Besucherflaute anderswo: Macher von Gillamoos und Kelheimer Volksfest optimistisch

Dunkle Wolken am Volksfesthimmel: Auf Veranstaltungen in Cham, Schwandorf und anderswo bröckeln die Besucherzahlen. Doch von nachlassender Volksfeststimmung wollen Branchenkenner im Kreis Kelheim nichts wissen.
Das Kelheimer Volksfest und der Gillamoos stehen vor der Tür – doch am Volksfesthimmel ziehen düstere Wolken auf: In Cham etwa spielten Partybands vor nahezu leeren Bänken. In Schwandorf, Ingolstadt, aber auch in anderen Bundesländern verzeichneten Feste heuer Einbußen. Günter Haimerl, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Ostbayern, nennt im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern als einen möglichen Grund, dass Volksfeste für Familien sehr teuer geworden sind. Stehen den Festen im Kreis Kelheim ebenfalls Besucherflauten bevor?
Blickt man zurück, verlief das Jahr im Kreis Kelheim bisher zufriedenstellend. Das war beispielsweise das Fazit des Kelheimer Fischerfestes. Beim Pfingstvolksfest in Neustadt a.d. Donau haben man keinen Rückgang der Besucherzahlen bemerkt, sagt Eva Heindl, die Lebensgefährtin von Festwirt Daniel Schneider. Gefühlt sei es „wie sonst auch“ gewesen.
Gillamoos: Marktmeister sind zuversichtlich
Allerdings: Im Bereich Bar- und Partyzelt, wo überwiegend junge Leute Klopfer und Longdrinks konsumieren, hat die Nachfrage „sehr nachgelassen“, sagt Heindl. Haben junge Leute weniger Geld oder feiern sie woanders? Vermutlich eine Kombination von beidem, sagt Heindl. Bei Familien hingegen habe man keinen Rückgang bemerkt.
Reinhard Gschrey, Festwirt auf dem Kelheimer Volksfest (und Fischerfest) und heuer mit zwei Zelten – Hofbräu und Ottenbräu – auf dem Gillamoos vertreten, blickt gelassen in die Zukunft. Das Volksfest in Kelheim sei sehr stark, seine Erwartungen hoch. Der Gillamoos laufe von Jahr zu Jahr besser für ihn. Auch über die zurückliegenden Feste – Greding, Amberg, Ansbach – könne er sich „nicht beklagen“.
Die Gillamoos-Marktmeister Heribert Eichstädter und Konrad Ettengruber machen sich ebenfalls keine Sorgen: „Ich rechne nicht mit eklatant weniger Leuten“, sagt Eichstädter. Als Marktmeister eines großen Volksfestes gehört es dazu, andere Veranstaltungen im Blick zu haben, sich bei anderen Marktmeistern umzuhören, erklärt Ettengruber. Die Thematik des Chamer Volksfestes ist den Abensberger Marktmeistern daher bekannt. Was die Gründe für geringen Zuspruch sind, sei zwar schwer zu sagen, findet Ettengruber. Parallel-Veranstaltungen und Temperaturen um die 30 Grad dürften allerdings hineinspielen. Letztere würden eher Lust auf Freibad, denn auf Volksfest machen.
Ohnehin, da sind sich Eichstädter und Ettengruber einig, tauge das vergleichsweise kleine Chamer Volksfest nur bedingt als Gradmesser: „Der Gillamoos ist eine ganz andere Hausnummer“, sagt Ettengruber. „Er hat ein größeres Einzugsgebiet, ist ganz anders frequentiert.“
Eichstädter und Ettengruber sind bezüglich des diesjährigen Gillamoos – dem dritten nach Corona – zuversichtlich. Die Liebe zum Jahrmarkt ist nach der Pandemie ungebrochen, sagt Ettengruber. Das gelte auch und gerade für junge Leute. Wobei er Heindls Beobachtung mit der Schnapsbar durchaus bestätigen kann. Junge Leute würden Volksfest schon seit Jahren und zunehmend traditionell feiern. Mit hochwertigen Trachten und allem Drum und Dran – „da geht es nicht nur ums Bier“, sagt Ettengruber. Daher finde man die Jungen wohl auch eher im Bierzelt bei allen anderen, als an der Schnapsbar. „Toll“, findet der Marktmeister.
Volksfest bei jungen Leuten weiterhin Tradition
Und wie sehen das junge Leute? Wir fragen Anja Mittermeier, die sich heuer als Gillamoos-Dirndlkönigin beworben hat. „In Abensberg haben beim Gillamoos alle frei“, sagt die 17-Jährige. Ihr Freundeskreis gehe auf jeden Fall hin. „Ich glaube, dass viele Besucher kommen.“
Bei Schaustellern nachgefragt, ergibt sich ein gemischtes Stimmungsbild. Fritz Kreis etwa, der auf dem Gillamoos mit der Schiffsschaukel und einem Süßigkeitenstand vertreten ist, kann einen allgemeinen Besucherrückgang ebenfalls nicht bestätigen. Das Jahr sei bisher „so wie immer“ verlaufen. Kreis war unter anderem in Ingolstadt, Nürnberg, Dillingen und Reichertshofen. Freilich gebe es stärkere und schwächere Veranstaltungen, aber einen Abwärtstrend habe er nicht beobachtet.
Etwas anders sieht das Andreas Pfeffer von der Bezirksstelle Straubing des Bayerischern Landesverbandes der Marktkaufleute und der Schausteller (BLV). Er verkauft dieser Tage Mandeln und Süßigkeiten in Cham. „Wir Schausteller waren immer schon Konjunkturfühler“, sagt er. Es falle schon auf, dass manche Leute heuer sparen. Aber es gebe auch Besucher, „die feiern, als würde es kein Morgen geben“. Sorgen macht Pfeffer sich indes nicht. Es gebe gute Jahre, es gebe schlechte Jahre. Das sei man in der Branche, die in Generationen denkt, gewohnt. Und auf den Gillamoos freut Pfeffer sich so oder so: „Der ist immer schön.“