben und sollte so etwas passieren, werde er diese Menschen der Räume verweisen.

Mit dem Campusfest steigt in der kommenden Woche eine der ersten Freiluftfeten der Saison, die am 5. Juni Menschen in Scharen auf die Wiesen zwischen Universität und OTH locken wird. Auch hier wird es kein explizites Verbot von Gigi D’Agostinos „L’amour toujours“ geben, wie Julia Späth vom veranstaltenden Verein Campus Regensburg sagt. Ein Lied für Hetze und Hass zu instrumentalisieren, stehe konträr zum Verständnis von vielfältiger Kultur und Musik, in deren Förderung der Verein seinen Auftrag sieht, erklärt sie.

Lied war schon Thema

Rassistische Parolen, wie sie unter anderem auf Sylt proklamiert wurden, werde sie auf dem Campusfest nicht dulden. Das würde im Rahmen der Möglichkeiten auch strafrechtlich zur Anzeige gebracht werden, kündigt Späth an. „Als Veranstaltende haben wir das Hausrecht und die Möglichkeit, Personen von unserer Veranstaltung zu verweisen“, erklärt sie weiter. Und: „Hierzu haben wir unsere Vereinsmitglieder und unseren Sicherheitsdienst nochmals im Vorfeld informiert, damit diese auf etwaige Vorfälle reagieren können. In diesem Zuge haben wir auch alle unsere Acts zur Thematik sensibilisiert.“

Ein wenig anders sieht es bei Mathias Wagner aus. Er ist Popularmusikbeauftragter des Bezirks Oberpfalz und holt Feiernde als DJ Säm vom Barhocker auf die Tanzfläche.„Ich habe das Lied nicht im Repertoire, aber wenn, würde ich es jetzt nicht spielen“, sagt er und betont, anderen DJs damit nicht ins Handwerk reden zu wollen. Er berichtet von einem ähnlichen Vorfall wie dem auf Sylt. „Während der Fußballweltmeisterschaft habe ich aufgelegt und ,Seven Nation Army‘ gespielt“, erzählt er. Beim Refrain seien dann fremdenfeindliche Zeilen zu hören gewesen. „Ich habe sofort abgebrochen“, erinnert er sich.

Auf die Frage, ob es zu den Klängen von Gigi D’Agostino auch in Regensburg schon zu Szenen wie auf Sylt kam, sagt Corinna Wild, Pressesprecherin beim Polizeipräsidium Oberpfalz, dass ihr keine Fälle bekannt sind. Oberpfalzweit berichtet sie neben den beiden Vorfällen beim Pfingstfest in Bad Kötzting von zwei weiteren: einem zur Faschingszeit in Stulln und einem während einer politischen Veranstaltung in Weiden.