Burglengenfeld: Geförderter Wohnungsbau am völlig falschen Ort?

Die Bayern-Heim GmbH und das Bauunternehmen Donhauser planen in Burglengenfelds Vorstadt ein staatlich gefördertes Wohnprojekt mit 75 Einheiten. Im Stadtrat herrschte einerseits Freude, andererseits gingen die Meinungen über den Standort auseinander.
Bei dem fast 7500 Quadratmeter großen Grundstück in der Schmidmühlener Straße 11, auf das der Schwandorfer Bauträger und der Münchner Investor ein Auge geworfen haben, handelt es sich um eine bislang gewerblich genutzte Fläche. Bis vor einiger Zeit hatte eine Gerüstbaufirma dort ihren Sitz, außerdem sind ein Gebrauchtwarenhaus und eine Fahrschule angesiedelt. In direkter Nachbarschaft befinden sich einige Immobilien der Gemeinnützigen Baugenossenschaft und ein paar Steinwürfe entfernt das Zementwerk.
Nachfragen in der Verwaltung haben sich gehäuft
Im Stadtrat, der am 26. April tagte, betonte Bürgermeister Thomas Gesche (CSU), dass sich die Nachfragen bei der Verwaltung nach bezahlbarem Wohnraum gehäuft hätten. Daher sei es das Ziel der Stadt, auf diesem Gebiet etwas zu tun. In der Vorstadt biete sich nun die Chance, ein Projekt zu realisieren, wodurch der gesamte Stadtteil aufgewertet werde. In einem ersten Schritt gehe es um den Beschluss, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.
Ralph Büchele, Geschäftsführer der Bayern-Heim, erklärte, geförderte Wohnungen seien das Kerngeschäft der staatlichen Gesellschaft. Gemeinsam mit der privaten Wirtschaft sei man in der Lage, „echt was zu schaffen“. Derzeit habe man über 4000 Wohnungen in Planung und Bau. Die Projekte erfüllten qualitativ hohe Anforderungen und zeichneten sich sogar durch ansprechende Architektur aus.
Nicht nur für Menschen mit schmalem Portemonnaie
Trotzdem könnten die Mieten auf vergleichsweise niedrigem Niveau gehalten werden. Im Stadtrat war die Rede von fünf bis sieben Euro pro Quadratmeter. Zwölf Euro seien mittlerweile in Burglengenfeld üblich. Anspruch auf die geförderten Wohnungen hätten nicht nur Menschen mit kleinem Geldbeutel, also Rentner und Alleinerziehende. Auch Familien mit Kindern und vergleichsweise gutem Einkommen würden stark berücksichtigt, sagte Büchele.
Zu einem weiteren wichtigen Thema, das jüngst im Stadtrat behandelt wurde, ist folgender Text erschienen:Trotz Gegenstimmen: Burglengenfelder Stadtrat steht zum Klimaschutzkonzept
Als Garanten des Erfolgs nannte er, dass die Bayern-Heim genau wisse, welche Fördermittel beansprucht werden könnten. Ferner bleibe das Unternehmen über Jahrzehnte Eigentümer der Immobilien und habe daher ein Eigeninteresse an guter Bauausführung. Um ein gedeihliches Miteinander in den neuen Quartieren zu schaffen, lege man Wert auf einen „gesunden Mietermix“.
Weitere Details zum geplanten Projekt
Architekt Peter Frank, Mitarbeiter der Firma Donhauser, skizzierte, was auf dem erwähnten Grundstück geplant ist. Eine Tiefgarage soll für bis zu 125Fahrzeuge Platz bieten. Darüber seien fünf Baukörper, „die sich zusammenfügen“, vorgesehen. Die 75 Wohnungen hätten eine durchschnittliche Größe von 65 Quadratmeter und bestünden vorwiegend aus drei Zimmern.
2900 Quadratmeter blieben für eine Grünfläche übrig, 155Quadratmeter für einen Spielplatz. Das Konzept sei in enger Abstimmung mit der Stadtverwaltung erstellt worden, betonte Frank. Was die Energieversorgung angeht, so sei eine Nahwärmelösung mit dem Zementwerk angedacht, berichtete der Architekt weiter – und löste damit umgehend Reaktionen aus.
BWG-Sprecher Gregor Glötzl vermutete hinter der Ankündigung eine Nebelkerze. Bisher habe sich das Zementwerk in diese Richtung jedenfalls nie bewegt. Claudia Donhauser, Geschäftsführerin des gleichnamigen Bauunternehmens, konterte, sie habe bereits bei Werkleiter Bernhard Reindl nachgefragt, und der habe sich aufgeschlossen gezeigt. Aktuell habe er zu viel Energie, „die nur verpufft“.
Um Nahversorgung ist es schlecht bestellt
Weiterer Gegenstand der Diskussion waren die fehlende Nahversorgung und unterschiedliche Auffassungen über die Eignung des Standorts für Wohnen. Glötzl sagte, grundsätzlich begrüße er das Vorhaben. Die Ausgestaltung gefalle ihm indes weniger. Die städtebauliche Situation sei „sehr unglücklich“. Nirgendwo in der Vorstadt existiere noch ein Geschäft für die Dinge des täglichen Bedarfs. Daher stelle sich die Frage, ob man das Erdgeschoss des Neubaus nicht für entsprechende Nutzung reservieren sollte. Der Bedarf sei dafür bestimmt gegeben.
3. Bürgermeister Sebastian Bösl, Sprecher der Fraktionsgemeinschaft von SPD, Grünen und Die Linke, kündigte an, die Aufstellung des Bebauungsplans „auf jeden Fall“ zu unterstützen. Vielleicht gelinge mit dem vorgelegten Plan ja auch „der Startschuss für Nahversorgung“.
BWG-Sprecher widerspricht Bayern-Heim
Thomas Hofmann, stellvertretender Chef der CSU-Fraktion, wollte wissen, ob es rechtlich überhaupt möglich sei, in einem geförderten Projekt Gewerbe anzusiedeln. Bürgermeister Gesche, Bayern-Heim-Sprecher Büchele und Claudia Donhauser antworteten unisono, die Chancen, überhaupt jemanden zu finden, der dort ein Geschäft eröffnen würde, tendierten gegen Null. Die Kundenfrequenz sei zu niedrig, „der Einzelhandel hat deshalb kein Interesse“, so Donhauser.
Widerspruch kam von Gregor Glötzl, der beruflich gerade in Regensburg mit einem weitaus größeren Vorhaben beschäftigt ist, bei dem es ebenfalls um den Nutzungsmix geht. Der Stadtplaner hält vieles durchaus für denkbar, bei der Bayern-Heim fehle aber die Motivation.
Anlieger äußert Zweifel an Qualität des Standorts
SPD-Rat Siegfried Klopp, der selbst in der Schmidmühlener Straße zuhause ist, ließ mit seinen Anmerkungen besonders aufhorchen. Er sagte, einerseits begrüße er das Vorhaben, andererseits habe er starkes Bauchgrummen. Die Menschen, die an der Schmidmühlener Straße lebten, litten Tag und Nacht unter Lkw-Verkehr und Lärm. Er wundere sich sehr, dass Donhauser ihr Projekt an dieser Stelle realisieren wolle. Vor zwei Jahren habe er der Firma ein Grundstück angeboten. Ein Mitarbeiter habe mit der Begründung abgelehnt, die Gegend sei „nicht lebenswert“.
