Bei Starkregen läuten in Hub die Alarmglocken – Räte fordern Gegenmaßnahmen

„Vorsicht, Starkregen!“ Jede Woche gibt es mittlerweile, zumindest gefühlt, auch für den Landkreis Schwandorf eine Unwetterwarnung. Und: „Hochwasser“ kann tatsächlich auch Ortschaften treffen, die nicht an einem Fluss oder See liegen. In Burglengenfeld gibt es dafür mit dem Stadtteil Hub ein alarmierendes Beispiel.
Michael Schaller, Chef der CSU-Stadtratsfraktion, macht jetzt aufgrund eines relativ aktuellen Ereignisses darauf aufmerksam. Nachdem es im nördlichen Umland binnen 48 Stunden rund 100 Liter pro Quadratmeter geregnet hatte, sorgte am 1.Juni gegen 15 Uhr sintflutartiger Niederschlag in Hub für eine Sturzflut. Die Wassermassen kamen aus Richtung Lamplhof und von der Leiten. Binnen weniger Minuten standen die komplette Straße und Teile privater Grundstücke bis zu 25 Zentimeter unter Wasser. Keller und Garagen wurden geflutet.
Das Positive: Größere Schäden waren laut Schaller nicht zu beklagen, keiner der rund 60Dorfbewohner wurde verletzt. Und so schnell die braune Brühe aufgetreten war, so schnell war sie auch wieder abgeflossen. Die Eigentümer der rund 20 Anwesen sorgten selbst mit Gartenschläuchen dafür, dass Hofeinfahrten und Fahrbahn wieder sauber wurden. „Nach einer Stunde war der Spuk vorbei“, berichtet Schaller.
Was aber geblieben ist, ist die Sorge, dass sich so ein Ereignis vielleicht schon bald verschärft wiederholen könnte, bestätigt Stadtrat August Steinbauer (CSU), der selbst in Huf zuhause ist.
Angst vor Zuspitzung
Bisher, so berichtet er, habe Starkregen „nur“ alle paar Jahre die Hauptstraße geflutet, und man habe tatsächlich gelernt, damit umzugehen. Aufgrund des Klimawandels sei aber durchaus zu befürchten, dass sich die Kapriolen häuften und an Heftigkeit zunähmen. Dann hätte man, so Steinbauer, ein Riesenproblem. Dann machte die braune Brühe auch vor den Wohnanwesen nicht mehr Halt.
Laut Steinbauer ist die Misere nicht nur der Kessellage des Ortes und den Launen der Natur geschuldet. Mit ursächlich seien Baumaßnahmen, bei denen die Rahmenbedingungen nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Vor rund 60 Jahren, so erinnert sich der CSU-Rat, sei die Straße durch den Ort neu angelegt worden. Aufschüttungen hätten dazugeführt, dass die Fahrbahn heute deutlich höher liege als früher, höher als die Hofflächen der Anlieger. Auch sei zunächst nur ein Kanal verlegt worden, was man später durch einen zweiten Strang neben der Straße korrigiert habe.
Rohrleitungen reichen bei Starkregen nicht aus
Doch für ein starkes Regenereignis reichten auch die beiden Rohrleitungen mit einem Durchmesser von 40 bis 50 Zentimetern nicht aus, ist Steinbauer überzeugt. Als die Straße das letzte Mal, noch in der Ära von Bürgermeister Heinz Karg (SPD), asphaltiert wurde, sei daher angeregt worden, die Leistungsfähigkeit des Kanals zu verbessern. Mit Hinweis auf die Kosten sei das abgelehnt worden.
CSU-Fraktionschef Schaller, der ebenfalls aus Hub stammt, hat noch eine andere Idee: „Man müsste im Westen der Ortschaft eine Regenrückhaltung schaffen. Ob das schon bei Lamplhof/Armensee sein muss, oder erst kurz vor der Ortschaft Hub, wäre von Fachleuten zu prüfen.“
Diese Rückhaltung würde laut Schaller jedenfalls dafür sorgen, „dass nicht soviel Wasser auf einmal kommen kann“. Wenn man es gedrosselt ablaufen ließe, so die Idee, würde es der Niederschlagswasserkanal im Ort schaffen. Aber auch die Landwirte nimmt Schaller indirekt in die Pflicht. Denn auf den Feldern, auf denen Mais angebaut werde, fließe das Wasser schneller ab als auf einem Kornfeld oder gewöhnlichen Wiesen.
Zuschuss für neuen Kanal?
Was die auch von Steinbauer ins Spiel gebrachte Lösung in Form eines neuen, größer dimensionierten Kanals betrifft, so hält es Schaller nicht für ausgeschlossen, dass es Fördermöglichkeiten gibt. Diese sollten zumindest im Rahmen des sogenannten Sturzflutrisikomanagements geprüft werden.
In der Bauverwaltung zeigt man sich indes angesichts der Forderungen leicht verwundert – und verweist auf eine Reihe von Maßnahmen, die bereits realisiert worden seien, um die Situation zu entschärfen. In einer Stellungnahme heißt es, in Armensee seien „nach langen Überlegungen mit den betroffenen Grundeigentümern“ Abflüsse zugunsten von Hub verändert worden. Außerdem habe man den Abfluss neben der Gemeindeverbindungsstraße gedrosselt. In Hub selbst seien Kanäle miteinander verbunden worden, um den Abfluss zu verbessern, und bei Hofausfahrten sei die Pflasterung erhöht worden, um Schäden vorzubeugen. Bürger hätten in einer aktuellen Umfrage bestätigt, dass die Bemühungen durchaus Wirkung gezeigt hätten.
Unabhängig davon wird die Stadt ein kommunales Sturzflut-Risikomanagement durchführen. Der entsprechende Beschluss ist auf einen Antrag der BWG-Fraktion im April zurückzuführen. Im Stadtgebiet gebe es „ernstzunehmende Gefahrenpotenziale“, hatte die Wählergemeinschaft in Erfahrung gebracht. Darauf müsse die Stadt reagieren. Hausbesitzer sollten Anleitungen bekommen, wie sie sich gegebenenfalls schützen könnten.
Von den anderen Fraktionen gab es dafür nur Lob. Der Antrag wurde einstimmig befürwortet. Es handle sich um ein „unterstützenswertes Projekt“, sagte beispielsweise Hans-Edmund Glatzl (BFB). Sollte ein externes Büro dabei zu Hilfe genommen werden, dürfte die Stadt mit einem Zuschuss von 75 Prozent rechnen.