Nach Großbrand in Nittendorf: Viel Hilfe – und ein schlimmer Verdacht

Der Großbrand in der Nittendorfer Rathausstraße (Landkreis Regensburg) sorgt nach wie vor für Bestürzung. Das verheerende Feuer kostete ein Menschenleben. Die Zahl der Verletzten wurde von der Polizei am Freitag nach oben korrigiert: 13 Personen wurden leicht verletzt, darunter drei Einsatzkräfte der Feuerwehren. Inzwischen deutet nach MZ-Recherchen einiges darauf hin, dass die Flammen womöglich einen tragischen Hintergrund haben. Ermittler gehen einem schlimmen Verdacht nach.
Ein Passant hatte am Donnerstagmorgen das Feuer im Herzen Nittendorfs gemeldet. Gegen 9.40Uhr wählt er den Notruf, wonach das Haus bereits in Flammen stand. Noch bevor erste Einsatzkräfte eintrafen, holte der Hausmeister eines angrenzenden Altersheims gemeinsam mit Anderen drei Menschen aus dem Gebäude – darunter auch ein kleines Kind. Das Mädchen rettete nurmehr ein Kuscheltier aus der verrauchten Wohnung. Ein Video der dramatischen Rettungsaktion verbreitete sich danach rasend schnell in sozialen Medien.
Zum Brand gibt es inzwischen erste neue Erkenntnisse. Wie Polizeisprecherin Corinna Wild bestätigte, sollen Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts bei der Suche nach der Brandursache helfen. Ob die Brandfahnder aus München noch in dieser Woche kommen, blieb aber offen. Die Ermittlungen führe das zuständige Kommissariat 1 bei der Regensburger Kriminalpolizei. „Mit Hochdruck“ werde aktuell vor allem nach der Ursache für den Großbrand in der Rathausstraße gesucht.
Nach Großbrand in Nittendorf: Obduktion steht an
Einsatzkräfte hatte am frühen Donnerstagnachmittag eine tote Person aus der Brandruine geborgen – wie Wild auf Nachfrage mitteilte, ist die Obduktion in der kommenden Woche geplant. Das dürfte dann auch Klarheit darüber verschaffen, ob es sich um die bis dato vermisste Person handelt. Nach oben berichtigte Wild zudem die vorläufige Schätzung des Schadens, der durch das verheerende Feuer entstanden ist: Die Polizei gehe zwischenzeitlich von einem niedrigen siebenstelligen Betrag aus, also mehr als eine Million Euro.
Lesen Sie hier den Newsblog zum Brand: Großbrand in der Nittendorfer Rathausstraße – Leichnam geborgen
Der Schock sitzt tief. Nittendorfs Bürgermeister Helmut Sammüller (Freie Wähler) war auch am Tag nach dem Großbrand noch sehr bewegt von den Ereignissen am Donnerstag. „Es war schrecklich. So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Er sei gerade auf einem Termin gewesen, als ihn die Nachricht erreichte, dass es unmittelbar neben dem Rathaus brennt. Sammüller eilte an den Unglücksort und sah die Rettung eines Kindes vor den Flammen mit eigenen Augen. „Es war furchtbar.“ Er finde noch immer keine Worte für das, was sich da abgespielt hat. Er sei so froh gewesen, als endlich die erst Drehleiter vor Ort war, um die Menschen zu retten.
Nach Großbrand in Nittendorf – Bürgermeister: „Viele stehen vor dem Nichts“
Der große Einsatz der Feuerwehrleute habe ihn tief bewegt. „Ich bin sehr stolz und sehr dankbar.“ Gegen Abend musste laut Sammüller noch ein toter Hund geborgen werden. „Die Feuerwehrkameraden saßen erschöpft da. Zwei davon sind aber noch mal ins Haus gegangen. Es ist wirklich schlimm, so etwas von seinen Leuten zu verlangen.“
Nun blickt Sammüller nach vorne. Im Rathaus drehe sich gerade viel um Spenden und Hilfen für die betroffenen Familien. Nach der Evakuierung seien die zunächst in der Turnhalle der Grundschule betreut worden – am Ende seien aber alle privat untergekommen, erklärte der Bürgermeister. Man wolle ihnen unkompliziert helfen. „Viele haben keine Hausratsversicherung. Sie stehen vor dem Nichts.“ Sammüller betonte klar: „Wenn jemand kommt, dann helfen wir.“
Wie groß der Schaden an dem Mehrfamilienhaus in der Rathausstraße tatsächlich sein wird, müssen Gutachter klären. Der zum Nittendorfer Rathaus gewandte Teil des Gebäudes, in dem 15 Parteien lebten, wurde von den Flammen bis unter das Dach weitestgehend zerstört. Die übrigen Wohnungen dürften aufgrund des Rauches schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sein. Bewohnbar ist dieser Teil des gut 50 mal 15 Meter großen Wohnkomplexes vorläufig nicht mehr.
Schlimmer Verdacht nach Wohnhaus-Brand in Nittendorf
Luftaufnahmen zeugen am Tag nach dem Feuer vom wahren Ausmaß der Zerstörung. Das Gebäude war am Donnerstag versiegelt worden – das Technische Hilfswerk hatte Fenster und Türen im Erdgeschoss mit Holz verschlossen. Offiziell gilt die Ruine als Tatort. Die für Brandfälle zuständige Außenstelle der Regensburger Staatsanwaltschaft in Straubing hat die Federführung bei den Ermittlungen. „Zu den Hintergründen können wir nichts sagen“, betonte Oberstaatsanwalt Stephan Brunner. „Wir stehen ganz am Anfang der Ermittlungen.“
Im Mittelpunkt steht auch die Frage, ob das Feuer womöglich absichtlich gelegt worden sein könnte. Offiziell kommentieren wollen das weder Polizei noch Staatsanwaltschaft. Augenzeugen hatten von einer Explosion berichtet, die aber eine technische Ursache haben könnte. Gerüchte von der drohenden Zwangsräumung einer Wohnung sind laut MZ-Recherchen falsch. Es gab aber Vollstreckungsmaßnahmen an dieser Adresse – auch am Donnerstag. Doch das ist vorerst nicht mehr als ein schlimmer Verdacht.

