Zahl der Feste in der Altstadt bleibt Zankapfel: Zuletzt fielen gleich vier große Partys weg

Von Jürgen Scharf · 5. August 2024 um 17:00

Zu viel, zu laut, zu voll? Oder genau richtig? Oder sogar zu wenig? Die Debatte um Anzahl und Art der Feste in der Regensburger Altstadt kocht seit Jahren vor sich hin.

Da dieses Jahr nun gleich mehrere Feste nicht stattfinden, hat sich der Terminkalender deutlich entzerrt. Altstadtkaufleute freut das, Vertreter von Jugendverbänden sehen es dagegen mit gemischten Gefühlen, wie die Mittelbayerische erfahren hat.

Craft-Beer-Festival und Weinfest am Neupfarrplatz, Weinfest in Stadtamhof und Jahninselfest: alle abgesagt. Gleich vier bekannte Feste fielen damit aus dem Terminkalender raus. Aus unterschiedlichen Gründen allerdings. Die Events am Neupfarrplatz hatte die Stadtverwaltung nicht mehr genehmigt, das Fest in Stadtamhof sagte der Veranstalter wegen der bislang noch fehlenden Genehmigung selbst ab und das Jahninselfest musste wegen des Hochwassers kurzfristig gestrichen werden.

„Soziale Kontakte pflegen“

Jonas Scherer, Vorsitzender des Stadtjugendrings, ist nach eigener Aussage eigentlich klar für „eine Vielzahl von Angeboten in der Stadt, die auch junge Leute ansprechen“. Dies trage dazu bei, soziale Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Insbesondere die Absage des Jahninselfestes, das dann nur in stark verkleinerter Form stattfinden konnte, bedauert er. Es dürfe aber nicht vergessen werden, findet er, dass ein zu großes Angebot auch ins Negative umschlagen könne: „Dies wäre der Fall, wenn eine Fear of missing out bei jungen Menschen entsteht, und sie sich dazu gezwungen fühlen, zu mehr und mehr Veranstaltungen erscheinen zu müssen.“

Deutlich Position bezieht der Regensburger CSU-Stadtrat und Junge-Union-Kreisvorsitzender Tim Helmes. Er bedauere es, sagt er, dass so viele Feste abgesagt wurden: „Ich finde es generell wichtig, dass es auch ein gutes kulturelles Angebot in der Stadt gibt.“ Feste im öffentlichen Raum seien ein Standortfaktor, der auf viele Bereiche, etwa auch die Wirtschaftsförderung, ausstrahle: „Und sie sind sicher auch ein Argument für junge Leute, nach Regensburg zu ziehen.“ Es gehe dabei „grundsätzlich ums Zusammenkommen, es geht um den gesellschaftlichen Zusammenhalt“. Er teile auch nicht die Generalkritik, die es an manchen Festen gab. Etwa bei der Frage, ob ein Bierfest in der Altstadt überhaupt eine Berechtigung habe. „Bier ist bei uns eben auch ein Bestandteil der Kultur“, sagt Helmes.

Jazzweekend, Gassenfest an der Donau oder Fest der Demokratie – in der Regensburger Altstadt ist dieses Jahr immer noch einiges geboten. Und aus Sicht zweier Vertreter von Einzelhandelsverbänden sollte das eigentlich locker ausreichen. Armin Gebhard von den Regensburger Kaufleuten etwa bewertet einen entzerrten Terminkalender „grundsätzlich positiv“. Er und andere Mitglieder seines Vereins hätten zuletzt allerdings den Eindruck gewonnen, dass der Freiraum bei den Terminen nun mit Demonstration „aufgefüllt wird und somit wieder kein normaler Geschäftsbetrieb stattfinden kann. Da kann man sich die Frage stellen: Was stört mehr?“ Manfred Müller vom Verein Faszination Altstadt findet es nach eigener Aussage ebenfalls gut, wenn der Terminkalender nicht komplett mit Festen vollgepackt ist.

Dann noch zum Shoppen?

Er sehe zwar die Belebung, die diese Feste für die Innenstadt bringen, „aber nicht alle Feste sind gleichzeitig auch für den Handel hier gut. Ich sage da mal als Beispiel: Wenn ich auf die Dult gehe, gehe ich vorher nicht auch noch zum Einkaufen in die Stadt“.

Durchaus positiv für die Einzelhändler könnten sich allerdings kulturelle Abendveranstaltungen auswirken: „Weil die Besucher da ja dann manchmal gleich in Regensburg übernachten und teils am nächsten Tag oder davor auch noch einkaufen gehen.“

Zum Thema Feiern äußerte sich in den vergangenen Jahren auch immer wieder die Satire-Partei Die Partei. Stadtrat Ingo Frank sagte nun auf Anfrage, dass es bei ihnen zwei Grundhaltungen gebe: „Zum einen sollen die Leute natürlich nicht feiern – sondern arbeiten. Zum anderen zweifeln manche von uns aber an, dass es wirklich weniger Feste gegeben hat.“ Frank nennt als Beispiele die Feiern zum 100. Jahrestag von Eingemeindungen wie das Brückenfest am Regen. Und hat einen Vorschlag: „Jetzt weiter neu eingemeinden, dann sind ein paar Feste in 100 Jahren schon wieder gesichert.“

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra teilt derweil mit, dass es „grundsätzlich schön ist, wenn es in Regensburg eine große Bandbreite und Vielfalt an“. Dass es dabei in den Sommermonaten gewisse terminliche Überschneidungen gibt, sei nicht ungewöhnlich. Allerdings gebe es auf Beschluss des Stadtrats von März bis Oktober auch acht Wochenenden, an denen die Altstadt grundsätzlich von lärmintensiven Open-Air-Veranstaltungen frei gehalten werden müsse, um gewisse Ruhephasen zu haben.