Schwandorf: Sechs geflüchtete Frauen lernten Fahrradfahren – Für weitere Kurse sind Spenden notwendig

Große Freude herrschte am Mittwoch in Schwandorf. Sechs junge Frauen, alle Geflüchtete, lernten im Rahmen eines innovativen Forschungsprojekts bei dem Kurs „Radln für Madln“ Fahrradfahren – und jede bekam im Anschluss sogar ein Rad geschenkt. Das bedeutet für sie mehr Selbstständigkeit und Mobilität als zuvor – etwa um später einmal zu einem Ausbildungsplatz zu gelangen.
Die Teilnehmerinnen sind über die Möglichkeiten, die ihnen nun offen stehen, glücklich. Zum Beispiel Hadeel aus Syrien. Krankenschwester möchte sie später vielleicht werden, wenn sie die Berufsschule sowie den Hauptschulabschluss absolviert hat.
Deutsch lerne sie längst fleißig, versichert sie, und tatsächlich kann man sich sehr gut mit ihr verständigen. Die 20-Jährige ist vor zwei Jahren ganz allein nach Schwandorf gekommen, hat aber viele Freunde gefunden. Gerade als Krankenschwester, so weiß sie, habe man unregelmäßige Arbeitszeiten. Da sei ein Fahrrad viel wert.
Auch Tizeta freut sich und träumt ebenfalls von einer Ausbildung zur Krankenschwester. In Teublitz, wo die 21-Jährige seit zwei Jahren wohnt, fahre nicht immer ein Bus, samstags gar nicht. Nun könne sie zumindest kürzere Strecken mit dem Rad fahren, etwa zum Einkaufen oder zu Freunden, sagt Tizeta strahlend. Darauf freuen sich auch Reraa und Shagul.
Möglich machte den Kurs eine Arbeitsgruppe, entstanden aus einer Zusammenarbeit der Universität Eichstätt mit dem Beruflichen Schulzen-trum (BSZ) Schwandorf, dem Jugendmigrationsdienst und dem ADFC Schwandorf.
Nur noch wenige Wackler
Die sechs Frauen aus Afghanistan, Äthiopien, Syrien und von der Elfenbeinküste trafen sich an zehn Kurstagen, jeweils zwei Stunden lang. Nun fahren alle schon recht sicher. Den einen oder anderen Wackler gibt es hin und wieder noch. Aber das sei wie beim Autofahren, erklärt Fahrlehrer Christoph Beck vom ADFC, der den Kurs ehrenamtlich hielt: Wenn man den Führerschein geschafft habe, brauche man auch erst Fahrpraxis und werde immer sicherer.
Der Kurs habe allen viel Spaß gemacht, versichern die Frauen. Ein bisschen Angst hätten sie anfangs schon gehabt, gestehen Yasmine und Sima lachend. Das Schwierigste sei gewesen, das Gleichgewicht zu halten. „Wir sind öfter mal gekippt“, sagt Reraa und freut sich, dass sie das Fahrradfahren jetzt beherrscht.
Beck hatte eine gute Methode, es beizubringen: „Die Frauen mussten anfangs ohne Pedale fahren, wie auf einem Laufrad.“ Bald hätten alle auf diese Art das Gleichgewicht gefunden – und los ging es, zu immer größeren Touren in Schwandorf. Das Anfahren, gerade an einem Berg, war eine weitere Schwierigkeit, die die jungen Frauen aber ebenfalls meisterten. Jeder Fortschritt wurde gebührend gefeiert und steigerte die Motivation.
Direkt aufs Rad
Natürlich sei es auch wichtig, Verkehrsregeln und -schilder zu kennen und zu beachten, betont Beck. Ein wenig Theorie vermittelte der Fahrlehrer den Anfängerinnen zu Beginn, doch dann sei fast alles praktisch erfolgt, also während der Fahrten. Was ist rechts vor links? Wie verhält man sich beim Abbiegen? Nach und und nach lernten die Teilnehmerinnen alles – und machten Schwandorf unsicher.
Beck ist stolz auf seine Schützlinge: „Sie machen das super und haben sich sehr viel Mühe gegeben. Den Kurs zu absolvieren, bedeutet für sie auch ein Erfolgserlebnis.“ Es sei auch für ihn spannend gewesen und habe viel Freude gemacht, so Beck. Zudem sei der Zusammenhalt unter den Frauen großartig, alle hätten sich gegenseitig angefeuert und unterstützt. Das Projekt, das an der Universität Eichstätt entwickelt wurde, setzt sich explizit für die Verbesserung der Mobilität junger geflüchteter Frauen ein. Professorin Patricia Broser und Sabine Kick vom BSZ sowie Uschi Maxim und Tamara Kneiß vom Jugendmigrationsdienst Schwandorf haben die Konzepte für die Umsetzung erarbeitet.
Wiederholung ab September
Denn eingeschränkte Mobilität der Frauen wirke sich nicht nur negativ auf ihr privates Leben aus, sondern limitiere auch berufliche Perspektiven erheblich. Der Kurs, der sich zunächst an die Schülerinnen der Berufsintegrationsklassen am BSZ wendet, soll ab September wiederholt werden. Mit Christoph Beck, so lobte Maxim, konnte ein erfahrender Partner für das Projekt gewonnen werden. „Er war ein Gewinn und hatte immer die Ruhe weg.“
Zusammen mit einem Zertifikat erhielten die Teilnehmerinnen das Fahrrad samt Helm und Zubehör geschenkt. Beck hatte alle Räder auf Verkehrstüchtigkeit geprüft. Damit können die „Madln“, so betonen die Verantwortlichen, nun sicher und selbstbewusst in ihre berufliche Zukunft radeln.
Spenden: Für die nächsten Kurse hoffen die Organisatoren auf Spenden. Gesucht werden gut erhaltene, voll funktionsfähige und verkehrssichere Fahrräder, Helme, Schlösser oder gerne auch Geldspenden.
Kontakt: Jugendmigrationsdienst, Telefonnummer (09431) 7540909.
