Schwierige Suche nach Ersatz für Burglengenfelder Rat – Liste der Nachrücker lichtet sich

Bleibt der gewöhnlich 24 Köpfe zählende Burglengenfelder Stadtrat die letzten Jahre der aktuellen Wahlperiode dezimiert? Fast sieht es danach aus. Denn die Nachfolge von Phillip Poguntke, der im Januar seinen Rückzug bekannt gegeben hat, gestaltet sich ungewöhnlich schwierig. Einige potenzielle Nachrücker haben bereits abgesagt.
Poguntke (32) ist Anhänger der Satirepartei Die Partei. Weil diese aber 2020 in Burglengenfeld keinen eigenen Wahlvorschlag hätte bieten können, probierte er sein Glück über die Linken. Auf deren Liste war er Spitzenkandidat. Außerdem bewarb er sich um das Bürgermeisteramt. Dieses Ziel verfehlte Poguntke mit 2,1 Prozent zwar mehr als deutlich. Ein Stadtratsmandat konnte er aber erringen.
Der Stress war ihm zu viel geworden
Um nicht auf sich allein gestellt zu sein, schloss sich der IT-Spezialist, ähnlich wie Norbert Wein von den Grünen, zu einer Fraktionsgemeinschaft mit der SPD zusammen und fühlte sich dort eigentlich pudelwohl. Umso überraschender kam Anfang des Jahres die Nachricht, er lege sein Amt nieder – mit sofortiger Wirkung.
Der Stress war dem 32-Jährigen zu viel geworden. Bei der Stadt Regensburg hat er einen anspruchsvollen Job. Die zeitraubende Arbeit eines Stadtrats ließ sich immer schlechter mit beruflichen Notwendigkeiten und privaten Interessen unter einen Hut bringen. Daher zog er die Reißleine.
Wer glaubte, die Nachfolge müsste, wie in den meisten Fällen zuvor, rasch zu klären sein, irrte. Ende Februar gab Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) bekannt, man habe noch keinen Ersatz gefunden. Die nächstliegende Lösung, Chantal Averibou, die 2020 auf der Liste der Linken das zweitbeste Ergebnis erzielt hatte, komme nicht mehr in Betracht. Die Studentin sei nach Hamburg gezogen. Vom Drittplatzierten, Patrick Schnabl, habe die Stadt noch keine Antwort erhalten. Er habe zwei Wochen Bedenkzeit.
Jeder hat seine zweiwöchige Bedenkzeit
Zwischenzeitlich hat sich Schnabl bei der Verwaltung gemeldet. Schriftlich erklärte er seinen Verzicht. Der junge Heizungsbaumeister war zu der Einsicht gelangt, dass er „viel zu schwer beschäftigt“ ist, als dass er nebenbei die verantwortungsvolle Aufgabe eines Stadtrats ausüben könnte, sagte er.
In der jüngsten Stadtratssitzung ging es auch noch um andere Themen – zum Beispiel geförderten Wohnungsbau. Mehr dazu lesen Sie hier.
Als Nächster hätte der Softwareentwickler Thomas Singer die Chance. Genau wie Poguntke hatte er sich 2020 als Mitglied von Die Partei auf der Linken-Liste ins Spiel gebracht. Doch auch er soll den Wohnort gewechselt haben. Pressereferentin Ulrike Pelikan-Roßmann bestätigte, die Stadt habe Singer erst kürzlich angeschrieben. Man könne nur Schritt für Schritt vorgehen.
Sollte Singer ebenfalls abwinken, wäre es an Pascal Averibou. Der Bruder von Chantal ist jedoch als freiberuflicher Schauspieler im ganzen Land unterwegs. Nach MZ-Informationen gilt es als äußerst unwahrscheinlich, dass er seinen Lebensmittelpunkt zeitnah wieder nach Burglengenfeld verlagert.
Weitere Alternativen, über die wenig bekannt ist
Als Alternativen sind da noch der Soldat Alexander Schön (Jahrgang 1995) und die Lagerlogistikerin Linda Jackel (Jahrgang 1990), die bei den Wahlen auf den Rängen sechs und sieben gelandet waren – und von denen aber niemand weiß, wie ihre kommunalpolitischen Ambitionen heute aussehen. Die Verantwortlichen des Linken-Kreisverbands Mittlere Oberpfalz haben den Kontakt verloren und wagen keine Prognose.
Trotzdem soll es im Burglengenfelder Rat keine dauerhafte Lücke geben, versichern sie. Eine Person, die 2020 kandidierte, habe signalisiert, sie werde gegebenenfalls zur Verfügung stehen. Nach MZ-Informationen dürfte es sich dabei um Claudia Averibou handeln, die Mutter von Chantal und Pascal.
Rentnerin stünde Gewehr bei Fuß
Die 69-jährige Rentnerin erklärte auf Anfrage, vordrängen wolle sie sich auf keinen Fall. Sollte aber der Ball bei ihr landen, gebiete es ihr Selbstverständnis, dass sie das Amt auch heute noch annehmen würde. Schließlich habe sie 2020 mit ernsten Absichten kandidiert, wenn auch nur auf dem letzten Platz acht. Und als Ruheständlerin hätte sie für das Ehrenamt auch eher Zeit als die Jungen, die sich in der Arbeitswelt behaupten müssen. Claudia Averibou ist nicht Mitglied der Linken, empfindet aber für vieles, was Linke vor Ort leisten, Sympathie. Besonders gefällt ihr das Engagement für gewaltfreie Konfliktlösungen bei der Deutschen Friedensgesellschaft.
Sogar der CSU-Fraktionschef sparte nicht mit Lob
Poguntke verfolgt das Ganze mit gemischten Gefühlen und aus sicherer Distanz. Vielleicht ist es für ihn ein Trost, dass in der Februar-Sitzung des Stadtrats über ihn nur lobende Worte zu hören waren.
Dass ihn 3. Bürgermeister Sebastian Bösl (SPD) als „guten Partner“ würdigte, war zu erwarten. Aber auch Michael Schaller, Chef der CSU-Fraktion, zeigte sich von seiner charmanten Seite und sagte, er finde es einfach nur schade, dass der „äußerst freundliche und kompetente“ junge Mann nicht mehr mitmische. Die Räte quittierten dies mit zustimmendem Tischklopfen.
So lief es bisher in den Gremien der Nachbarstädte
Teublitz: Der Rücktritt von Romy Hermann-Reisinger (SPD) ist seit 2020 die fünfte Änderung im Rat. Maria Steger (CSU) stellte ihr Mandat 2021 zur Verfügung. Roland Unger (CSU) starb 2022. 2023 sind Frank Pabst (SPD) und Thomas Brandl (CSU) ausgeschieden.
Maxhütte-Haidhof: Vorzeitig zurückgetreten sind die Stadträte Lothar Schieber (2022, SBM) und Johann Seebauer (2023, UWM).
Allgemeines: Dass die Mitgliederzahl eines Gremiums vorübergehend sinkt, passiert immer wieder, weiß Hans Prechtl, Sprecher des Landratsamts. So sei zum Beispiel beim Tod eines Ratsmitglieds nicht sofort ein Nachrücker im Amt. Ein solcher müsse erst berufen werden. Sterbe ein Bürgermeister, dauere es mindestens drei Monate, bis nach Vorbereitung und Durchführung der Neuwahl das Gremium wieder die ursprüngliche Größe habe.
Ein listenübergreifendes Nachrücken von Ersatzmitgliedern in den Rat gibt es übrigens nicht, betont Prechtl. Dies beruhe auf grundsätzlichen Erwägungen zum Schutz des Wählerwillens.






