Nach langer Durststrecke: Es gibt wieder Bier, gebraut in Burglengenfeld

Dass es in einer Stadt wie Burglengenfeld, die berühmt ist für ihre ausgeprägte Lust zu feiern, seit 20Jahren keine eigenständige Brauerei mehr gibt, ist eigentlich kaum zu begreifen. Ein Trio aus dem Quartier Augustenhof hat sich heuer allerdings ans Werk gemacht, diesen Makel zu beheben – wenn auch in bescheidenem Umfang.
Die Rede ist von Roland Pirkenseer (40) und seiner Frau Stefanie (36) sowie ihrem gemeinsamen Freund Markus Wein (43). Die bekennenden Biergenießer haben sich in die Materie des Brauens hineingefuchst und über viele Monate erfolgreich experimentiert. Vorläufiger Höhepunkt: Die Anmeldung eines Kleingewerbes zum 1. April.
Alle zwei Wochen brodelt es im Bottich
Alle zwei Wochen wird seitdem im Braukeller in der Puccinistraße ein 100 Liter fassender Edelstahl-Bottich mit geschrotetem Malz und Wasser befüllt, um die Zutaten unter ständigem Rühren zu erhitzen. Bis alle weiteren Schritte (Läutern und Kochen, Beigabe von Hopfen und Hefe, Abkühlung und Umfüllen in das Gärfass) vollzogen sind, dauert es viele Stunden, zumal der Prozess am selben Tag wiederholt wird. Denn das Trio gibt sich nicht mit einer Sorte zufrieden.
„Wir lieben die Vielfalt!“, ist das Credo, und so haben die Bierfreunde schon sechs Kreationen im Angebot: Neben den Klassikern Helles und Kellerbier sowie Pils und Weizen auch Roggen und Rotbier, das seine Farbe von Melanoidinmalz erhält. Auf diversen Wegen, unter anderem am Wochenmarkt in Burglengenfeld sowie in den Metzgereien Schneider und Wilhelm (Teublitz), werden die Produkte feilgeboten. Die Nachfrage ist schnell gewachsen.
Einem Schlüsselerlebnis folgt Kurs bei der VHS
Rückblende: Im Laufe der Zeit entwickelten Roland Pirkenseer und Markus Wein ein feines Gespür dafür, Gerstensaft zu unterscheiden und qualitativ einzuordnen. Als die beiden Männer vor geraumer Zeit bei einem Bekannten die Gelegenheit haben, Selbstgebrautes zu kosten, ist das für sie wie eine Offenbarung: „Das Bier war das Beste seit langem!“ Was lag also näher, als sich mit dem Thema selbst intensiver zu beschäftigen?
Welche Rolle einheimisches Bier einmal in Burglengenfeld gespielt hat, ist heute noch in der Kellergasse zu sehen. Dort befinden sich Dutzende historischer Lagerräume. Ein Teil davon sorgte kürzlich für Schlagzeilen. Den Text dazu lesen Sie hier.
2022 buchen Pirkenseer und Wein in Schwandorf einen Volkshochschulkurs im Brauen. Lehrer im Felsenkeller ist der Meister einer renommierten Brauerei aus dem nördlichen Kreis Regensburg. Das Ergebnis des Grundkurses macht Lust auf mehr. Nun will auch Stefanie Pirkenseer mitmischen. In einem 35-Liter-Topf wird auf Basis eines Kellerbier-Rezepts der erste Sud angesetzt. Außerdem geben die Freunde ihrem Produkt einen unverwechselbaren Namen: Sie taufen das Bier Augustenhofer.
Aus dem reinen Hobby wurde mehr
Auch ein Logo will entworfen sein: In der Mitte eines mehrfarbig umrandeten, weißen Ovals sind in barocken Lettern der Name des Biers, die Sorte und ein Werbeslogan abgedruckt: „So muss ein Bier schmecken!“ Darüber ist ein stilisierter Turm des Burglengenfelder Wahrzeichens zu sehen, darunter, zwischen zwei Ähren, eine Hopfendolde.
Süße Beeren sind jetzt reif für die Ernte. Auf dem Mulzerhof in Naabsiegenhofen (Stadt Schwandorf) hat die Hochsaison begonnen. MZ-Reporter Hubert Heinzl hat kürzlich über den Betrieb berichtet. Den Text dazu finden Sie hier.
2023 wurden die Erzeugnisse immer öfter im Freundes- und Bekanntenkreis kredenzt. Lob war dem Trio sicher. Und plötzlich war die Idee geboren, das Hobby auszubauen und in kleinerem Umfang gewerbsmäßig zu betreiben.
