Paar aus Lederdorn findet Schmetterlingsrarität – LBV bittet um Mithilfe bei Artenkartierung

Von Tanja Fenzl · 29. Juli 2024 um 19:00

Weil eine Topfpflanze quasi über Nacht sämtliche Blätter verloren hatte, schaute Marianne Greisinger aus Lederdorn (Landkreis Cham) morgens etwas genauer hin – und entdeckte zwei grün-braune, fingerdicke Raupen im Erdreich. Experten erklären die Tierchen zur Beinahe-Sensation.

Er hat einen breiten Kopf mit dunklen, schwarzen, rot umränderten Augen, einen gespaltenen Schwanz, aus dem rote Fäden ausgestülpt werden können, und Feinde wehrt er mit Säure ab. Keine Angst, was Marianne und Herbert Greisinger da in ihrem Garten gefunden haben, ist kein Drache. Doch die Raupe des Gabelschwanzes lehrt ihre Feinde ebenfalls das Fürchten – und ist fast so selten.

Weil eine Topfpflanze quasi über Nacht sämtliche Blätter verloren hatte, schaute Marianne Greisinger morgens etwas genauer hin – und entdeckte zwei grün-braune, fingerdicke Raupen im Erdreich. „Solche hatten wir noch nie bei uns“, erklärt die passionierte Gärtnerin, wieso sie die kleinen Kringel in ein Glas einpackt und mit ihnen zu einem Gartenfachbetrieb fährt. „Ich dachte mir, da könnte jemand wissen, was das für Tierchen sind.“ Und in der Tat erklärt ein Gärtner dem Paar aus Lederdorn, dass es sich bei ihrem Fund um zwei Exemplare der Raupen des Großen Gabelschwanzes handelt – eine Art, die bei uns in der Region nicht allzu häufig vorkommt. „Das muss fast in die Zeitung, so besonders ist das“, bringt der Fachmann das Paar auf eine Idee.

Salat schmeckt

Zuhause lassen die Greisingers die beiden Tierchen erst einmal auf dem Gartentisch wieder frei, und beobachten sie ganz genau, während die grünen Würmchen sich vorne durch ein paar Salatblätter fressen und hinten braune Häufchen hinterlassen. Ein bisschen Angst haben die Herbergsleute schon um ihre kleinen Findlinge – „wo sollen wir sie aussetzen, damit sie nicht von einem Vogel erwischt werden..,.,?“ Mindestens ein paar Tage sollten sie noch in ihrer Raupenform überleben, ehe sie sich den Winter über verpuppen. Weil sich die Raupen bereits rötlich verfärbt haben, dauere es vermutlich nicht mehr lange, bis sie sich in ihrem Kokon verwandeln, hat der Gärtner den Greisingers verraten.

Bis der Große Gabelschwanz aber womöglich durch den Garten der Greisingers fliegt, wird es noch dauern. „Die Raupe des Großen Gabelschwanzes überwintert als Puppe und schlüpft erst im April“, weiß Markus Schmidberger vom Landesbund für Vogelschutz (LBV).

Der Leiter des LBV-Zentrums Mensch und Natur in Nößwartling und Leiter der LBV Geschäftsstelle Cham bestätigt außerdem, welche seltenen Fund das Ehepaar in seinem Garten gemacht hat. „Alles ein, zwei Jahre hören wir von einem Gabelschwanz bei uns“, sagt Schmidberger. Der Große Gabelschwanz gehöre ohnedies zu der Familie der Nachtfalter . „Von tausend Menschen sieht vielleicht einer im Leben einmal einen Gabelschwanz fliegen“, sagt Schmidberger. Faszinierend sei der Schmetterling auch deshalb, weil er nach der Verpuppung bis zum Tod ohne Mundwerkzeuge überlebe. „Es geht eigentlich nur noch um die Fortpflanzung, während der kurzen Flugzeit von April bis Mai, Juni kommen die Tiere ohne Nahrung aus und haben nur noch Sex im Kopf“, grinst Schmidberger.

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Generell, bedauert der Experte, nehme auch im Landkreis die Artenvielfalt und die auch Anzahl der Schmetterlinge immer weiter ab. Dabei seien ohnehin nur etwa fünf Prozent der Schmetterlinge tagsüber zu beobachten, die meisten Falter seien nachtaktiv.

Immer weniger Arten

„Dass man nicht mehr so viele Schmetterlinge sieht, wie man es aus der Kindheit vielleicht kannte, das ist ja offensichtlich“, sagt Schmidberger. Das habe aber auch Auswirkungen auf viele andere Bereiche der Umwelt. „Insekten sind ja mit vielen anderen Arten verknüpft. “Jeder kann versuchen, in seinem Garten die Welt ein bisschen besser zu machen. Größtes Problem für die hiesige Artenvielfalt bleibe die intensive Nahrungsmittelproduktion, die die Vielfalt der Strukturen in der Natur reduziere. Beispiel Großer Gabelschwanz: „Der liebt die Auwälder.

Der Gäuboden, die gesamte Donau-Aue wäre eigentlich Auwald. Wenn aber alle Bäume entfernt werden, vernichtet man nicht nur Lebensraum für viele Arten. Auch das Wasser kann dann ungehindert fließen, und auf einmal haben wir regelmäßig schlimme Überschwemmungen in Passau“, erklärt Schmidberger die Zusammenhänge.

Im Landkreis dienen Kartierungen dazu, die Häufigkeit von Arten zu bestimmen. „Seltene Funde oder Sichtungen sollten direkt beim LBV gemeldet werden“, bittet Schmidberger die Bürger um Hilfe; Sichtungen können unter Tel. (09977) 82 27 gemeldet werden.

Hobbygärtner: Herbert Greisinger hat zusammen mit seiner Frau die bei uns eher seltenen Tierchen entdeckt.
Schwarze Punkte: Scheinaugen sollen Feinde abschrecken.
Snack der Raupen: die kaputte Topfpflanze.
Von wegen, ich mag kein Blatt: Die Raupen lassen sich die grünen Blätter schmecken.