B85 wird bei Bruck für sieben Wochen gesperrt – Gastronom befürchtet Verluste

Von Andreas Loscher · 31. Juli 2024 um 15:00

Erich Hartl, der Inhaber des Mappacher Hofs bei Bruck (Landkreis Schwandorf), hat schon einmal eine längere Sperrung der Bundesstraße 85 vor seiner Haustür erlebt. Nun ist es wieder soweit: Voraussichtlich ab Ende August wird laut Staatlichem Bauamt Amberg-Sulzbach die Bundesstraße saniert – und dafür sieben Wochen voll gesperrt.

Beim Bekanntwerden dieser Nachricht werden bei Hotelier Hartl schlechte Erinnerungen wach. „Wir hatten damals große finanzielle Einbußen“, erinnert er sich an die frühere Sperrung. Den Kopf will er deswegen nun aber nicht in den Sand stecken. Er will trotzdem weitermachen – so lange es irgendwie geht.

Die Bundesstraße vor seinem Hotel ist beliebt bei Pendlern. Arbeitnehmer aus dem westlichen Landkreis Cham, die zum Beispiel im Wackersdorfer Industriegebiet einen Job haben, fahren hier täglich entlang. Gleichzeitig ist die B85 für die Chamer ein Weg zur nächsten Autobahn. Denn eine solche sucht man im Landkreis Cham vergeblich.

Zahlreiche Schadstellen auf der Straße

Der starke Verkehr hinterlässt seine Spuren. Zwar soll die B85 bei Bruck perspektivisch ausgebaut werden. Doch bis dafür irgendwann einmal der Spatenstich erfolgt, so lange konnte das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach nicht mehr warten: Zu groß sind die Schäden an der Fahrbahn.

Man habe sich daher zu kurzfristigen Erhaltungsmaßnahmen aufgrund zahlreicher Schadstellen entschieden. Ab dem 26. August wird laut Abteilungsleiter Björn Letz auf der B85 bei Bruck in zwei Bauabschnitten unter Vollsperrung die Asphaltdeckschicht erneuert. Der erste Abschnitt befindet sich zwischen der Einmündung Bodenwöhrer Straße und der Ortschaft Mappach. Der zweite Teilbereich beginnt bei Mappach und führt bis zur Landkreisgrenze.

Die Ortschaft Mappach bleibt während der Vollsperrung laut Letz immer aus mindestens einer Fahrtrichtung erreichbar. Die großräumige Umleitung von und nach Cham erfolge ab Bruck über die Staatsstraße2150 in Richtung Nittenau, dann über die Ostumfahrung von Nittenau und schließlich über die B16 bis Altenkreith.

Letz zeigt sich optimistisch: „Die Gesamtdauer der Arbeiten ist mit sieben Wochen veranschlagt, was absolut realistisch ist.“ Im Normalfall wäre man sogar noch schneller fertig geworden, erklärt Letz, der von Beruf Bauingenieur ist. Aber der zweite Abschnitt soll als Versuchsstrecke für einen neuartigen Asphalt dienen, der auch bei niedrigeren Temperaturen eingebaut werden kann. Damit will man Emissionen einsparen. „Der Hauptgrund ist der Mitarbeiterschutz beim Asphaltieren, aber darüber hinaus ist das neue Material auch gut für das Klima, weil weniger Energie benötigt wird“, erklärt Letz. In Mappach sollen nun Erfahrungen gesammelt werden.

Sieben Wochen sind für eine Baubehörde zwar schnell vorbei, für Berufstätige und Gewerbetreibende können sie jedoch zu einer argen Geduldsprobe werden. Der Avia-Tankstelle in Bruck von Pächterin Anja Krug bleibt nichts anderes übrig, als vorübergehend zu schließen. „In den ersten vier Wochen machen wir einfach zu“, beschreibt Ehemann Jürgen Krug die Situation. Die Tankstelle sei nur über die B85 zu erreichen, da mache es keinen Sinn, sie normal zu öffnen.

Ab dem zweiten Bauabschnitt werde man aber wieder öffnen, auch wenn durch den fehlenden Durchgangsverkehr nicht viel Geschäft zu erwarten sei. „Immerhin können unsere Stammkunden dann wieder vorbeikommen“, meint Krug.

Anders ist die Situation beim Landhotel Mappacher Hof, etwa einen Kilometer weiter: In der Ortschaft soll ein kurzes Stück der B85 nicht saniert werden, so dass das Hotel und die nach Süden abzweigenden Straßen weiterhin erreichbar sein sollen, weiß Hotelchef Erich Hartl. Das habe er jedoch nur zufällig erfahren. „Es waren Mitarbeiter des Bauamtes zu einem Ortsbesichtigungstermin da, und da bin ich einfach ins Gespräch eingestiegen.“ Ansonsten hätte es wenig bis gar keine Informationen gegeben, ärgert sich der Gastronom.

Brucker Gastronom will Hotel so lang wie möglich offen halten

Hartl rechnet für die Zeit der Vollsperrung mit Umsatzeinbußen im sechsstelligen Bereich. Hinzu komme, dass die Lohn- und Gehaltszahlungen oder Vorauszahlungen vom Finanzamt ganz normal weiterlaufen.

Eine Entschädigung dafür sei völlig utopisch, so Hartl – er habe sich schon erkundigt. Dabei gehe es dem Chef in erster Linie nicht ums Geld, sondern um seine Mitarbeiter. Er formuliert es so: „Gäste sind in dieser Zeit leichter zu bekommen als Mitarbeiter.“ Er wolle seine Angestellten nicht in Kurzarbeit schicken oder gar entlassen müssen. Hartl habe sehr gut ausgebildete und engagierte Mitarbeiter und die seien jetzt natürlich sehr gefragt.

Hartl will deshalb das Hotel und das Restaurant so lange wie möglich offen halten. Ob seine Gäste den Umweg in Kauf nehmen, könne er nicht abschätzen. Sollten sie ausbleiben, müsse wohl das Angebot deutlich reduziert werden. „Wir warten ab, was passiert“, sagt der Hotelier.

Hinsichtlich der Verkehrssituation im Marktgebiet während der Sperrung sieht indes die Brucker Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) keine größeren Beeinträchtigungen für die Anwohner. Die Sperrung müsse weiträumig umfahren werden. Auch für alle von der Baustelle betroffenen Anwohner würde die Zufahrt zu ihren Häusern gewährleistet.

„Wenn sich dann alle an die Regeln halten, bleiben wir verschont und es gibt kein Chaos“, meint die Rathauschefin. Trotzdem könne man erst nach den ersten zwei Wochen sicher sein, dass alles funktioniere.

Zum Beispiel stelle sich die Frage: Zeigen die Navigationsgeräte die Umleitungen richtig an? Gerade auswärtige Lastwagenfahrer würden wegen dieser oft problematische Abkürzungen nehmen. Vernunft sei daher ihr größtes Anliegen, sagt die Bürgermeisterin.

Für den Mappacher Hof beginnt eine Zeit der Unsicherheit.