Nächste Überraschung in Burglengenfeld: Klimamanager Markus Süß steigt vorzeitg aus

Von Thomas Rieke · 7. Juli 2024 um 19:00

Schon wieder eine kleine Sensation aus dem Burglengenfelder Rathaus: Markus Süß, seines Zeichens Klimaschutzmanager der Stadt, beendet sein Arbeitsverhältnis vorzeitig. Im September will der 37-jährige Wirtschaftsingenieur in Regensburg eine andere Stelle in der freien Wirtschaft antreten. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) bedauert den Entschluss, respektiert aber den „Wunsch nach Veränderung“.

Die Kündigung von Süß, der im Oktober 2021 seine Arbeit für den Klimaschutz aufgenommen hatte, dürfte für die meisten eine Überraschung darstellen. Süß selbst hatte bei seiner Einstellung erklärt, das Jobangebot sei für ihn eine glückliche Fügung. Nach jahrelanger Pendelei zwischen seinem Wohnort Burglengenfeld und der Fachhochschule könne er nun zur Arbeit radeln.

Außerdem: Erst 2023 war dem gebürtigen Schwandorfer der Vertrag um drei Jahre verlängert worden. Zum einen, weil man grundsätzlich davon überzeugt ist, dass fachkundige Führung im Klimaschutz für die Stadt Sinn macht. Zum anderen, weil Süß mit seinen Leistungen überzeugte. Das Projekt, das die meiste Beachtung fand, ist das integrierte Klimaschutzkonzept. Im Mai 2023 wurde es vorgestellt. Es umfasst 100 Einzelmaßnahmen.

Süß war ein gefragter Mann

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würde Süß’ Aufgabengebiet noch deutlich erweitert. Als Mitglied im Team des Zweckverbands Städtedreieck hätte er sich auch um das Klimaschutzmanagement der Nachbarkommunen kümmern sollen. Dafür wäre dem Vernehmen nach aber keine Förderung garantiert gewesen.

In Burglengenfeld hatte sich Süß nach einer gewissen Anlaufphase schnell etabliert. Bei einer Fülle von Themen und Projekten war seine sachkundige Meinung gefragt, im Arbeitskreis (AK) Klima und Energie ebenso wie im Stadtrat, wenn einschlägige Projekte auf der Agenda standen.

Kürzlich nahm Süß zu einem für die Energiewende möglicherweise wegweisenden Projekt Stellung: das Batteriespeicherwerk in der Vorstadt. Den Text dazu lesen Sie hier.

Als Referent wirkte der 37-Jährige allerdings manchmal etwas steif. Geschuldet war dies vermutlich dem Bemühen um möglichst präzise Formulierungen auf komplexen Themenfeldern. Jeder Satz wirkte durchdacht und vorbereitet, spontane Beiträge gab es meist nur bei dezidierter Aufforderung. Kritiker zogen daraus den Schluss, Süß könnte vielleicht doch nicht so sattelfest gewesen sein, wie man es von ihm erwartete.

Zuletzt warb er für das Stadtradeln

Auch den Dialog mit Bürgern hat Süß gesucht, indem er Umfragen anleierte oder Informationsveranstaltungen organisierte. Erst im April rührte er zum zweiten Mal die Trommeln für das Stadtradeln, um zum Umstieg vom Auto auf den Drahtesel zu motivieren.

Und nun das: Kündigung und „Auf Wiedersehen!“. Zu seinen Beweggründen befragt, hielt sich Süß, trotz Bedenkzeit, relativ bedeckt. Er habe eben eine noch interessantere Tätigkeit für sich entdeckt und freue sich auf die Herausforderung als „Projektleiter im Energiebereich“. Konkretisieren wollte er dies nicht. Auch ließ er sich zu keiner Kritik an seiner bisherigen Arbeitsstelle hinreißen, im Gegenteil. Die Kommunikation mit den Kollegen aus der Verwaltung und den Bürgermeistern sei „stets offen“ gewesen, teilte er schriftlich mit. Von allen Seiten habe es, wenn nötig, „große Unterstützung“ gegeben.

Was geschieht nun mit den angestoßenen Projekten?

Dass mit seinem Abschied angestoßene Projekte wieder einschlafen könnten, glaubt Süß nicht. Im Stadtrat und im AK Klima und Energie herrsche „überwiegend“ der Wille, die relevanten Maßnahmen voranzutreiben. Und am Ausbau der Erneuerbaren Energien sei erkennbar, dass auch der gemeine Bürger willens sei, an der Energiewende mitzuwirken.

Bürgermeister Gesche erklärte auf Anfrage, die Stadt verliere mit Süß einen „sehr guten und engagierten Klimaschutzmanager“. In Schulnoten ausgedrückt, würde man ihm die Note 1 geben. Aber: Leben heiße bisweilen auch Veränderung. Das respektiere man und wünsche Süß für seinen beruflichen Weg „weiter nur das Beste“.

Gehen der Zuschüsse flöten?

Der Posten des Klimaschutzmanagers wurde hauptsächlich über Zuschüsse des Bundes finanziert. Muss die Stadt das Geld nun zurückzahlen? Das könne man aktuell noch nicht beantworten, sagte Gesche. Man sei dabei, das abzuklären und warte auf eine finale Antwort. Zum jetzigen Zeitpunkt gehe man davon aus, dass keine Rückzahlungen fällig werden – und die Position im Rahmen der bestehenden Förderung neu besetzt werden könne. Die vakante Stelle solle „möglichst bald wieder mit Leben erfüllt werden“, betonte Gesche.

Dass sich das Klima rasanter ändert, als man sich das bis vor kurzem noch vorstellen konnte, zeigt sich auch im Städtedreieck an diversen Wetterereignissen. Kürzlich wurde der Burglengenfelder Stadtteil Hub von einer „braunen Brühe“ heimgesucht.

Ob dies allerdings gelingt, bleibt abzuwarten. Als sich die Stadt erstmals auf die Suche nach einem Klimamanager gemacht hatte, musste sie erkennen, dass der Stellenmarkt aufgrund hoher Nachfrage so gut wie leergefegt war. Erst im zweiten Anlauf gelang es, mit Markus Süß einen geeigneten Kandidaten anzuheuern.

„Selbstverständlich“ so Gesche weiter, sei die Stadt bemüht, alle in der Ära Süß angestoßenen Projekte fortführen und das Klimaschutzkonzept „so schnell wie möglich Schritt für Schritt umzusetzen“. Um die Wärmeplanung kümmerten sich im Übrigen die Stadtwerke. Sie befänden sich noch im Stadium der Voruntersuchung. Mit der Ausschreibung sei aber in Kürze zu rechnen.