Adler griff Hund Fibi an: Falkner rückt Bild vom bösen Greifvogel zurecht

Im Fokus einer Hexenjagd - so hat Herbert Winkler aus dem Landkreis Landshut sich vor zwei Monaten gefühlt. SeinAdler hatte Hund Fibi in Cham angegriffen. Das vom bösen Adler möchte der Falkner nun doch zurechtrücken - und erklärte sich zu einem längeren Gespräch bereit.
Bundesweit hatten Zeitungen, Radiosender und Fernsehanstalten über den Kampf von Fibis Herrchen und Frauchen gegen den Angreifer aus der Luft berichtet.
„Hätte natürlich nicht passieren sollen“
„Der Adler hat den Hund gefangen. Das hätte natürlich nicht passieren sollen“, sagt Winkler, was er auch in früheren Interviews bereits eingeräumt hatte. Doch er stellt auch klar: „Wenn einmal in zehn Jahren ein Adler auf der Jagd einen Hund angreift, kann man deswegen nicht die ganze Beizjagd verteufeln. Alle Falkner wissen: Der Adler ist nun einmal ein Raubtier.“
Terrier Fibi war nach Aussage seiner Besitzer beim Spaziergang am Chamer Stadtrand nahe des Taschinger Bergs plötzlich von einem Adler angegriffen worden. Die beiden Hundehalter hatten sich daraufhin auf den Adler gestürzt und es geschafft, den Hund aus den Fängen des Angreifers zu befreien.
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Winkler war als Jagdgast und Helfer des Chamer Jagdpächters Florian Scheurer eingeladen worden. Dieser war von der Polizei über ein verletztes Reh mit offenem Lauf informiert worden, das bis zu diesem Zeitpunkt auch von anderen Jägern nicht gefunden werden konnte. Scheurer setzte, sagt er, an diesem Tag bewusst auf Winklers Adler, um das Tier in der Deckung doch noch aufzuspüren.
„Hatten da nichts verloren“
Winkler betont: Man habe vor dem Auslassen des Adlers das Umfeld genau im Blick gehabt, es sei niemand zu sehen gewesen. „Die Hundehalter hatten an der Stelle mit ihrem Hund nichts verloren. Das hört man natürlich nicht gerne, aber der Hund war nicht angeleint. Da wird es dann natürlich schwierig. Wir haben nichts Unrechtes getan, das war ja auch ganz klar die Aussage von Polizei und Landratsamt, und trotzdem habe ich mich bei den Tierbesitzern dreimal entschuldigt und bin für jeglichen Schaden, auch Tierarztkosten, aufgekommen.“
Dennoch: Winkler wollte sich zunächst lange aus der Diskussion heraushalten und nicht „noch Öl ins Feuer gießen“. Doch die einseitige Parteinahme der Medien störte Winkler, der seit zwölf Jahren Falkner ist, dann doch. „Denken Sie mal anders: Wenn der Hund einen Hasen oder Fasan fängt, während er frei herumläuft, dann ist das ja sogar Wilderei.“ Dagegen stelle die Beizjagd eine sehr alte, erprobte und selektive Jagd dar.
Im Übrigen hätte sich, sagt Winkler, die ganze Diskussion erübrigt, wenn die Hundebesitzer sich an die Regeln gehalten hätten. „Wenn der Hund direkt bei den Leuten an der Leine gewesen wäre, wäre die Silhouette der Menschen für den Adler viel zu groß gewesen.“
Man darf nicht überall quer gehen
Auch Scheurer verteidigt den Adler. „Die Leute meinen immer, sie können überall quer gehen. Das stimmt aber nicht.“ Niemand denke außerdem daran, dass bei uns auch der Seeadler immer einmal wieder zu finden ist, gleich angrenzend im Naturschutzgebiet. „Das ist ein wilder Vogel, wenn da ein kleiner Terrier kommt...“, lässt Scheurer den Satz unvollendet. Ebenso greife der Uhu Hunde im Wald an. „Ich schwöre, wenn der gerade Junge hat, dann greift der an. Und auch Elstern und Krähen fangen kleine Hasen. Ein starker Habicht fängt ein Huhn drei Meter neben Ihnen“, will Scheurer deutlich machen, dass ein Adler auf Beizjagd nicht die schlimmste Gefahr für frei laufende Hunde oder auch Katzen darstellt.
Viermal im Jahr organisiert Scheurer eine Beizjagd, im November und Dezember jeweils zwei, vornehmlich, um Hasen zu jagen. Von diesen Jagden her kannte er auch Winkler, den er deshalb für die Suche nach dem verletzten Reh um Hilfe rief.
Fasziniert von Greifvögeln
Winkler, der in seiner Heimatgemeinde im Landkreis Landshut einen großen Bonsai-Fachhandel betreibt, steht zu seinem Hobby, zu dem er durch einen Zufall gekommen war. „Greifvögel haben mich schon immer fasziniert.“ Beim Besuch einer Falknerei verfestigte sich sein Interesse. Das Adlermännchen, das bei der Jagd in Cham zum Einsatz kam, ist bereits zehn Jahre alt; Winkler hatte es von einem befreundeten älteren Falkner übernommen, der nicht mehr zur Jagd gehen kann. Neben dem Terzel führt Winkler auch ein Adlerweibchen, das er mit drei Monaten bekommen hatte.
Der Falkner, der im Übrigen kein Jäger ist und keinen Jagdschein besitzt – er darf nur mit dem Falken auf die Beizjagd gehen, aber nicht mit dem Gewehr jagen –, versucht trotz aller Angriffe Verständnis für die Hundebesitzer zu haben. Er selbst hat schließlich auch zwei Hunde zuhause, mit denen er regelmäßig spazieren geht. An der Leine.
Die Vorgeschichte
Der Vorfall:Am 17. Dezember greift sich der Adler von Herbert Winkler bei einer Beizjagd den kleinen Terrier eines Chamer Paares. Die Besitzer schaffen es, den Hund zu befreien, der am Ende mit Wunden von den Adlerkrallen davonkommt. Vorwürfe gegen den Adlerbesitzer und den Jagdpächter werden laut. Polizei und Jagdbehörde bescheinigen Herbert Winkler und dem Jagdpächter jedoch völlig korrektes Verhalten. Für Schaden und Tierarzt kommt Winkler umgehend auf.


