Horsch Stiftung investiert in „Hoffnungshäuser“ für die Stadt Schwandorf

Erst vor kurzem hat die Horsch Stiftung das Gelände des Piusheims samt Nachbargrundstück an der Herbststraße in Schwandorf gekauft. Auf rund 4000Quadratmetern sollen hier geförderte Wohnungen entstehen – nach einem in Bayern bisher einzigartigen Konzept.
Nach dem Verkauf des Piusheims wurden die Grundzüge der Planungen bei einem Infoabend am Dienstag interessierten Anwohnern vorgestellt. Bei dem Wohnprojekt arbeiten zwei Stiftungen zusammen. Die Horsch Stiftung, die in Schwandorf vor allem durch die Initiative „Integration SAD“ bekannt geworden ist, tritt als Investor auf. Betrieben werden soll die Anlage von der 2013 gegründeten Hoffnungsträger Stiftung aus Baden-Württemberg. Diese will in Schwandorf ihren zwölften Standort aufbauen – zugleich den ersten in Bayern. Das Modell ist durchaus erfolgreich: 32 sogenannte Hoffnungshäuser mit 223 Wohnungen gibt es bereits. In ihnen leben fast 750 Menschen, erläuterte bei der Veranstaltung Thomas Röhm, der Leiter Standortentwicklung bei der Hoffnungsträger Stiftung.
Bunte Mischung soll es richten
Das Konzept ist nach seinen Worten auf integratives Wohnen ausgerichtet. Der Grundgedanke: „Menschen, die mitten im Leben stehen“ und „sozial benachteiligte Menschen“ leben sozusagen unter einem Dach. Die bunte Mischung soll es richten: Laut Röhm werden in den Hoffnungshäusern in der Regel 30 Prozent der Wohnungen auf dem freien Markt angeboten, bis zu 70 Prozent seien gefördert. Letztere stehen grundsätzlich allen Mietern offen, die einen Wohnberechtigungsschein vorweisen können – also Migranten, aber auch Alleinerziehende oder Senioren. In Schwandorf könnte sich der Fokus möglicherweise stärker auf ältere Menschen richten, deutete der Leiter Standortentwicklung an.
Das Besondere sind feste personelle Strukturen
Entstehen soll an der Herbststraße wie an den schon bestehenden Standorten laut Röhm „ein Ort, der mit Leben gefüllt ist und in dem die Menschen miteinander unterwegs sind, gemeinsam etwas gestalten“. Die Möglichkeiten seien vielfältig – von der Hausaufgabenhilfe bis zur Unterstützung bei Ämtergängen, vom Straßenfest bis zum Tagesausflug.
Damit das nicht nur Vision bleibt, will die Stiftung auf Netzwerke vor Ort zurückgreifen – Ehrenamtliche, soziale Initiativen, die Kirchen. Dazu kommt eine Besonderheit: Damit es nicht beim Prinzip Hoffnung bleibt, gibt es laut Röhm feste personelle Strukturen. An jedem Standort steht ein offizieller Leiter in der Verantwortung, der selbst in einem der Häuser wohnt und bei Bedarf durch Sozialarbeit unterstützt werden kann.
Auch beim Bau selbst wird nach Angaben der Stiftung Wert auf Nachhaltigkeit und Offenheit gelegt. Alle Hoffnungshäuser werden in Holzständerbauweise errichtet und mit Wärmepumpen beheizt. Auf den Flachdächern sind eine Begrünung und Photovoltaik-Anlagen vorgesehen.
Bauantrag soll im Oktober eingereicht werden
In Schwandorf befinden sich die Bauplanungen noch in einem „sehr frühen Stadium“, wie der Geschäftsführer der Horsch Stiftung, Philipp Simmet, erläuterte. Nach einer Bauvoranfrage, die vom Bauausschuss positiv beurteilt wurde, sind auf dem Gelände vier Mehrfamilienhäuser mit drei Vollgeschossen vorgesehen. Entstehen sollen darin etwa 30 unterschiedlich große Wohnungen für 80 bis 90 Menschen. Offen sei die Frage, ob alle Wohneinheiten auch barrierefrei erschlossen würden, ergänzte Simmet. Die genaue Planung soll nach seinen Worten bis zum Herbst unter Dach und Fach sein. Dann wolle man die Öffentlichkeit erneut informieren und auch den offiziellen Bauantrag einreichen.
In der anschließenden Diskussion gab es auch skeptische Stimmen. Vor allem ein Thema beschäftigt offenbar die Nachbarn: Sie befürchten, dass das Projekt die Parkplatzsituation im Lindenviertel noch einmal deutlich verschärfen könnte. Und die sei „jetzt schon katastrophal“, so eine Anwohnerin.
Anwohner: Wieso keine Tiefgarage?
Zwar stellte Philipp Simmet von der Horsch Stiftung in Aussicht, dass von den geplanten 46 bis 48 Stellplätzen nach den bisherigen Erfahrungen in der Regel immer etliche frei bleiben würden. Trotzdem wurde die Forderung nach einer Tiefgarage laut, wie sie etwa beim geförderten Wohnprojekt am Tonwarengelände realisiert werden soll.
Die Investoren versprachen, die „Erfahrungen der Anwohner“ zu berücksichtigen, wie es Philipp Horsch ausdrückte. Zusammen mit Bruder Michael und dessen Ehefrau Cornelia Horsch ist er nicht nur Geschäftsführer der Horsch Maschinen GmbH, sondern wie die beiden auch Mitglied im Stiftungsvorstand. Alle drei waren beim Infoabend präsent.
Michael Horsch formulierte die gemeinsame Haltung so: „Wir sind Nachbarn. Wir wollen das Projekt nicht gegen euch, sondern mit euch durchziehen“, wandte er sich an die Zuhörer. An interessierte Schwandorfer richtete er das Angebot, eines der bereits bestehenden Hoffnungshäuser im Rahmen einer organisierten Fahrt zu besichtigen.
Zuvor hatte Schwandorf Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU) an die Zuhörer appelliert, sich ein Stück Offenheit gegenüber Migranten zu bewahren, auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel: „Ich bin hoffnungsfroh, dass es gut wird, weil die Richtung stimmt. Sowohl baulich als auch von der Wohnform her wird das beispielgebend sein.“
