Geklauter Chamer Pfau ist zurück: Die Tiergeschichte wäre fast ziemlich übel ausgegangen

Im Juli wird der grau-weiße Pfauennachwuchs aus Cham ein Jahr, und schon hat er sein erstes großes Abenteuer hinter sich. Gestohlen, zurückgebracht, und eine Nacht im Freien überlebt. Besitzerin Ramona Weiß ist trotz des guten Ausgangs ziemlich sauer auf die Diebe.
Wie die Chamer Polizei am Montag bestätigte, ist der seltene Vogel inzwischen wieder in seinem Gehege am Ortsrand von Sattelpeilnstein. Trotzdem ermittle man weiter, hieß es.Am Freitag bat die Polizei noch um Hinweise auf einen möglichen Täter.Dass das Jungtier zufällig entkommen sein könnte, schließt Weiß aus. „Das Gehege ist ausbruchsicher. Und übrigens auch einbruchsicher, dass kein Fuchs oder Marder hineinkommen kann“, sagt die zweifache Mutter.
Kamera zeichnete Auto auf
Im Übrigen habe sie anhand von Kameraaufnahmen Indizien für den Diebstahl, und Samstagnacht zeichnete die Kamera Autolichter auf – ungefähr zu dem Zeitpunkt, als die mutmaßlichen Diebe das Tier wieder zurückgebracht haben müssen.
„Ein Wunder, dass er überlebt hat“
„Da waren die Umstände auch nicht so toll. Der Pfau wurde einfach vor dem Gehege freigelassen, ein Wunder, dass er das überlebt hat“, ärgert sich Weiß, die kurz nach dem Verschwinden des Tieres einen Post in den Sozialen Medien abgesetzt hatte. Vielleicht wegen der dort erwähnten Videoaufnahmen hatte der Täter wohl ein schlechtes Gewissen bekommen. „Der Pfau hat sich vor dem Gehege die ganze Nacht hingesetzt und gewartet, bis ihn morgens jemand findet“, sagt Weiß, die beim Rettungsdienst arbeitet und gar nicht daran denken mag, wenn der Vogel von einem Fuchs erwischt worden wäre – wie seine Eltern vor nicht ganz einem Jahr.
Im Brutkasten ausgebrütet
„Die hatten damals schon das Gelege soweit fertig“, erinnert sich Weiß. Der gestohlene Pfau und seine zwei Geschwister sind in der Brutmaschine ausgebrütet worden. „Mein Vater meinte, wir probieren das jetzt mal. Und es hat geklappt.“
Umso schlimmer war es für die Vogelmama, dass eines der Jungtiere geklaut worden war. Sie hängt an allen ihren Tieren, die Liebe zu den ausgefallenen Vögeln habe sie schon in der ersten Klasse bei einem Urlaub auf der Insel Mainau entdeckt. „Dort sind Pfauen herumgelaufen, und ich habe damals schon gesagt, wenn ich einmal erwachsen bin, werde ich mir solche kaufen“, blickt Weiß zurück. Vor knapp zehn Jahren legte sich die heute 36-Jährige ihre ersten Pfauen zu, inzwischen lebt die Familie mit vielen verschiedenen Tieren. „Wir haben einen richtigen Zoo“, lacht Weiß. „Ich lebe meinen Kindheitstraum.“ Im großen Gehege sind ein Kamerunschaf, Pferdchen Damwild, Hühner und Pfauen untergebracht, auch Katzen und Meerschweinchen gehören zum privaten Tierpark.
Neider auf den Plan gerufen?
„Das ruft vielleicht auch Neider auf den Plan“, vermutet Weiß. „Es sieht keiner, was da an Arbeit dahintersteckt. Täglich drei Stunden dauert das Füttern und Ausmisten, auch das Futter machen wir selber.“
Ob der gestohlene Pfau ein Männchen oder ein Weibchen ist, steht übrigens noch nicht ganz fest. Das rund 50 Zentimeter große und etwa vier Kilogramm schwere Tier ist – „eine Promenadenmischung. Der Vater war ein Schwarzflügelpfau, die Mama ein Blauer Pfau, und Oma oder Opa war ein Weißer Pfau“, erklärt die Besitzerin. Deshalb sei die Geschlechterbestimmung etwas schwieriger. Sie glaube aber, dass es sich bei den drei Brutkasten-Pfauen um Weibchen handelt.
„Danke an den feigen Dieb“
150 Euro soll der Pfau übrigens laut Polizei wert sein. Grund genug, um ihn zu stehlen? Ramona Weiß ist ratlos, hatte aber auf Facebook noch eine deutliche Nachricht an den Dieb: „Danke an den feigen Dieb, dass du ihn mitten in der Nacht einfach bei seinem Gehege frei gelassen hast und ihn so zur Beute vom Fuchs gemacht hast. Glücklicherweise konnten wir ihn heute morgen einfangen und mehr oder weniger wohlbehalten zu seinen Geschwistern zurück bringen.“
Weiß‘ Vater fand den Pfau am Morgen vor dem Gehege. Der Vogel sei am Fuß empfindlich gewesen und habe am ganzen Körper gezittert. „Der war stark verängstigt“, glaubt Weiß. Dennoch ist Weiß froh, dass die Geschichte so ausgegangen ist: „In den Pfauen steckt sehr viel Geld und sehr viel Liebe!“ Und auch Johanna, viereinhalb und Romina, eineinhalb Jahre, freuen sich, das der Pfau wider da ist. „Die waren seit sie auf der Welt sind jeden Tag im Gehege bei den Tieren“, sagt Mama Ramona.