Für die Bierfreunde wurde dieser Gedanke allerdings fast zum Scheideweg. Roland Pirkenseer behagte er nämlich nicht. Er fürchtete, das Steckenpferd könnte in Stress ausarten. Weil Markus Wein das Projekt alleine auch nicht stemmen wollte, drohte es zu scheitern. Da sprang Stefanie Pirkenseer in die Bresche und wurde Mitgesellschafterin.
Schwierige Suche nach gemeinsamen Zeitfenstern
Das Kleingewerbe steht also auf vier Beinen – und wird weiter von Roland Pirkenseer unterstützt. Der Braukeller befindet sich auch im Anwesen der Pirkenseers, das sie vor wenigen Jahren im Schweiße ihres Angesichts gebaut haben.
Die kontinuierliche Produktion des Augustenhofers ist für alle Beteiligten eine Herausforderung. Sie beginnt schon bei der Suche nach gemeinsamen Freiräumen, die die Berufe zulassen. Nicht nur die Prozesse des Brauens gilt es unter einen Hut zu bringen. Es geht auch um die Beschaffung der Rohstoffe sowie die Lagerung, den Vertrieb sowie die Organisation des Leerguts.
Gute Gründe für den stattlichen Preis
Viele Flaschen, so berichtet das Trio, werden nicht zurückgegeben; insofern braucht es immer Nachschub. Und die Flaschen, die wieder eintreffen, gilt es professionell zu reinigen. Diesbezüglich ist es gelungen, mit einer Brauerei aus der Region zu kooperieren.
Der Sechser-Pack Augustenhofer kostet zehn Euro, der Neuner-Kasten 15 – unterm Strich ist das Bier aus der Puccinistraße also spürbar teurer als Handelsübliches aus dem Getränkemarkt. Die Brauer wissen dies aber zu rechtfertigen, etwa durch ihre Einkaufspreise, die um ein Vielfaches höher liegen als für die Platzhirsche am Markt. Wenn sie auch noch den zeitlichen Aufwand fürs Abfüllen, Verkorken und Bekleben mit einbeziehen, möchten sie den Stundenlohn lieber gar nicht ausrechnen.
Wo geht die Reise noch hin?
Wie auch immer: Wer schon Augustenhofer gekostet hat, kauft es gern wieder, und Mundpropaganda tut ihr Übriges zum Erfolg. Die derzeitigen Rahmenbedingungen lassen allerdings nur noch eine leichte Expansion zu, berichten die Braumeister. In der Theorie kann sich Markus Wein zwar doch noch deutlich mehr vorstellen. Der nächste Schritt wäre aber ein riesiger – und mit entsprechendem Risiko verbunden.
Bierbäuche sucht man übrigens bei den Schöpfern des Augustenhofers vergeblich. Alle wissen, wie man sich durch Sport in Form hält. Markus Wein und Roland Pirkenseer haben darüber hinaus in der Pandemie ein Ritual entwickelt, an dem sie bis heute festhalten: Einmal die Woche schnüren sie, auch im Winter, die Stiefel und marschieren von Wölland in die Altstadt und zurück. Natürlich haben sie in ihren Rücksäcken stets flüssigen Proviant dabei. Die Tour, so sagen sie, sei allemal unterhaltsamer als ein Fernsehabend auf der Couch.
Stolze Tradition und drakonische Strafen
Zum Finale ein Blick in die Heimatchronik: Mit der Stadtrechtsverleihung 1542 durch die Pfalzgrafen Ottheinrich und Philipp wurden in „Lengenfeld“ Privilegien erneuert – kommunale Brauereien entstanden. Im 16. Jahrhundert gab es 103 Brauberechtigte. Flurnamen wie Hopfenröthe sind bis heute Zeugen der Zeit.
Mit Bierpanschern ging die Gerichtsbarkeit seit Einführung des Reinheitsgebots immer hart ins Gericht. Bei einem Prozess in Regensburg 1884 wurden auch mehrere Burglengenfelder zu Gefängnis- und Geldstrafen verurteilt.
Insgesamt gab es in Burglengenfeld einst zwölf Brauereien beziehungsweise Brauhäuser, berichtete der unvergessene Heimatpfleger Günther Plößl in seinen Führungen. Mit der Brauerei Birkenseer hat schließlich auch die letzte Braustätte vor rund 20 Jahren den Betrieb eingestellt. Das Bier wird allerdings weiterhin durch die Brauerei Naabeck hergestellt.
