Schokolade und Flaschenwürfen: So lief der Dauerprotest der Letzten Generation in Regensburg

Es ist Samstag, Punkt 12 Uhr. Rund 50 Aktivisten der Letzten Generation betreten die Jakobstraße am Jakobstor in Regensburg. Normalerweise folgt darauf ein Hupkonzert und Schimpftiraden. Diesmal bleibt es jedoch ruhig, die Polizei hat die Straße schon ein paar Minuten zuvor abgeriegelt. Der Protest der Letzten Generation wird 24 Stunden andauern – dabei wird es auch mal ungemütlich.
Kaum liegen die ersten Isomatten auf dem warmen Asphalt, kommt ein Anwohner zu den Aktivisten auf die Straße und bringt ihnen Süßigkeiten vorbei. Ein Protestierender mustert eine Packung Schokolade. „Die ist aber nicht vegan, oder?“
Blockade der Letzten Generation: Solidarität von Anwohnern in Regensburg
„Die brauchen doch Nervennahrung“, sagt der Anwohner zur MZ. Seinen Namen möchte er lieber nicht gedruckt sehen. „Ich finde es gut, was die machen.“ Er sei damals auch beim Kampf gegen die WAA dabei gewesen, sagt der Anwohner.
„Wir müssen auch heute was machen.“ Ihn stören die ganzen Autos, die täglich durch die Jakobstraße rauschen. „Wir müssen die Jungen unterstützen.“ Dieser Beistand kann auch recht praktisch aussehen. „Ich hab ihnen gesagt, dass sie bei mir klingeln sollen, wenn sie aufs Klo müssen.“ Der Anwohner verabschiedet sich wieder. Indes bauen die Aktivisten die Bühne auf, spannen Zelte auf und führen erste Diskussionen mit Passanten.
Ronja Künkler tritt an das Mikrofon. Es sei zwar schön, wie bunt all das hier sei, aber: „Dieser Sommer ist mal wieder voll von dramatischen Auswirkungen der Klimakatastrophe.“ Die Aktivistin spricht über das Hochwasser Anfang Juni, erwähnt anhaltende Dürren in Spanien und Wassermangel in Brasilien. „Vieles ist gerade schlimmer, als es die Wissenschaft vorhergesagt hat.“ Grund für all das sei auch eine globale Ungerechtigkeit. „Zuerst trifft es immer die Ärmsten der Armen.“
Der Klimawandel verschärfe darüber hinaus alle anderen Krisen. „Und trotzdem handelt die Regierung nicht.“ Weitere Redner treten an das Mikrofon. Unter dem Strich fordern sie alle eines: Ehrlichkeit. Die Politik solle sich endlich ehrlich mit dem Klimawandel befassen und der Bevölkerung klarmachen, dass in diesen Zeiten Verzicht gefordert sei.
Letzte Generation: Polizei leitet Verkehr um
Die Polizei hat die Jakobstraße für die Demonstration abgesperrt. Autos werden umgeleitet und dürfen ausnahmsweise zwischen Arnulfs- und Bismarckplatz fahren. Die Aktivisten gestalten indes ein buntes Rahmenprogramm, ein Chor tritt auf, es gibt Essen und es wird über die Klimakrise diskutiert.
Stippvisite am frühen Samstagabend. Die Sonne brennt vom Himmel. Klimaaktivist Simon Lachner lehnt im Schatten am Jakobstor und arbeitet an seinem Laptop. Bisher sei es ganz schön, man habe Glück mit dem Wetter gehabt, sagt er, ehe er von zwei jungen Erwachsenen mit Boxerschnitt angepöbelt wird. Die wollen wissen, ob die Aktivisten Bock auf Stress haben. Die Protestierenden bleiben gelassen.
„Wegen euch kann ich nicht zu meiner Garage am Arnulfsplatz.“ Lachner weist auf die Umleitung hin, worauf sich die jungen Erwachsenen verziehen. „Natürlich gibt es auch negative Rückmeldungen“, sagt Lachner. Eine junge Frau fährt mit dem Rad vorbei und bleibt kurz stehen. „Danke für euren Protest.“ Lachner: „Aber wir erfahren auch viel Solidarität.“ Auch von den Anwohnern. „Einer bringt uns gleich Kaffee vorbei.“ Angst vor der Nacht habe er nicht, sagt Lachner. Er sei mit einem Zelt und einem Schlafsack ausgestattet.
„Bunt und friedlich“: Letzte Generation zieht positives Fazit nach Protest in Regensburg
Kleiner Zeitsprung: Etwa 17 Stunden später räumt Lachner gegen 11.30 Uhr gerade seine Tasche von der Straße. Ganz so ruhig sei die Nacht nicht gewesen, sagt er. Gegen 2 Uhr seien Betrunkene vorbeigezogen. Da habe es schon Stress gegeben, auch zwei Flaschen seien geflogen. Aber es sei alles glimpflich ausgegangen.
Langsam packen die Aktivisten zusammen. Ronja Künkler läuft barfuß über die mit Kreide bemalte Jakobstraße. Die Aktivisten haben sich hier mit ihrem Namen verewigt. Der Protest sei auf jeden Fall erfolgreich gewesen. „Es war bunt, es war friedlich, wir hatten ganz viele nette Gespräche.“ Auch Künkler erzählt von den Betrunken in der Nacht. „Aber ich glaube, wir konnten das deeskalieren.“ Grundsätzlich denke sie, dass ähnliche Aktionen wieder möglich sein könnten. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei war super entspannt.“
Apropos: Zwei Polizeibeamte rollten um kurz nach 12 Uhr mit einem Streifenwagen an. Da waren die Aktivisten schon längst wieder von der Straße.
