Ausgerechnet er: Regensburger Bali-Flieger blockiert den Frankfurter Flughafen

Von Philip Hell · 26. Juli 2024 um 12:08

Der Regensburger Klimaaktivist Yannick Seuthe machte im Januar 2023 bundesweit Schlagzeilen, weil er einen Prozess schwänzte und lieber nach Bali flog. Am Donnerstagmorgen war der 25-Jährige erneut an einem Flughafen – diesmal blockierte er allerdings Flieger.

Im Morgengrauen zwickten sechs Aktivisten der Letzten Generation am Donnerstag den Maschendrahtzaun am Frankfurter Airport auf – darunter Seuthe. Die Letzte Generation veröffentlichte auf der Plattform „X“ ein Video des Regensburgers, der zurzeit in Halle (Saale) wohnt. „Einige von euch kennen mich als den Bali-Flieger“, sagt der 25-Jährige in die Kamera. Vor zwei Jahren sei er selbst in einem Flugzeug nach Südostasien gesessen.

Der Flug? Kein Problem!

Er spielt damit auf einen Fall an, der im Januar 2023 bundesweit Schlagzeilen gemacht hat. Seuthe hätte eigentlich wegen einer Klebeblockade vor dem Amtsgericht Bad Cannstatt (Baden-Württemberg) auftauchen müssen, weilte zu diesem Zeitpunkt allerdings im Urlaubsparadies Bali (Indonesien). In Abwesenheit wurde Seuthe zu einer Geldstrafe verurteilt und schaffte es innerhalb weniger Tage zu einer Berühmtheit im Boulevard. Später wurde der Prozess neu aufgerollt, dann wurde Seuthe sogar zu einer Haftstrafe verurteilt. Diesmal war er zum Verfahren angereist – und hatte noch im Prozess weitere Blockaden angekündigt, was ihm die Haftstrafe einbrockte, wie das Gericht damals auf Anfrage der MZ schrieb.

Sein Flug nach Bali sei allerdings nicht das eigentliche Problem, so Seuthe in dem Video von Donnerstagmorgen. „Das Problem ist, dass unsere Regierung endlich ehrlich sein muss.“ Der Staat mache der Flugindustrie jährlich Milliarden Euro an Steuergeschenken. Seuthe fordert: „Unsere Regierung muss endlich ehrlich kommunizieren, dass es so nicht weitergehen kann.“ Die Flugindustrie müsse sozial gerecht heruntergefahren werden. Es gehe nicht um Privatentscheidungen einzelner, schreibt die Letzte Generation zu dem Video und in Anspielung auf Seuthes berühmten Bali-Flug. „Es geht darum, dass die Regierung Öl ins Feuer der Klimakrise kippt und uns vermittelt, dass alles bleiben kann, wie es ist.“

Die Aktion am Donnerstagmorgen sorgte für Chaos an Deutschlands größtem Airport in Frankfurt. Rund 200 der 1400 geplanten Flüge fielen aus, wie der Flughafenbetreiber Fraport mitteilte. Noch am Donnerstagabend waren die Auswirkungen spürbar. Die Aktivisten wurden laut Polizei festgesetzt, am Abend kamen sie der Letzten Generation zufolge wieder frei.

Die Blockade in Frankfurt war Teil der neuen Kampagne „Oil kills - Öl tötet“. Unter der Woche fanden ähnliche Aktionen in den USA, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz, Kanada, Finnland, Spanien und Norwegen statt. Hinter „Öl tötet“ steckt der Letzten Generation zufolge ein internationaler Zusammenschluss von Klimaaktivisten – mit reger Beteiligung aus Regensburg. Die Aktivisten stellten in einer Online-Pressekonferenz am Mittwoch die weiteren Ziele der Kampagne vor. Mit dabei: Ronja Künkler aus der Domstadt. Die 25-Jährige tritt in Regensburg regelmäßig als Sprecherin der Letzten Generation auf. Zuletzt wurde sie aufgrund mehrerer Straßenblockaden vom Amtsgericht Regensburg zu einer Geldstrafe verurteilt.

Regensburgerin kündigt an: „Werden das wiederholen“

In der Pressekonferenz betonte Künkler: „Unsere Regierungen kommen ihrer Verantwortung nicht nach.“ Der Protest an den Flughäfen mache Angst – „aber er ist jetzt notwendig.“ An den Orten des Protests werde eine Realität gespielt, die es so nicht mehr gibt. „Angesichts der Klimakatastrophe ist es nicht mehr normal, das Flugzeug als alltägliches Verkehrsmittel zu behandeln.“ Global herrsche schon lange ein Konflikt zwischen denjenigen, die die Klimakatastrophe anheizen und denen, die schon jetzt unter den Folgen leiden.

Der Protest am Flughafen gebe diesem Konflikt den Raum, den er braucht. Die Aktionen auf den Rollfeldern in ganz Europa seien nur der Start, kündigte Künkler an. „In den kommenden Wochen werden wir das wiederholen.“ Die Klimakatastrophe bedrohe die gesamte Menschheit. Die Kampagne wolle sich damit nicht abfinden.