Immobilienpreise stabilisieren sich im Landkreis Schwandorf – Bauspardarlehen sind besonders gefragt

Der Traum von Wohneigentum scheint für viele unerreichbar. Inflation, steigende Zinsen und der Krieg in der Ukraine verunsichern die Menschen, in die eigenen vier Wände zu investieren.
Aber ist die Verunsicherung gerechtfertigt? Wie steht der Immobilien- und Wohnungsmarkt im Landkreis Schwandorf da? Werner Heß, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Schwandorf, und Erwin Bumberger, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LBS Süd, ordnen die Situation im Landkreis ein.
Die in den vergangenen Jahren gestiegenen Zinsen schreckten die Menschen ab. Doch der Zinsgipfel scheint zu Beginn des Jahres überschritten. So berichtete es Erwin Bumberger. Damit scheinen die Aussichten für Immobilienfinanzierungen wieder leicht aufgehellt. Er räumt aber ein, dass das „immer noch vergleichsweise hohe Zinsniveau den Kreis der potenziellen Immobilienkäufer“ einschränke. Zuletzt betrugen die Zinsen bei der Immobilienfinanzierung 2023 drei Prozent. Mittlerweile sind sie ein Stück auf 2,5 Prozent gesunken.
Interesse immer noch groß
Vor allem 2020 war eines der Jahre mit den niedrigsten Zinsen und den günstigsten Immobilienpreisen in den vergangenen zehn Jahren. Die Preise gingen laut Bumberger um durchschnittlich 15 Prozent nach unten, teilweise sogar um 30 Prozent bei Objekten mit schlechter Lage oder die einer energetischen Sanierung bedürfen.
Das Interesse an Eigenheimen sei in der Region nach wie vor groß. „Um die 72 Prozent der Menschen halten Wohneigentum für die beste Geldanlage“, berichtete der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der LBS Süd. Der Blick auf Bundesebene zeigt, dass etwa 48 Prozent der Menschen in Deutschland über Wohneigentum verfügen. In Bayern sind es 49 Prozent. Etwa 60 Prozent der Menschen im ländlichen Bereich wohnen in den eigenen vier Wänden.
Vor allem der Druck auf den Wohnungsmarkt bewege Menschen dazu, Wohneigentum zu kaufen. Laut der Prognose des Landesamts für Statistik wird die Bevölkerungszahl 2042 im Landkreis Schwandorf bei etwa 161.600 Menschen liegen. Das entspricht einem Wachstum von rund sieben Prozent. Damit einher gehen Mietpreissteigerungen. Diese wiederum gestalten die Mietrendite attraktiver.
Nur gibt es auch ein Dilemma: Um den Bedarf an Wohnungen in Bayern zu decken, müssten jährlich 70.000 Neuwohnungen errichtet werden. Die Realität zeigt, dass pro Jahr nur um die 60.000 Wohnungen gebaut werden. „Eine wesentliche Steigerung ist nicht zu erwarten, im Gegenteil“, erklärte Bumberger.
Länger in der Sparphase bleiben
Das zeigt sich auch im Landkreis Schwandorf. Heß berichtete, dass das Volumen der Immobilientransaktionen im vergangenen Jahr 288 MillionenEuro betrugen. Im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag der Wert bei 328 Millionen Euro. „Diese Entwicklung zeigt die Beruhigung auf dem Immobilienmarkt nach einer Dekade sehr starken Wachstums“, sagte Heß.Trotzdem wurden 2023 im Landkreis 91 Objekte vermittelt. Der Wert der Kaufobjekte liegt zusammengerechnet nur knapp unter der 25 Millionen Euro-Marke. Die Darlehenszusagen für Baufinanzierungen, so Heß, beliefen sich auf 81.181.000 Euro. Er gibt aber zu Bedenken, dass die Bauanträge dieser Immobilien aus den Jahren 2021 und 2022 stammen. Beide Jahre waren hinsichtlich der Bauanträge gute Jahre. Derzeit gebe es einen Rückgang um 20 Prozent.
Liegt das wohl an der Finanzierung? Heß berichtet von Gesprächen mit Kunden, denen er oft raten musste, noch länger in der Sparphase zu bleiben, um eine langfristige Finanzierung zu ermöglichen. Um die 20 Prozent Eigenkapital sieht er als solide Basis für die Finanzierung.
Besonders attraktiv seien derzeit im aktuellen Zinsumfeld Bauspardarlehen. Bumberger bestätigte, dass das Bauspardarlehen wieder gefragter wird. Im vergangenen Jahr wurden etwa 1,2 MilliardenEuro davon ausgegeben. Vor allem werden die Auszahlungen aus Bausparverträgen für energetische Sanierungen eingesetzt.
Konsumverzicht ein Problem
Vor allem gebe es aber Konflikte zwischen den Wünschen der Kunden und den Immobilien, die sie sich leisten könnten. Bumberger stimmt der Beobachtung zu: „Bei vielen ist der Konsumverzicht beim Hauskauf ein Problem.“ Es gehe halt nicht immer alles. Heß glaubt, dass es einfach einer Umgewöhnung bei den Kunden bedürfe.
Aber nun die Fakten auf den Tisch. Wo liegen derzeit die Preise im Landkreis für Immobilien? Heß gibt eine Übersicht. Der Marktspiegel der Sparkassen-Finanzgruppe ergibt, dass Baugrundstücke in der Region zwischen 40 und 320 Euro pro Quadratmeter kosten. Doppelhaushälften und Reihenhäuser sind für 320.000 bis 500.000 Euro zu haben. Für eine neue Eigentumswohnung müssen pro Quadratmeter zwischen 3200 bis 4200 Euro berappt werden.
Gebrauchte freistehende Häuser kosten zwischen 180.000 und 650.000 Euro. Gebrauchte Doppelhaushälften und Reihenhäuser sind für 200.000 bis 430.000Euro zu haben. Für 1900 bis 3700 Euro pro Quadratmeter kann eine gebrauchte Eigentumswohnung erstanden werden.