Burglengenfeld: Beliebter Möbelladen muss sozialem Wohnungsbau weichen

Von Thomas Rieke · 30. November 2023 um 05:00

Bei nur einer Gegenstimme hat der zuständige Ausschuss unlängst den Entwurf des Bebauungsplans für den geförderten Wohnungsbau an der Schmidmühlener Straße 11 in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf gebilligt. Alle Zeichen stehen auf einen Spatenstich im kommenden Frühjahr. Doch bei allem Lob für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums – es gibt auch Kritik.

Wie bereits im April berichtet, beabsichtigt die Firma Donhauser aus Schwandorf auf dem 7454 Quadratmeter großen Grundstück mit der Flurnummer 654 eine Wohnanlage mit 75 Einheiten zu errichten. Mit im Boot sitzt die Bayern-Heim GmbH. Das Unternehmen des Freistaats Bayern tritt als Investor auf, wird die komplette Anlage letztlich erwerben, die Wohnungen vermieten und betreuen.

Zum voraussichtlichen Investitionsvolumen gibt es noch keine verlässliche Schätzung. Fakt ist aber nach Informationen der MZ, dass der bisherige Grundeigentümer, die Bekleidungsvertriebsgesellschaft Karl, das Areal mittlerweile an Donhauser verkauft hat. „Der Vertrag ist unterschrieben“, bestätigte Geschäftsführer Alexander Karl. Ursprünglich hatte er vor, auf dem ehemaligen BayWa-Gelände ein Auslieferungslager für Jeans anzusiedeln. Die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA , die den Umsatz einbrechen ließen, sowie diverse Krisen in den Folgejahren durchkreuzten die Pläne.

Mieterin gibt nach vielen Jahren Geschäft auf

Aber: Die Immobilien auf dem Grundstück wurden vermietet. Hauptnutzer war lange Zeit der Gerüstbauspezialist K&K gewesen, der zwischenzeitlich nach Schwandorf umgezogen ist und an die Fahrschule Reiter sowie Claudia Schmitt, Betreiberin des gleichnamigen Gebrauchtmöbelmarkts, untervermietet hat.

Schmitt war es auch, die sich im April auf Facebook zu Wort meldete, als über den MZ-Bericht „Geförderter Wohnungsbau am völlig falschen Ort?“ diskutiert wurde. „Was wird aus uns? Das interessiert niemanden!“, klagte die Bürokauffrau, die sich zum damaligen Zeitpunkt schlecht informiert fühlte.

Im April sorgte das Bauvorhaben zum ersten Mal für Schlagzeilen. Vor allem die Burglengenfelder Wählergemeinschaft (BWG) sparte nicht mit Kritik. Lesen Sie dazu: Geförderter Wohnungsbau am völlig falschen Ort?

Bis heute hat sie keine Alternative in Aussicht. Daher, so der derzeitige Stand, wird Schmitt nach rund dreißig Jahren des Handelns mit gebrauchten Möbeln, die „teils noch wie neu sind“, das Handtuch werfen. Der Mietvertrag laufe zum Jahresende aus, berichtet sie, doch bis April dürfe sie die Räumlichkeiten nutzen. „Ich verstehe, dass der bisherige Eigentümer verkaufen wollte. Aber wir stehen vor dem Aus“, bringt es Schmitt auf den Punkt. Fortan wird sie sich auf ihr zweites Standbein, Hausmeisterdienste, konzentrieren.

Noch auf der Suche ist die Fahrschule Reiter, die ihren Sitz zwar Im Naabtalpark hat, für die Unterbringung ihres Fuhrparks aber eine mindestens 100 Quadratmeter große Halle benötigt. Auch Reiter hofft, bis April an der Schmidmühlener Straße bleiben zu dürfen.

An den Unterlagen wird noch gefeilt

Das könnte klappen, aber die Uhr tickt. Wie Bayern-Heim-Geschäftsführer Ralph Büchele auf Anfrage bestätigte, sei seine Gesellschaft momentan damit beschäftigt, die Unterlagen zu prüfen, welche von Donhauser erarbeitet würden. Speziell gelte es darauf zu achten, dass die Anforderungen für gefördertes Wohnen erfüllt werden. „Da und dort“ müsse etwas nachgebessert werden, aber insgesamt sei man auf einem guten Weg. Eine konkrete Gefahr, dass das Vorhaben wegen gestiegener Zinsen oder knapper Fördermittel kippen könnte, sieht Büchele nicht. Die finanzielle Unterstützung stamme aus Töpfen des Freistaats, und die seien noch gefüllt. In wenigen Monaten könne Bayern-Heim vermutlich den Gang zum Notar antreten, „und dann geht es los“. Es bestehe kein Grund zu zögern.

2900 Quadratmeter bleiben für Grün, 150 für einen Spielplatz

Laut Gerhard Schneeberger, Leiter der Bauverwaltung, hat sich an dem Konzept gegenüber der ersten Präsentation nichts geändert. Die Baukörper fügten sich in die Umgebung ein. Die Dächer würden begrünt. Balkonkraftwerke seien zulässig, es werde aber Wert auf eine einheitliche Gestaltung gelegt.

Dem Vorlagebericht ist ferner zu entnehmen, dass für die Unterbringung der Fahrzeuge der Mieter eine halbgeschossige Tiefgarage geplant ist. Es verbleiben 2900 Quadratmeter für reine Grünfläche und etwas über 150 für einen Spielplatz.

Die Wohnungen sollen zu hundert Prozent der EOF-Förderung unterliegen. Das heißt, bedürftige Mieter erhalten zur Miete einkommensabhängig einen Zuschuss. Dieser bemisst sich nach der Höhe des jährlichen Gesamteinkommens aller Haushaltsangehörigen. Jeweils 20 Prozent der Wohnungen sollen an einkommensschwache sowie einkommensstarke Bewerber gehen, 60 Prozent an Bewerber mit mittlerem Einkommen.

Fernwärme bleibt für Bayern-Heim der Favorit

Die Anlage sei nicht mit Sozialwohnungen im „herkömmlichen Sinn“ vergleichbar, betont die Bayern-Heim. Es handle sich um „hochwertige und anspruchsvolle Architektur“. Man lege in allen Bereichen Wert auf „intelligente Nachhaltigkeit“. Ob es tatsächlich zum Anschluss an das Wärmenetz des Zementwerks kommt, scheint freilich noch nicht festzustehen. Büchele würde eine solche Lösung favorisieren. Als Alternative kämen Wärmepumpen oder eine Pellet-Anlage in Betracht.

Trotzdem ist das Projekt auch im Stadtrat nicht unumstritten. Insbesondere Gregor Glötzl (BWG) erneuerte seine Kritik. Der Standort sei wegen der Nähe zu Industrie- und Gewerbebetrieben sowie fehlender Infrastruktur für Wohnen ungeeignet. Außerdem hält er die 100-prozentige Fokussierung auf EOF-Wohnungen für problematisch. Ein gewisser Anteil an nicht-geförderten Einheiten diente der Qualitätssicherung.

Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) verteidigte das Konzept und sprach von einem „vorbildlichen Projekt“. Alles sei gut durchdacht.

Auf diesem Gelände sollen ab 2024 rund 75 Wohnungen errichtet werden. Foto: Thomas Rieke, Archiv