61 Marathons in 61 Tagen: Über 1500 Kilometer hat Aleksander Lingauer schon geschafft

Aleksander Lingauer ist weiterhin fest entschlossen. Am 30. August wird er nach 61 Marathons in 61 Tagen in Regensburg ankommen. Mehr als die Hälfte der Strecke quer durch Deutschland hat er schon geschafft. Südlich von Mainz zieht der Sohn der Schwandorfer Gastronomenfamilie (Eismanufaktur Lingauer) am Montag am Telefon Bilanz.
Es ist ein schier unmenschliches Projekt, was sich der 25-Jährige da in den Kopf gesetzt hat. An 61 aufeinanderfolgenden Tagen will er je einen Marathon zurücklegen. Das entspricht täglich mehr als 42 Kilometern, zusammengerechnet sind es über 2500 Kilometer. Was das für den Körper bedeutet, weiß Lingauer nur zu gut. Er ist selbst gelernter Physiotherapeut, auch Mediziner hatten ihm schon bescheinigt, dass diese Art von Belastung ungesund sei.
Spenden für Bedürftige
Doch der Wahl-Regensburger ließ sich davon nicht abhalten. Denn er verfolgt mit seinem Project 61 ein ganz bestimmtes Ziel: Er will Spenden sammeln für bedürftige Menschen. 61000Euro hat er sich da passenderweise als Marke gesetzt. Profitieren sollen die Organisation Space Eye, die Hilfe für Menschen auf der Flucht bereitstellt, und das Deutsche Rote Kreuz (DRK). Besonders die Themen Alkoholismus und Obdachlosigkeit treiben ihn dazu an. Denn mit beiden wurde er in seiner Kindheit selbst konfrontiert.
Am 1. Juli war es dann soweit. Nach ein paar Dehnübungen und einem beherzten „Let’s go“ lief Aleksander Lingauer am Strand von Sylt los. Über Instagram (aleksanderlingauer) lässt er Außenstehende an seiner besonderen Reise teilhaben. Die ersten elf Tage wurde er von einem dreiköpfigen Filmteam begleitet. Um dieses samt Van, Essen und Sprit zu bezahlen, hatte der 25-Jährige zuvor eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen. Immerhin 1300Euro kamen zusammen. Um die komplette Reise dokumentieren zu können, hätten es aber etwa 35 000 Euro sein müssen. „Ich bin sehr dankbar. Auch wenn das Geld schnell weg war“, sagt Lingauer.
Seitdem ist er alleine unterwegs. Ob das Filmteam zumindest das Ende seiner Reise wieder dokumentieren kann, steht noch in den Sternen. In der aktuellen Situation sehe der Sportler aber auch etwas Positives. Er habe mehr Zeit, in sich zu gehen und zu reflektieren. Ein großer Nachteil bleibt aber: Der Rucksack muss seit Tag zwölf selbst getragen werden. „Ich kann gar nicht beschreiben, um wie viel anstrengender das ist“, so Lingauer.
Und trotzdem kämpfte und kämpft er sich Tag für Tag voran. Sylt, Flensburg, Kiel, Hamburg, Berlin, Dresden, Leipzig, Chemnitz, Hof, Bayreuth, Nürnberg, Würzburg, Frankfurt und Mainz hat er bereits hinter sich gelassen. Oft hat er mit seinem Schlafsack im Freien geschlafen. Manchmal fragte er aber auch via Instagram nach Übernachtungsmöglichkeiten. Privatleute stellten daraufhin Schlafplätze bereit. Ohnehin ist Lingauer begeistert von der Hilfsbereitschaft der Menschen. Auch mit Essen und Trinken werde er entlang seiner Strecke immer wieder versorgt. Nun soll das heimische Rennrad verkauft werden, um wieder an Geld zu kommen. Die nächste Station heißt Kaiserslautern, ehe der Sportler durch Karlsruhe nach Stuttgart in Richtung Oberstdorf läuft. Dort erreicht er dann den südlichsten Punkt Deutschlands. Entlang der österreichischen Grenze geht es Richtung Tegernsee und Kiefersfelden. Von dort aus führt seine Strecke nach München und Augsburg bis in die Heimat nach Regensburg.
Zuversicht ist ungebrochen
Läuft alles nach Plan, und das tut es bisher, wird Lingauer hier am 30. August aufkreuzen. Konditionell sei er in bester Form. Natürlich streikt der Körper aber auch mal stellenweise. So sei es zum Beispiel am Sonntag gewesen. „Ich habe mich drei Mal übergeben müssen, und mir war schwindlig“, gibt Lingauer zu. Deshalb sei nach 30 Kilometern auch Schluss gewesen. Um die Regel nicht zu brechen, habe er den Rest dann aber innerhalb der 24-Stunden-Frist noch aufgeholt – zusätzlich zum nächsten Marathon, der dann wieder auf der Tagesordnung stand.
Von langanhaltenden Verletzungen sei er bislang verschont geblieben. „Muskel, Sehnen, Knochen – alles ist in bester Ordnung“, sagt Lingauer. Deshalb habe er auch überhaupt keine Zweifel daran, dass er das Project 61 zu Ende bringen wird. Auch das Wetter spielt mittlerweile gut mit. Hatte der hohe Norden den Oberpfälzer zunächst noch mit Wind, Regen und zwölf Grad begrüßt, ist es mittlerweile wesentlich angenehmer und trockener.
Und auch die bedachten Organisationen können sich schon über die ersten Summen freuen. Wie viel Geld bislang beim DRK eingegangen ist, darüber hat Lingauer zwar noch keine Auskunft bekommen. Für Space Eye hat sein Project 61 aber schon knapp 4000 Euro an Spenden generiert.
Gepusht wurde die Aktion sicherlich auch durch einige Medienberichte. Kleinere Lokalzeitungen und auch große Häuser sind auf den 25-Jährigen während seiner Tour schon aufmerksam geworden. Eine schöne Sache, findet Lingauer, der gleichzeitig aber betont, dass er keinesfalls losgelaufen ist, um sich zu profilieren. Er will die Aufmerksamkeit auf die Themen lenken, die ihn selbst geprägt haben: Alkoholismus, Obdachlosigkeit und Willensstärke.