Hochwasserschutz für Burglengenfeld: Schön, aber auch schön teuer

Von Thomas Rieke · 14. November 2023 um 12:00

Neben den Ausbauplänen für den Steinbruch gab es in der jüngsten Ratssitzung ein weiteres raumgreifendes Thema: den Hochwasserschutz zwischen Eisenbahnbrücke und Umgehungsstraße. Ein fünfköpfiges Expertenteam legte Entwürfe vor, die zeigen sollten, was machbar ist und wie die Uferpromenaden aufgewertet werden könnten. Am 15. Januar soll es dazu eine größere Bürgerinformationsveranstaltung geben.

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) erklärte, an dem Konzept hätten „überragende Planer“ gearbeitet. Es verspreche nicht nur Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser im innerstädtischen Bereich, sondern führe an diversen Örtlichkeiten auch zu einer Aufwertung der Aufenthaltsqualität. Allerdings sei das Ganze „kostenintensiv“. Nach derzeitigem Stand müssten rund 21 Millionen Euro aufgebracht werden. 65 Prozent übernehme der Freistaat.

Gesche stellt Ortsbesichtigungen in Aussicht

Trotzdem sei die Belastung für die Kommune groß, und deshalb wolle man auch nichts übers Knie brechen, betonte Gesche. Die Präsentation im Stadtrat sollte lediglich der Informationen dienen. Um zu sehen, wie gelungener Hochwasserschutz aussehen könne, seien auch Ortsbesichtigungen möglich.

Mathias Rosenmüller, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes (WWA) Weiden, erinnerte, bereits 2017 habe man den Naab-Anrainern ans Herz gelegt, den Hochwasserschutz ins Visier zu nehmen. Erst 2021 aber hätten für Burglengenfeld die Vorplanungen begonnen. Dazwischen lagen seinen Worten zufolge Vertragsunterzeichnungen und die Erstellung diverser Gutachten.

Bewuchs unterhalb der Wehranlage muss weichen

Kathrin Steindl, ebenfalls WWA, berichtete über das Ergebnis hydraulischer Berechnungen. Eine Absenkung der Sohle vor der Wehranlage bringe demnach so gut wie nichts. Eine Dezimierung des Bewuchses unterhalb senke den Wasserspiegel aber immerhin um 16 Zentimeter. Die Betreiber der Kraftwerke seien vom Landratsamt angeschrieben worden, den Bewuchs zu beseitigen.

Roland Wach, Prokurist des Ingenieurbüros Schlegel, München, rückte die Rolle des Denkmalschutzes in den Fokus. Um zu klären, inwieweit man an den Ufern entlang Umgestaltungen vornehmen dürfe, habe man sich mit der zuständigen Behörde abgestimmt.

Blickbeziehung zum Wasser soll erhalten bleiben

Wach beschrieb mehrere Situationen links und rechts der Pithiviersbrücke und erklärte, wie sie sich verbessern ließen. Zwar sollen an vielen Stellen neue, wenn auch unterschiedlich hohe Mauern errichtet werden, doch grundsätzlich sei man bestrebt, die Blickbeziehung zum Wasser zu erhalten und durch Qualität die erforderliche Akzeptanz herzustellen. Wörtlich sagte Wach: „Es ist wichtig, dass wir etwas Vernünftiges machen. Es wird ein Jahrhundertbau.“

Was im Detail alles an Schutzmaßnahmen und Gestaltung vorgesehen ist, finden Sie hier kompakt zusammengefasst.

Noch mehr ins Detail ging der Darmstädter Städtebauarchitekt Harald Neu, der sich freut, dass sich auch in größeren Städten das Verhältnis zu Flüssen zum Positiven gewandelt habe. Man habe sie lieben gelernt. Aufgabe der Experten sei es nun, „die Grenzen auszuformulieren“ und „Bezüge zu verbessern“.

Erste Reaktionen aus dem Gremium

Bernhard Krebs (SPD) outete sich umgehend als Fan der Pläne: „Mir gefällt’s super!“ Allerdings bezweifelte er, „ob wir mit dem Geld hinkommen“. CSU-Fraktionssprecher Michael Schaller sprach von einer „äußerst gefälligen“ Planung, betonte aber auch, dass er sich überrumpelt fühle. Noch nie zuvor habe er das Konzept gesehen, und in Anbetracht der Bedeutung des Themas bräuchte er mehr Zeit und mehr Informationen, um sich eine abschließende Meinung bilden zu können. Der Stadtrat solle öfter über die Details debattieren.

Wer von Maßnahmen profitiert, muss mitzahlen

2. Bürgermeister Josef Gruber (CSU) reklamierte, der Hochwasserschutz sei ja grundsätzlich eine Angelegenheit des Freistaats. Es sei deshalb zu hinterfragen, weshalb sich die Stadt mit 35 Prozent beteiligen sollte. Amtsleiter Rosenmüllers Erklärung dazu: Es sei allgemein so geregelt, dass derjenige, der einen Vorteil von den Maßnahmen habe, mit in die Pflicht genommen werde. Das sei selbst bei Minimalvarianten der Fall, von denen er aber abrate. „Sonst kriegt man das bei den Bürgern nicht durch.“

Zu dem Thema gibt es auch einen Kommentar. Lesen Sie: Woher soll Burglengenfeld das Geld für den Hochwasserschutz nehmen?

Auf die Frage von 3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD), ob die Maßnahmen auch geeignet seien, eine Katastrophe wie im Ahrtal abzuwenden, antwortete Wach: Die Situation dort sei mit dem Naabtal nicht zu vergleichen. Letztlich müsse man aber akzeptieren, dass gegen eine lokale Sintflut, wie sie im Sommer 2021 im nordrhein-westfälischen Kreis Euskirchen niederging, kein Kraut gewachsen sei. Vor so etwas könne man sich nicht schützen.

Im Sommer wurde speziell die zunehmende Verlandung thematisiert. Lesen Sie dazu: Pflanzenwachstum in der Naab in Burglengenfeld ufert aus – FWL-Stadtrat schlägt Alarm