Stadtrat Burglengenfeld: Auch Pascal Averibou scheidet als Nachrücker für Poguntke aus

Von Thomas Rieke · 9. Juli 2024 um 19:00

Auch rund ein halbes Jahr, nachdem Phillip Poguntke sein Stadtratsmandat niedergelegt hat, ist nicht klar, wer für das Mitglied der Satirepartei Die Partei und den ehemaligen Listenkandidaten der Linken nachrücken wird. Sicher ist nur: Pascal Averibou (32), der als heißer Anwärter galt, kommt dafür nicht mehr infrage. Der Schauspieler erfüllt nach Auffassung des Landratsamts die Voraussetzungen nicht.

Wie berichtet, hatte die Verwaltung nach Poguntkes Ausscheiden schon mehrere Personen, die 2020 auf der Liste der Linken zu finden waren, angeschrieben, um zu hinterfragen, ob sie noch bereit wären, das Mandat anzutreten. Jedes Mal lautete die Antwort: Nein.

Anders bei Averibou. Der Schauspieler erklärte, er habe sehr wohl Interesse. Allerdings war er 2023 wegen eines Engagements in Bamberg eben dorthin gezogen; sein Lebensmittelpunkt hatte sich also verlagert, was ein Ausschlusskriterium darstellte. Doch weil Averibou seit kurzem auch für das Turmtheater Regensburg arbeitet, war er bestrebt, seiner alten Heimat wieder näher zu rücken. In Burglengenfeld richtete er einen Zweitwohnsitz ein. Auch die Aussicht auf das Stadtratsmandat habe ihn dazu motiviert, versicherte er.

Die Rechtsaufsicht des Landratsamt meldete gleichwohl Bedenken an. Ein Nebenwohnsitz im Wahlkreis allein reiche nicht, erklärte sie im April. Averibous Aussagen ließen darauf schließen, dass sein Schwerpunkt der Lebensbeziehungen „eindeutig nicht in Burglengenfeld“ liege.

Aufsicht im Landratsamt blieb standhaft

Diese Skepsis führte dazu, dass sich der Stadtrat im April nicht dazu durchringen konnte, Averibou aufzunehmen, obwohl ihm fraktionsübergreifend durchaus Sympathie entgegengebracht wurde. Die Abstimmung ergab ein Patt, was als Ablehnung zu interpretieren war. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) sagte jedoch zu, er wolle bei der Aufsicht nachhaken und um eine „klare Ansage“ bitten.

Das Landratsamt rückte von seiner Position nicht ab, berichtete Gesche nun in der Sitzung am 3. Juli. Averibou scheide also aus. Daher würde mit Alexander Schön der nächste potenzielle Kandidat angeschrieben. Er habe, wie üblich, zwei Wochen Bedenkzeit.

Schon im April gab es im Rat eine spannende Debatte darüber, ob Pascal Averibou in den Rat aufgenommen werden sollte oder nicht. Für keinen Beschlussvorschlag gab es eine Mehrheit. Lesen Sie dazu den Text hier.

Im Rat gab es dazu eine kurze, aber heftige Kontroverse. Gregor Glötzl (BWG) bedauerte die Entwicklung. Das „Unentschieden“ im April sei ein Fehler gewesen, sagte er. Die Gründe, die gegen Averibou angeführt worden seien, bezeichnete er als „fadenscheinig“.

2.Bürgermeister Josef Gruber (CSU), der seinerzeit mit „Nein“ gestimmt hatte, reagierte empört. Es gehe nicht an, dass Glötzl das Stimmverhalten anderer auf diese Weise diskreditiere. Er, Gruber, habe sachlich abgewogen und sei zu der Überzeugung gekommen, dass Averibou die Kriterien für das Nachrücken eben doch nicht erfülle.

Bürgermeister Gesche geht nun davon aus, „sehr wahrscheinlich nach der Sommerpause“ ein neues Ratsmitglied vereidigen zu können. Insider prognostizieren, dass weder Alexander Schön, noch die auf ihn folgende Bewerberin, Linda Jackel, bereit sind, die Lücke zu füllen. Bliebe als letztmögliche Lösung: Claudia Averibou, die Mutter von Pascal.

Stadtverwaltung widerspricht den Linken

Die 70-Jährige verfolgte die jüngste Sitzung des Stadtrats zusammen mit Christian Oberthür, dem Schatzmeister des Linken-Kreisverbands, aufmerksam. Beide vertreten die Auffassung, dass Pascal sehr wohl zu akzeptieren gewesen wäre. Im Vorfeld habe er sich ja genau über die Bedingungen informiert. Auch deshalb habe er in Burglengenfeld einen Zweitwohnsitz eingerichtet.

Seitens der Verwaltung wird allerdings bestritten, jemals signalisiert zu haben, dass dies allein ausreichen würde. Grundvoraussetzung für die Ausübung des Mandats sei die glaubhafte Versicherung, dass der Lebensmittelpunkt in Burglengenfeld liege. Im Übrigen habe Averibou nach dem Beschluss im April eine Konkretisierung seiner Situation in Aussicht gestellt – bis heute eine solche aber nicht geliefert.

Eine weitere Personalie sorgt derzeit in Burglengenfeld für Gesprächsstoff: die des Klimaschutzmanagers. Amtsinhaber Markus Süß hat überraschend gekündigt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Pascal Averibou zeigte sich auf Anfrage verwundert und wirft der Stadt vor, ihn „im Dunkeln gelassen“ zu haben. Er habe damit gerechnet, erneut angehört zu werden, sei aber nicht mehr angeschrieben worden. Trotzdem wollen die Linken die Entscheidung nicht anfechten. Eine juristische Auseinandersetzung koste zu viel Zeit, argumentiert Christian Oberthür. Außerdem habe man mit Claudia Averibou noch ein Eisen im Feuer. Sie erfülle alle Anforderungen – und werde die Chance nutzen, leidenschaftlich Politik im Sinne der Linken zu betreiben.

„Klar, mein Herz schlägt links“, betont die 70-Jährige. Gleichwohl sieht sie sich selbst nur als zweitbeste Lösung. Denn „eigentlich sollten Jüngere ran“ – wie Sohn Pascal.

Gregor Glötzl (BWG) hält die Gründe, die zur Ablehnung Averibous führten, für „fadenscheinig“. Foto: Rieke, Archiv
2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) forderte Glötzl dazu auf, bei seiner Wortwahl künftig vorsichtiger zu sein. Foto: Rieke, Archiv