Rewe-Ansiedlung in Bruck: Regierung fordert von Investor ein Standortgutachten

Wann kommt der viel diskutierte Rewe-Markt nach Bruck? Diese Frage stellen sich viele – besonders jene, die im März 2022 beim Bürgerentscheid für die Ansiedlung gestimmt haben. Doch sie brauchen noch eine Menge Geduld. „Dass sich das so langwierig gestaltet, hätte ich nicht gedacht“, sagt Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU).
Rückblick: Im Herbst 2021 hatte eine Projektentwicklungsgesellschaft aus dem Grünwald bei München Pläne zum Bau eines Lebensmittelvollsortimenters im Brucker Ortsteil Mögendorf vorgestellt. Es folgten kontroverse Diskussionen und Widerstand vor allem von Mögendorfer Bürgern. Einige von ihnen sammelten gemeinschaftlich rund 530 Unterschriften und präsentierten sie der Rathauschefin.
Infolgedessen einigte man sich im Marktrat darauf, die Brucker im Rahmen eines Bürgerentscheids über die Ansiedlung eines weiteren Lebensmittelmarkts abstimmen zu lassen. Das Ergebnis: 65,2 Prozent der Teilnehmer votierten für den neuen Rewe-Markt.
Zeitplan ist unklar
Mittlerweile ist einige Zeit ins Land gegangen und ein anderer Investor, diesmal aus Niederbayern, verfolgt das Vorhaben. Wann ist mit Vollzug zu rechnen? Auf diese Frage hat auch Bürgermeisterin Faltermeier – zu ihrem eigenen Ärger – keine Antwort. „Das ist insgesamt keine befriedigende Situation. Es ist zäh wie Kaugummi“, sagt sie.
Doch woran liegt das? Laut Faltermeier waren am vergangenen Freitag Vertreter der Regierung der Oberpfalz in Bruck zu Gast, um sich ein Bild vom geplanten Rewe-Standort zu machen. Man habe ihnen die Verbindungen des Areals zur nächstgelegenen Siedlung sowie die Radweganbindung gezeigt. Die Regierung verlange nun vom Investor ein Gutachten, in dem Standort-Alternativen für den Rewe-Markt im Gebiet des Marktes Bruck untersucht werden. „Wir wissen, dass es keine Alternativen gibt“, ist Faltermeier allerdings überzeugt. Weder im Innen- noch im Außenbereich gibt es aus ihrer Sicht passendere und gleichzeitig auch noch verfügbare Grundstücke.
Gefahr für Städtebauförderprogramm
Doch ohne das geforderte Standortgutachten die Rewe-Ansiedlung in Mögendorf voranzutreiben sei keine gute Idee. Wenn man sich darüber hinwegsetze, könne es passieren, dass der Markt Bruck aus dem Städtebauförderungsprogramm fliege – und das wolle man keinesfalls riskieren, betont Faltermeier.
Von Seiten der Regierung der Oberpfalz ist man nach dem Ortstermin in Bruck zu einer groben „Vorab-Einschätzung der Vereinbarkeit der geplanten Rewe-Ansiedlung mit den landes- und regionalplanerischen Vorgaben“ gekommen, wie die Behörde dem Rathaus aktuell mitgeteilt hat. Konkret ist sie der Auffassung, die Rewe-Planung kollidiere derzeit mit einem zentralen Ziel des Landesentwicklungsprogramms des Freistaats: Einzelhandelsgroßprojekte sind demzufolge nur in „städtebaulich integrierter Lage“, also „innerhalb eines baulich verdichteten Siedlungszusammenhangs“ zulässig. Erforderlich ist auch „ein gewisser fußläufiger Einzugsbereich und eine ortsübliche Anbindung an den ÖPNV“.
Der Standort im Bereich von Mögendorf erfüllt diese Bedingung nach Auffassung der Regierung nicht, denn er befinde sich „außerhalb des verdichteten Siedlungszusammenhangs“. Aufgrund der „Zäsur durch die Staatsstraße 2150“ könne das Areal auch nicht als Ortsrandlage bewertet werden.
Komplexe Verkehrssituation
Deshalb, so lautet das Fazit der Regierung, müsse nun nachgewiesen werden, dass es in Bruck „aufgrund der topographischen Situation oder sonstiger objektiv entgegenstehender Belange“ im Hauptort „keinen besser städtebaulich integrierten Standort für ein derartiges Projekt“ gibt. Außerdem empfiehlt die Behörde dem Markt, die komplex erscheinende Verkehrssituation im Kreuzungsbereich der St2150, der Gemeindeverbindungsstraße Hoffeld-Schöngras und der B85 zu bedenken und frühzeitig wegen der Erschließung des potenziellen Rewe-Standorts mit dem Straßenbauamt Kontakt aufzunehmen. Auch die Zustimmung der Nachbargemeinde Bodenwöhr, die am Ortsrand zu Bruck über einen Lebensmittelmarkt verfügt, müsse zur Rewe-Ansiedlung gehört werden.
Bevor in Mögendorf tatsächlich der Spatenstich für einen neuen Lebensmittelmarkt erfolgen kann, wird also noch einige Zeit ins Land gehen. Auch das geplante ISEK (Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept) für Bruck sollte vorher fertiggestellt sein, sagt Faltermeier. Sie geht deshalb davon aus, dass das Jahr 2025 noch für die weitere Planungsphase benötigt wird.