Nach Gesches Rückzug-Signal: Gegner zeigen Verständnis, sparen aber auch nicht mit Kritik

Von Thomas Rieke · 25. Juni 2024 um 15:00

Als der Bürgermeister von Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf), Thomas Gesche , am 11. Juni bekannt gab, dass er aus gesundheitlichen Gründen auf eine weitere Kandidatur verzichten werde, zollten ihm die Mitglieder des CSU-Ortsverbands viel Respekt. Wie aber beurteilen die anderen im Stadtrat vertretenen Kräfte die Weichenstellung? Die MZ hat sich umgehört.

Wenige Tage nach dem Paukenschlag seitens der CSU nahm die SPD, ebenfalls im Rahmen einer Versammlung, Stellung. 3.Bürgermeister Sebastian Bösl äußerte Verständnis für Gesche und wünschte ihm, er möge seine gesundheitlichen Probleme möglichst bald lösen. Denn Gesundheit sei „wichtiger als jedes politische Amt“.

Gesches Entscheidung war ein Paukenschlag. Den Bericht über die Versammlung, in der er sie bekannt gab, finden Sie in voller Länge hier.

Gleichzeitig machte der SPD-Politiker aber keinen Hehl daraus, dass er Gesches Rückzug auch im Hinblick auf die Entwicklung der Stadt begrüßt. Der Rathauschef der CSU werde einen Scherbenhaufen hinterlassen, konstatierte Bösl – nicht zuletzt wegen des Förderschadens in Millionenhöhe, der durch den vorzeitigen Baubeginn für zwei Projekte entstanden ist.

Ob es, so betrachtet, nicht besser wäre, wenn Gesche schon früher seinen Hut nähme? Immerhin sind es bis zu den regulären Wahlen noch rund 20 Monate.

Die Ambitionen der Sozialdemokraten sind klar

SPD-Vorsitzender und Stadtrat Peter Wein lässt sich nicht zu einer entsprechenden Aussage hinreißen. Klar wolle die SPD alles tun, um das Rathaus zurückzuerobern, denn „Burglengenfeld braucht wieder eine gute Führung“. Aber: „Einen Rücktritt (von Gesche) fordere ich nicht“, sagte er. Die SPD werde ihrer Strategie treu bleiben und „früh genug“ einen geeigneten Kandidaten „oder eine Kandidatin“ bekannt geben. Dafür gebe es bereits mindestens eine Handvoll Namen.

Zu dem Bewerber, den die CSU voraussichtlich ins Rennen schicken möchte, Fraktionschef Michael Schaller, wollte sich Wein überhaupt nicht äußern. Das wäre gegenwärtig „kein guter Stil“.

BWG: Einigkeit der CSU ist nur Fassade

Gregor Glötzl, Sprecher der BWG, die Gesches Rücktritt schon vor zwei Jahren gefordert hatte, erklärte, der Zeitpunkt der Rückzugs-Bekanntgabe zeige „deutlich, dass die simulierte Einigkeit der CSU nichts als Fassade ist“. Der Bürgermeister sei nicht nur für die Stadt, sondern „scheinbar auch für seine eigene Partei “ zur Belastung geworden.

Wenn man sich bereits jetzt trenne, bedeutet dies laut Glötzl auch, dass der Schnitt im Vorgriff auf die Untersuchungsergebnisse der Landesanwaltschaft in Sachen Förderschäden erfolgt sei. Das Motto der CSU laute offenbar: „Besser jetzt als nächstes Jahr den eigenen Bürgermeister abschießen müssen.“ Dass die Partei mit Schaller schon so früh einen neuen Bürgermeisterkandidaten ins Spiel bringt, versteht Glötzl keineswegs als Zeichen der Stärke, sondern als das glatte Gegenteil. In der Burglengenfelder CSU herrschten „Personalnotstand und Verzweiflung“.

BFB-Mann nimmt kein Blatt vor den Mund

Äußerst kritisch kommentierte auch BFB-Rat Hans-Edmund Glatzl die Weichenstellungen bei den Christlich-Sozialen. Das ist insofern bemerkenswert, weil Glatzl ursprünglich zu den überzeugten Unterstützern Gesches gezählt hat. Irgendwann aber muss es zum Bruch gekommen sein. Seit Monaten häuften sich die Anzeichen, dass der Sprecher des Bürgerforums seine Meinung über den Rathauschef gründlich geändert hat. Gesche wiederum sparte nicht an Kritik am „lieben Hans“.

Glatzl bezeichnete Gesches Rückzug-Signal als „hart“, angesichts des Gesundheitszustands aber auch als „überfällig“. Dass der CSU-Politiker jedoch erst in 20 Monaten das Amt niederlegen will, bedeute für Burglengenfeld „keinen Gewinn“. In einer Zeit, in der es womöglich zügig wichtige Entscheidungen zu treffen gelte, drohe ein „Lame-Duck-Interregnum“.

Stauen sich in Burglengenfeld die Probleme?

Auf der Zielgeraden werde der Verwaltungschef wenig Lust haben, sich groß mit Problemen zu beschäftigen, mutmaßt Glatzl. Diese Probleme würden vertagt oder in geheime Sitzungen verschoben. Darunter werde letztlich auch Gesches Nachfolger leiden.

Am knappsten äußerten sich die Mitglieder der Freien Wähler (FWL), Josef Schießl und Andreas Beer. Die Entscheidung des Rathauschefs sei vor allem auch aufgrund seiner Augenerkrankung „nachvollziehbar“. Mit der Ankündigung, als Nachfolger Michael Schaller aufzubauen, seien eben „schon jetzt alle Unklarheiten ausgeräumt“.