Investor hat große Pläne für Burglengenfelder Bierkeller – aber die Nachbarn sind skeptisch

Die Bierkelleranlage in der Kellergasse in Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf soll nach längerem Stillstand doch bald wieder eine Aufwertung erfahren. Der Unternehmer Christian Kühlinger (40) hat drei der unter Schutz stehenden Lager erworben und möchte daraus einen Anziehungspunkt zum Beispiel für Freunde von Lesungen, Weinverkostungen oder Geburtstagsfeiern machen. Eines der Probleme: Nicht jeder findet das toll.
Kühlinger, Geschäftsführer einer Firma, die sich auf Gerüstbau spezialisiert hat, ist kreativ und sucht immer wieder eine neue Herausforderung. Als eine Hoteliersfamilie vor wenigen Jahren ihre Bierkeller am Beginn der Anlage zum Verkauf ausschrieb, weckte das bei ihm Interesse. Relativ spontan, so berichtet der Geschäftsmann, habe er sich zum Kauf entschlossen – ohne eine konkrete Idee für die Nutzung gehabt zu haben.
Im Laufe der Zeit sei ihm dafür umso mehr eingefallen. Theoretisch seien die Räumlichkeiten, die sich auf einer Ebene immerhin über rund 400Quadratmeter erstreckten, für Veranstaltungen verschiedenster Art zu gebrauchen, meint Kühlinger. Allerdings ist er sich auch darüber im Klaren, dass die äußeren Rahmenbedingungen so manchen Plan durchkreuzen könnten. Die Kellergasse ist schmal, Stellplätze sind rar – und dann sind da ja auch noch skeptische Nachbarn.
Investor: Noch immer in der Findungsphase
Schnell soll sich in der Kellergasse das Gerücht verbreitet haben, Kühlinger und seine Frau, bekannt durch ihr Modegeschäft Brautwerk, planten eine „Eventlocation“, die jedes Wochenende Menschen anziehen solle. Kühlinger versucht, die Gemüter zu beruhigen. Er betont, er habe kein Interesse, Unruhe zu erzeugen oder gar Unfrieden zu stiften. Letztlich sei auch überhaupt noch nicht fix, wohin genau die Reise gehen werde. Man stecke noch immer „mitten in der Findungsphase“.
Grundsätzlich aber sei der Gegenwind bedauerlich, findet Kühlinger. Manche Zeitgenossen hätten zu große Angst vor Veränderungen und lehnten daher alles ab, was neu sei. Dabei sollten sie sich doch freuen, dass historisches Gemäuer vor weiterem Verfall gerettet – und einer sinnvollen Nutzung zugeführt – werde.
2021 wurde bekannt, dass die Stadt einen weiteren Keller der Anlage erwerben konnte. Mehr dazu lesen Sie hier. Bis heute ist zwar nicht mehr viel geschehen, doch Stadtbaumeister Franz Haneder versichert, das Objekt in absehbarer Zeit für Haushaltsberatungen anzumelden. Vorher müsse das Projekt Fronfeste abgeschlossen werden.
Bereits Anfang des Jahres 2023 hatte die Stadtverwaltung Kühlinger die Entfernung aller Bäume, die auf dem Gewölbe der erworbenen Keller stehen, genehmigt. Als Auflage wurde nach Mitteilung des Landratsamts Schwandorf mit aufgenommen, „dass naturschutzrechtliche Belange zu beachten sind“. Die Untere Naturschutzbehörde sei allerdings nicht informiert worden. Auch eine artenschutzrechtliche Beurteilung habe nicht stattgefunden, räumte Pressesprecher Hans Prechtl ein.
Nachbarn beklagen Rücksichtslosigkeit gegen Tiere
Genau solche Dinge sind es, die Nachbarn auf die Palme bringen. Sie berichteten der Redaktion über Rodungen, die auch nach Beginn der Vogelschutzzeit Anfang März ungeniert fortgesetzt worden seien. Dabei sei der Grünzug in der Kellergasse bekannt für besonderen Artenreichtum. Und die Gewölbe dienten Fledermäusen als Refugium. Die seltenen Tiere seien vermutlich platt gemacht worden, fürchtet ein Anlieger.
Kühlinger widerspricht. Er sei doch kein Rambo und Ignorant. Natürlich habe er im Vorgriff nach Fledermäusen Ausschau gehalten, aber keine entdeckt. Was die Beseitigung der Bäume angeht, so verweist er auf das grüne Licht aus dem Rathaus.
Gespräche mit der Denkmalpflege bisher positiv
Weil die Bierkeller ein besonderes Ensemble darstellen, hat auch der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Kühlinger berichtet von fruchtbaren Gesprächen mit dem Referenten des Landesamts (LfD), Raimund Karl. Wider Erwarten habe dieser sich sehr aufgeschlossen gezeigt und in der geplanten „baulichen Modifizierung“ kein größeres Problem gesehen.
Seitens der Stadt gebe es indes größere Vorbehalte, berichtet Kühlinger – wegen der Zufahrt und der Parkplätze. Nichtsdestotrotz dürften die Pläne in einem Vierteljahr soweit gediehen sein, dass eine Voranfrage eingereicht werden könne.
Behörden dringen auf Vermeidung weiterer Schäden
Das Landratsamt verfolgt das Geschehen ebenfalls aufmerksam. 2023 wurde es vom Investor darüber informiert, dass beim Entfernen zweier Wurzelstöcke beim mittleren Keller die bereits vorgeschädigte vordere Mauer weiter eingestürzt sei. Das Gewölbe sollte daraufhin nach Rücksprache mit einem Tragwerksplaner abgestützt werden. Die Kreisverwaltung erklärte sich damit im September einverstanden, ebenso mit der weiteren Beseitigung von Wurzeln. Allerdings mahnte die Behörde den sorgsamen Umgang mit sämtlichen Bauteilen der Kelleranlage an, so dass keine weitere Schädigung zu erwarten sei.
Wenig später folgte eine ähnlich Ansage des LfD. Aufgrund der geringen Überdeckung des Bruchstein-Gewölbes sei nicht irgendein Statiker zurate zu ziehen, sondern einer, der mit solchen Bauwerken Erfahrung habe.
Unternehmer räumt ein: Das Risiko ist groß
Kühlinger versichert, gewissenhaft vorgehen zu wollen. Auch ihm gehe es darum, die Keller zu bewahren. Weshalb hätte er sie sonst erwerben wollen? Mit der Investition sei ein nicht zu unterschätzendes Risiko verbunden. Niemand könne mit Gewissheit vorhersagen, wie teuer die Sanierung werde und ob die Nutzungen, welcher Art auch immer, funktionierten. Unterm Strich gehe es ihm an dieser Stelle aber nicht so sehr um wirtschaftlichen Erfolg. Das Projekt laufe als Hobby-Maßnahme.
