Burglengenfelder Rat ebnet Weg für 75 Sozialwohnungen – aber es sind viele Aufgaben zu erfüllen

Die Firma Donhauser (Bauträger) und die Bayern-Heim (Investor) sind bei ihrem gemeinsamen Projekt in der Vorstadt einen großen Schritt weiter gekommen. Am Donnerstag vergangener Woche fasste der Stadtrat für das geförderte Wohnprojekt, das am ehemaligen BayWa-Gelände in der Schmidmühlener Straße nicht weniger als 75 Einheiten vorsieht, den Satzungsbeschluss. Allerdings haben die Projektpartner eine Reihe von Forderungen zu beachten.
Eigentlich hätte der erwähnte Beschuss bereits am 21. Februar im Bauausschuss herbeigeführt werden sollen. Wegen einer Panne mit dem Ratsinformationssystem (RIS) musste dies jedoch verschoben werden.
Das Projekt war im April 2023 erstmals vorgestellt worden. Der Bauträger hatte die Aufstellung eines Bebauungsplans mit Integriertem Grünordnungsplan beantragt. Der Billigungsbeschluss kam im Oktober zustande. Zwischen 10. November und 11.Dezember folgte die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange.
Das mutmaßliche Vorzeigeprojekt in der Vorstadt stieß bald auch auf Kritik. Lesen Sie dazu: Beliebter Möbelladen muss sozialem Wohnungsbau weichen
Seitens der Öffentlichkeit wurden, so berichtete der geschäftsleitende Beamte Gerhard Schneeberger, keine Bedenken vorgetragen, obwohl zum Beispiel Stadtrat Siegfried Klopp (SPD) massive Zweifel geäußert hatte, ob sich der Standort direkt an der Schmidmühlener Straße und nur wenige Hundert Meter vom Zementwerk entfernt überhaupt für Wohnen eigne. Die Abteilung Immissionsschutz des Landratsamts wies deshalb darauf hin, dass der Flächennutzungsplan angepasst werden sollte. Das heißt: Das bisherige Mischgebiet sei künftig als Allgemeines Wohngebiet zu werten.
Ein Gutachten bestätigt, dass allein der Verkehr sowohl tags als auch nachts die Orientierungs- und Grenzwerte für Lärm überschreitet. Daher sind technische Maßnahmen nötig, allerdings keine Wände, sondern Fenster und Lüftungen, die der Immissionssenkung dienen.
Altlasten? Sachverständiger ist gefordert
Die Abteilung Bodenschutz fordert eine Untersuchung des Erdreichs, damit die künftigen Bewohner Nutzpflanzen anbauen können. Ausgehobenes Material ist abfallrechtlich zu bewerten und gegebenenfalls zu entsorgen. Ein Sachverständiger muss die Arbeiten begleiten.
Um herauszufinden, ob besondere Lebewesen wie etwa die Zauneidechse von dem Vorhaben betroffen sind, dringt die Untere Naturschutzbehörde auf eine Artenerfassung im Gelände. Im Frühjahr soll eine Begehung mit einer fachkundigen Person stattfinden. Mithilfe geeigneter Maßnahmen sei es allerdings möglich, schützenswerten Arten auch künftig geeignete Lebensräume innerhalb der Planungsflächen zu bewahren, meint die Behörde.
Das Wasserwirtschaftsamt Weiden berichtete, der Bereich des Bebauungsplans sei nicht von einem hundertjährlichen Hochwasser bedroht. Allerdings befinde sich das Vorhaben in einem Risikogebiet, das bei einem Extremereignis rund 60Zentimeter unter Wasser geraten könne.
Zusätzliche Prüfung durch den Klimaschutzmanager
Neu in der Beurteilung ist die Prüfung durch Klimaschutzmanager Markus Süß. Seine Einschätzung: Das Projekt sei unterm Strich positiv zu bewerten, da durch Dachbegrünung, Nutzung von Photovoltaik sowie Verwendung natürlicher Baumaterialien die negativen Auswirkungen abgemildert würden. Im Hinblick auf die angestrebte Treibhausgasneutralität muss der Bauherr auf ein Heizsystem setzen, das zu 65Prozent mit Erneuerbarer Energie funktioniert, betonte Süß.
Wie die Verwaltung auf Nachfrage der MZ erklärte, sei das Ziel durch Biomasse (Holzhackschnitzel oder -pellets), eine Wärmepumpe oder Hybridlösungen (zum Beispiel Gasheizung in Kombination mit Solarthermie-Anlage) zu erreichen. Auch sogenannte H2-Ready-Gasheizungen mit einem verbindlichen Wasserstofffahrplan wären erlaubt.
Gelingt Anschluss an das Nahwärmenetz des Zementwerks?
Im vergangenen Jahr war der mögliche Anschluss an das Nahwärmenetz des Zementwerks ins Spiel gebracht worden. Ob es dazu tatsächlich kommt? Die städtische Pressereferentin Ulrike Pelikan-Roßmann erklärte auf Anfrage: „Stand heute kann bezüglich dieses Projekts keine belastbare Aussage getroffen werden, weil sich die Prozesse dazu in der Vorprüfung im Bereich der kommunalen Wärmeplanung befinden.“ Aus Sicht des Klimaschutzmanagers wäre die Abwärme des Zementwerks aber zu 100 Prozent klimaneutral und damit „natürlich am ehesten zu begrüßen“.
Hans-Edmund Glatzl (BFB) bezweifelt mittlerweile, dass Bayern-Heim und Donhauser die Partnerschaft mit Heidelberg-Materials rechtzeitig gelingt. Wahrscheinlicher sei eine andere Lösung, und wenn diese erst einmal installiert sei, werde sie in wenigen Jahren sicher nicht wieder rausgerissen.
Gregor Glötzl (BWG) warnte vor übertriebenen Erwartungen, sollte das Vorhaben doch vom Start weg an das Wärmenetz angebunden werden können. Aktuell stamme die Abwärme des Zementwerks aus einem Prozess, in dem zu 100 Prozent fossile Quellen zum Einsatz kämen. Außerdem kritisierte er das Konzept von Bayern-Heim. Das Projekt wirke wie ein „Ufo in der Landschaft“. Im Erdgeschoss fehle gewerbliche Nutzung.
Start vermutlich im dritten Quartal 2024
Sebastian Bösl (SPD) sagte, es gehe nicht um Ästhetik. Die Wohnungen seien einfach dringend erforderlich. Wegen der teuren Mieten in Regensburg sei auch der Druck auf Burglengenfeld gewachsen.
Gegen zwei Stimmen wurde der Satzungsbeschluss gefasst. Bayern-Heim-Geschäftsführer Ralph Büchele erklärte, trotz der gestiegenen Baukosten wolle man im dritten Quartal 2024 loslegen. Das Investitionsvolumen bezifferte er mit rund 25 Millionen Euro. Er sei noch immer zuversichtlich, dass sich die Firma Donhauser mit Heidelberg-Materials auf einen Anschluss ans Wärmenetz einigen könne.
Gerüchten, Bayern-Heim würde sich bald nach Vollendung des Projekts wieder zurückziehen und die Immobilien verkaufen, widersprach Büchele energisch: „Wir binden uns immer für 50 Jahre.“ Mehr sei gar nicht möglich.