Dramatische Rettung bei Großbrand in Nittendorf: Hausmeister holt Kind aus den Flammen

Eine tote Person und zehn Verletzte: Das ist die Bilanz eines Großbrands in Nittendorf (Landkreis Regensburg) am Donnerstag. Rund 200 Einsatzkräfte kämpften stundenlang gegen die Flammen. Dabei rettete ein Mann mehrere Menschen aus dem Feuer.
Die Behörden wurden gegen 9.40 Uhr von einem Passanten über den Vollbrand eines Mehrfamilienhauses in der Rathausstraße informiert, sagte Polizeisprecherin Corinna Wild am späten Vormittag vor Ort. Gegen 11 Uhr sprach sie von mehreren Leichtverletzten. Gegen 13.30 Uhr meldete die Polizei dann, dass eine Person tot geborgen wurde. Auf Nachfrage hieß es, dass der Leichnam noch nicht abschließend identifiziert werden konnte. Die Brandursache steht ebenfalls noch nicht fest.
Bei Brand in Nittendorf: Kind aus Fenster geholt
Menschen aus den umliegenden Häusern mussten evakuiert werden – sie kamen in der Grundschulturnhalle unter. Später konnten sie in ihre Häuser zurück. Auch das Rathaus, das direkt neben dem Brandort liegt, wurde evakuiert. Bürgermeister Helmut Sammüller (Freie Wähler) sprach in einer ersten Reaktion von einer großen Stresssituation – weil die Situation zunächst unübersichtlich war – auch in der Frage, ob weitere Menschen in dem Gebäude eingeschlossen sind.
Lesen Sie hier den Ticker zum Einsatz nach: Großbrand in der Nittendorfer Rathausstraße – Leichnam geborgen
An der Rettung beteiligt war auch Juri Kail. Er ist Hausmeister im Argula-von-Grumbach-Haus der Diakonie Regensburg. Es liegt nur wenige Schritte vom Unglücksort entfernt. Er habe am Vormittag Brandgeruch im Haus bemerkt, sagte Kail der MZ am Nachmittag. Er ging der Sache nach und bemerkte die Rauchsäule einige hundert Meter entfernt. „Das ganze Gebäude hat in Flammen gestanden.“ Viele Leute hielten sich vor dem Haus auf. „In einem Fenster im 2. Stock stand ein Mann ganz ruhig da und hatte ein Kind im Arm.“ Gott sei Dank habe er eine Leiter griffbereit gehabt. Er schnappte sie sich und lief zum Haus. „Die Leute haben mir dann geholfen.“ Erst habe er allerdings eine Frau aus dem Haus geholt, die ein paar Fenster weiter stand. „Ich hatte das Gefühl, die springt jetzt gleich.“ Dann packte er die Leiter und stieg zu dem Mann und seinem Kind. Er habe die Hitze des Feuers gespürt – schlimmer sei aber das Geräusch gewesen, das die Flammen machen: „Wie ein wildes Tier.“ Er habe das Kind hinunter getragen und einem Kollegen gegeben.
„Ich glaube, das würde jeder machen“
Kail ist es ein Anliegen zu betonen, dass nicht nur er geholfen hat. Zahlreiche andere Menschen hätten mit angepackt und beispielsweise die Leiter gesichert. Der Hausmeister betont: „Ich glaube, das würde jeder machen – zumindest wenn er eine Leiter hat. Wenn Menschen in Gefahr sind, was bleibt einem denn anderes über, als sofort zu helfen?“ Ihn beschäftigen allerdings die Menschen, die nun bei dem Brand ihre Wohnung verloren haben. Das Haus dürfte unbewohnbar sein. „Die sind auf einen Schlag obdachlos. Wo kommen die jetzt unter?“ Kail sagt, er war drauf und dran, weitere Bewohner zu retten, doch dann kam bereits das erste Feuerwehrauto angerast.
Ein Mieter aus der Rathausstraße 5 schilderte der MZ die dramatischen Minuten. Seine Frau habe sich in der Wohnung aufgehalten und zunächst einen beißenden Geruch wahrgenommen. Als sie die Wohnung verlassen wollte, sei das Treppenhaus bereits komplett verraucht gewesen. Deshalb habe sie sich mit einem Sprung in Sicherheit gebracht und dabei am Fuß verletzt. Sie wurde von Rettungskräften betreut. Wie es weitergeht, weiß der Mieter noch nicht.
Die Rauchsäule war schon aus der Weite zu sehen. Die Feuerwehrleute kämpften rund drei Stunden gegen die Flammen. Insgesamt waren 200 Einsatzkräfte im Einsatz, sagte Kreisbrandrat Wolfgang Scheuerer vor Ort. Das Feuer hatte sich so schnell verbreitet, dass es den Feuerwehren zunächst nicht möglich war, das Gebäude zu betreten. Eine Drehleiter wurde nachgeordert. Zunächst ging es darum, die umliegenden Gebäude zu schützen, später war das Feuer soweit unter Kontrolle, dass insgesamt 26 Atemschutzträger mit je zwei Feuerwehrleuten hinein konnten.
Großbrand in Nittendorf: Hilfe für die Helfer
Neben dem Brand sei auch die Hitze eine Herausforderung gewesen, sagte Scheuerer. Insbesondere für die Atemschutzträger, die rund 30 Kilo Gewicht auf dem Rücken tragen. Immer wieder sah man Feuerwehrleute, die entkräftet im Schatten saßen. Nur wenige Schritte vom Brandort entfernt befindet sich der Edeka-Markt von Benedikt Mehringer. Er habe den Rauch gesehen, sagte der Kaufmann der MZ vor Ort. Schnell wurde ihm klar: „Wir müssen schauen, wie wir helfen können.“ Kistenweise stellte er den Einsatzkräften Getränke zur Verfügung. Dazu gab es Wurstsemmeln. Er sei selbst in mehreren Feuerwehren, sagt Mehringer, da sei es selbstverständlich zu helfen.
Das Großaufgebot von Polizei, Feuerwehren, Rettungskräften und weiteren Einsatzkräften sorgte für viel Aufmerksamkeit. Zahlreiche Schaulustige und Anwohner beobachteten den Brand. Eine Frau, die unweit des Hauses wohnt, berichtete der MZ von einem Knall. „Dann hab ich schon die Feuerwehr gehört.“ Sie sei auf die Straße gegangen, da sah sie das Feuer. „Es war, als stünde eine Million Reifen in Flammen.“


