Stadtrat Burglengenfeld: Suche nach Nachfolger für Poguntke erreicht neuen Höhepunkt

Von Thomas Rieke · 31. Juli 2024 um 05:00

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Dieser Spruch, der von Wilhelm Busch stammen soll, beschreibt eine Episode des Burglengenfelder Stadtrats ziemlich genau. Die Geschichte, wer für den bereits im Januar ausgeschiedenen Phillip Poguntke ins Gremium nachrückt, hat eine weitere, unerwartete Wendung genommen.

Wie berichtet, hatte Poguntke, Mitglied der Satirepartei Die Partei, über die Liste der Linken 2020 den Einzug ins Stadtparlament geschafft. Dort bildete er mit dem Grünen Norbert Wein eine Arbeitsgemeinschaft, was ihm unter anderem auch die Präsenz im Finanz- und Personalausschuss sicherte. Beide zusammen bildeten mit der SPD eine Fraktionsgemeinschaft. Doch im Januar zog der junge IT-System-Elektroniker stressbedingt die Reißleine und legte sein Mandat nieder.

Mehrere Kandidaten haben längst abgesagt

Seitdem ist die Verwaltung bemüht, die Nachfolge zu klären. Bei nicht weniger als drei Personen, die auf der Liste der Linken kandidiert hatten, holte sie sich einen Korb. Erst bei Pascal Averibou(32), der auf der Liste das fünftbeste Ergebnis erzielt hatte, war das anders. Der Schauspieler signalisierte, er wolle das Amt annehmen – wurde dann aber nicht akzeptiert.

Die Rechtsaufsicht vertritt die Auffassung, Averibou erfülle eine wesentliche Bedingung nicht. Er habe nicht nachgewiesen, dass sein Lebensmittelpunkt in Burglengenfeld liegt.

Alles schien auf Claudia Averibou hinauszulaufen

Somit hatte die Stadt die Suche fortzusetzen. Weil der Wahlvorschlag der Linken 2020 lediglich acht Namen umfasste, schien immerhin Licht am Ende des Tunnels erkennbar. Insider glaubten zu wissen, dass auch die beiden Personen, die Averibou folgten, nämlich der Soldat Alexander Schön und die Logistikerin Linda Jackel, ablehnen würden. Alles sollte also auf die Letztplatzierte hinauslaufen: Claudia Averibou, die Mutter des Schauspielers.

Kürzlich hat ein Investor auf einem Grundstück ein Projekt in Angriff genommen, gegen das sich die Anwohner von Anfang an wehrten. Das Landratsamt hat zwei unterschiedliche Konzepte genehmigt. Gegen eines läuft noch eine Klage der Stadt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Zwischen 2002 und 2008 hatte sie dem Rat schon einmal angehört, und auf Anfrage ließ die heute 70-Jährige keinen Zweifel, dass sie, sollte sie gefragt werden, erneut Gewehr bei Fuß stünde. Das sei sie ihren Wählern schuldig. Nach der Sommerpause, so Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) Anfang Juli, sollte der Stadtrat jedenfalls endlich wieder komplettiert werden. So sieht es auch heute noch aus – allerdings mit einer neuen Lösung.

Schön-Zusage unter Vorbehalt

Völlig überraschend soll nämlich doch Alexander Schön, Jahrgang 1995, seinen Hut in den Ring geworfen haben. „Auf den letzten Drücker“, wie es heißt. Allerdings sei die Zusage unter Vorbehalt getroffen worden. Dafür gibt es private Gründe, die aber bis Mitte August geklärt sein sollen.

Die MZ hat versucht, mit Schön direkt Kontakt aufzunehmen, was trotz Vermittlungsversuchen der Stadt am Dienstag nicht mehr glückte.

Personen, die im Vorfeld der Kommunalwahlen 2020 mit Schön zu tun hatten, zeigten sich von der Entwicklung überrascht. Christian Oberthür, Vorstandsmitglied der Linken auf Kreisebene, sagte, Schön habe sich nach seinen Informationen aus der Politik komplett zurückgezogen. Insofern könne er das jetzt artikulierte Interesse kaum nachvollziehen. Gespräche habe man schon länger keine mehr geführt. Nun werde man sich bemühen, ihn wieder zu erreichen.

Information erst nach Weichenstellung für Ausschüsse

Bürgermeister Gesche hat den Stadtrat kürzlich in nichtöffentlicher Sitzung über den neuesten Stand der Dinge informiert. Das ist auch insofern interessant, weil kurz zuvor, im öffentlichen Teil derselben Zusammenkunft, darüber entschieden wurde, wie die seit Poguntkes Ausscheiden vakanten Posten in den Ausschüssen besetzt werden sollten. Poguntke hatte, wie eingangs erwähnt, durch eine Absprache mit dem Grünen-Rat Norbert Wein einen Sitz im zwölfköpfigen Finanz- und Personalausschuss inne. Außerdem war er im Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss Weins erster Stellvertreter gewesen.

Seit Januar waren diese Stellen frei. Theoretisch wäre es möglich gewesen, die Lücken umgehend zu füllen. Doch weil Wein damit rechnete, dass die Poguntke-Nachfolge wie in anderen Fällen auch schnell geklärt sein würde, hielt er sich zurück. Im Nachhinein betrachtet sei das ein Fehler gewesen, erklärt er auf Anfrage. Unter anderem aus beruflichen Gründen sei er kürzlich zu der Einsicht gekommen, „dass ich das jetzt regeln muss“.

Vertreter kommen aus der SPD-Fraktion

Das Ergebnis: Auf dem Papier nimmt Wein jetzt wieder in beiden Ausschüssen einen Platz ein. Als erste Stellvertreter benannte er Betty Mulzer (Finanzausschuss) und Roland Konopisky (Bauausschuss), beide SPD.

Die Würfel fielen, als die Mehrheit des Rats noch davon ausgegangen war, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit Claudia Averibou nachrücken würde. Ob man ihr den Riegeln vorschieben wollte? Wein bestreitet dies. Er habe keine Vorbehalte gegen das Mitglied der Linken. Wer auch immer nach der Sommerpause vereidigt werde, die Vertreterfrage ließe sich dann ja erneut bewerten, meint der Grüne. Momentan aber bedeute die Weichenstellung für ihn Entspannung.

Norbert Wein (Grüne) drängte darauf, noch vor der Sommerpause zu klären, wer ihn künftig in den Ausschüssen vertritt. Foto: Rieke, Archiv