Besucherflaute in Cham und Schwandorf: Keine Lust mehr auf Volksfeste?

Von Isolde Stöcker-Gietl · 31. Juli 2024 um 19:00

„Für Familien sind die Volksfeste sehr teuer geworden.“ Viele könnten sich einen Bierzeltbesuch schlichtweg nicht mehr leisten, sagt der Straubinger Schausteller Günter Haimerl. Aber es gibt noch mehr Gründe für sinkende Besucherzahlen und schwächere Umsätze.

Günter Haimerl steht mit seinem Mandel- und Schokofrüchtestand derzeit auf dem Volksfest in Cham. Dort laufen die Geschäfte in diesem Jahr nicht so gut. Die Besucherzahlen sind spürbar eingebrochen. Haimerl, der auch Vorsitzender des Schaustellerverbandes Ostbayern ist, spricht von Wellen, die es auch in der Vergangenheit immer wieder gegeben habe. Besorgt sei er deswegen noch nicht. Eines sei aber deutlich spürbar: „Für Familien sind die Volksfeste sehr teuer geworden.“ Viele könnten sich einen Bierzeltbesuch mit Bier, deftigem Essen und einigen Runden in den Fahrgeschäften schlichtweg nicht mehr leisten. „Da sind bei vier Leuten schnell mal 200 Euro weg.“

Kein rein ostbayerisches Phänomen

Es ist kein rein ostbayerisches Phänomen, dass derzeit die Gästezahlen auf Festen einbrechen. Auch das Stuttgarter Frühlingsfest oder die Rheinkirmes in Düsseldorf mussten Einbußen hinnehmen. Das Fischerfest in Ingolstadt rutschte im Juni auf ein Rekordtief. Beim Volksfest in Schwandorf, das Ende Mai/Anfang Juni zum 84. Mal veranstaltet wurde, hatten Besucher das Preis-Leistungs-Verhältnis kritisiert und den Festwirt, der das Amt seit 1990 inne hat, aufgefordert, sein Konzept zu überdenken. Der hatte auf solche Wünsche gekontert, dass das halbe Gockerl samt Semmel mit 9,90 Euro im Vergleich zur Dult in Regensburg (14,90 Euro) günstig gewesen sei. Die Maß Bier wurde für 10,90 Euro ausgeschenkt, ebenso wie jetzt in Cham. Zum Vergleich: Beim Münchner Oktoberfest knacken die ersten Zelte die 15-Euro-Marke. Beim Straubinger Gäubodenfest wird die Maß 12,70 und 12,75 Euro kosten.

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Das sich verändernde Konsumverhalten spüren insbesondere die Bayerischen Brauer. Schon bei der Jahres-Pressekonferenz im Februar hatte Präsident Georg Schneider von schwierigen Zeiten gesprochen. 2023 hatten die Bayerischen Brauer 570.000 Hektoliter Inlandsabsatz eingebüßt. Ein Rückgang von 3,2 Prozent. Das ist aber nicht allein auf den Bierkonsum bei Festen zurückzuführen, sondern betrifft den alltäglichen Genuss etwa in Form eines Feierabend-Bieres. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt mit gut 90 Litern inzwischen deutlich unter früheren Marken. In den 1970er Jahren konsumierten die Menschen noch 151 Liter pro Kopf.

Ein schöner Sommer und ein EM-Sommermärchen reiche da nicht aus, um eine Trendumkehr einzuläuten, mahnte Schneider. Nun ist der Sommer 2024 verregnet oder alternativ sehr heiß – auch das trägt nicht dazu bei, dass die Menschen in Scharen zu Festen und Veranstaltungen strömen. Wobei es Ausnahmen gibt: Die Regensburger Mai-Dult war trotz einiger Regengüsse gut besucht. „Das ideale Volksfestwetter ist leicht bewölkt bei 22 bis 25 Grad“, sagt Schausteller Haimerl, der mit seinem Süßwaren-Sortiment von Straubing aus Feste in ganz Deutschland beschickt und dort auch mit vielen Kollegen ins Gespräch kommt. „Bei Regen setzt sich niemand in eine Wildwasserbahn und bei 30 Grad nimmt keiner bei mir am Stand Schokofrüchte mit.“ Neben dem Wetter liege es aber manchmal auch am zugewiesenen Standplatz, der den Umsatz schmälere. Zudem kämpften die Beschicker mit gestiegenen Preisen und fehlendem Personal. Das treibe wiederum die Preise in die Höhe.

Jüngere feiern andere Events

Aber auch grundsätzlich gebe es Veränderungen in der Gesellschaft. „Die Zeiten, in denen die Straubinger elf Tage lang jeden Tag auf dem Gäubodenfest waren, sind lange vorbei“, sagt Haimerl. Das jüngere Publikum feiere auf anderen Events. Der Schausteller, dessen Familie in fünfter Generation unterwegs ist, nennt etwa Konzerte und Motto-Partys. Auch das könne sich wieder ändern, bleibt er zuversichtlich. „Wer hätte in den 1990er Jahren gedacht, dass die jungen Leute eines Tages in Tracht bei den Volksfesten auftauchen. Damals war das absolut verpönt.“ Und so könne sich auch das Interesse hinsichtlich traditioneller Feste wieder einpendeln, glaubt Haimerl.

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Diejenigen, für die die Volksfeste noch Ankerpunkte im Kalender seien, müsse man mit guten Konzepten Lust aufs Feiern machen, sagt der Schausteller. In Cham steuert der Volksfestverein mit der Volksfest-Challenge von Antenne Bayern gegen die Besucherflaute. Zudem gibt es am Donnerstag Gratis-Zuckerwatte und Freibier. „Abgerechnet wird immer zum Schluss“, sagt Haimerl. „Ich bleibe Optimist!“