Süße Beeren sind jetzt reif zur Ernte: Auf dem Mulzerhof hat die Hochsaison begonnen

Den Mulzerhof in Naabsiegenhofen gibt es schon seit dem 17. Jahrhundert. Früher betrieb man dort Schweinehaltung und Bullenmast. Doch schon vor mehr als 20 Jahren haben Peter und Rita Mulzer eine neue Tradition begründet – den Beerenanbau. Nun kann die Familie die Ernte einbringen. Auf dem Hof werden gerade die Himbeeren und Heidelbeeren reif. Die Sträucher sind stetig gewachsen – so wie das Geschäft.
Die Idee, mit den Beeren eine neue Marktnische zu besetzen, brachte Rita Mulzer von einem Praktikum aus den USA mit. Dort kommen die Kulturheidelbeeren eigentlich her, und dort werden sie schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts erwerbsmäßig angebaut. Die ersten Gehversuche starteten die Mulzers 2001. Die Himbeere, die in den heimischen Gärten schon seit jeher kultiviert wird, kam wenige Jahre später dazu.
Als „Superfood“ geschätzt
Viele der Heidelbeersträucher stammen noch aus der Anfangszeit, erzählt Peter Mulzer bei einer kurzen Rundfahrt. Mit dem Golf-Cart geht es auf rumpeligen Wegen zur allerersten Pflanzung hinab ins Naabtal. Ein Schutznetz sorgt dafür, dass die Ernte nicht verhagelt oder von Vögeln angefressen wird. Über 20 Jahre alt sind die Sträucher und biegen sich immer noch unter der Last der Heidelbeeren – die einen schon voll ausgereift, die anderen im dezenten Grünton.
Die Anfänge waren nicht leicht, denn früher waren Kulturheidelbeeren in Europa „noch weniger bekannt und schwieriger zu vermarkten“, wie Rita Mulzer erzählt. Heute schätzten die Verbraucher die blauen Beeren dagegen als gesundes „Superfood“, das das Immunsystem stärken und das Krebsrisiko mindern soll. Mit dem Interesse der Kunden nahm auch die Anbaufläche bei den Mulzers zu.
Inzwischen werden in Naabsiegenhofen auf etwa einem Hektar Heidelbeeren, auf einem halben Hektar Himbeeren kultiviert. Der Gesamtertrag summiert sich „in guten Jahren auf mehrere tausend Kilo“, so Peter Mulzer. Gepflückt werden die Beeren noch immer per Hand, von polnischen Saisonarbeitern, die schon seit Jahren auf den Hof kommen und dort auch wohnen. Gezahlt wird nach deutschen Tarifen, versteht sich.
Vom Strauch wandern die Beeren direkt in den eigenen Hofladen, wo sie fast ausschließlich erhältlich sind. „Die brocken die Beeren in der Früh’, und verkauft werden sie noch am selben Tag“, sagt Rita Mulzer, die auch das Prinzip der Direktvermarktung auf den Hof gebracht hat. Stolz ist sie auf Stammkunden, die dem Betrieb schon seit über 20 Jahren die Treue halten, und auf das Einzugsgebiet. Sogar aus Nürnberg kommen inzwischen die Leute, um sich mit frischer Ware einzudecken.
Bei den Heidelbeeren können sie unter zehn verschiedenen Sorten wählen, bei den Himbeeren setzen die Mulzers voll auf den Klassiker „Glen Ample“, der stachellos wächst und daher auch im größeren Maßstab gut zu ernten ist. Darüberhinaus gibt es im Hofladen auch selbst eingekochte Marmeladen sowie andere Produkte wie Beerenweine, Nektar oder Kräutertees, die allerdings zugekauft werden.
Gearbeitet wird bei den Mulzers natürlich nicht nur in der Hauptsaison im Hochsommer, sondern im Grunde genommen immer. Die Himbeeren werden wegen der Anfälligkeit für Krankheiten jedes Jahr neu gepflanzt und im Frühsommer per Hand beschnitten. Nach der Ernte werden die Sträucher als Mulch auf die Felder ausgebracht.
Und auch die Heidelbeer-Kulturen müssen regelmäßig in Form gebracht werden, damit am Ende die Erträge stimmen. Und wenn gerade mal Luft ist, kommen auch noch Reisegruppen für einen Zwischenstopp nach Naabsiegenhofen, um sich durch den Betrieb führen zu lassen.
Nur das Gießen müssen die Mulzers nicht selbst erledigen – und das nicht etwa deshalb, weil es in den vergangenen Monaten überdurchschnittlich viel geregnet hat. Denn die Beeren-Bauern sind unabhängig vom Auf und Ab der Wetter-Kapriolen. In zwei Zisternen mit einem Fassungsvermögen von jeweils 100000 Litern wird das Regenwasser aufgefangen, und wenn sie im Laufe der Zeit gefüllt sind, reicht der Vorrat für ein ganzes Jahr. Heuer war es schon im Februar soweit.
Tröpfchen für Tröpfchen
Von den beiden Tanks wandert das Wasser in Leitungen durch die gesamten Anbauflächen. Alle etwa 1750 Sträucher können so, Tröpfchen für Tröpfchen, kontinuierlich versorgt werden. Bei Bedarf wird über eine kleine Schaltzentrale auch noch Dünger zugegeben. „Wir setzen auf Nachhaltigkeit“, sagt Peter Mulzer dazu.
Mit dem Wetter in diesem Jahr ist das Landwirts-Ehepaar zufrieden. Die Mulzers erwarten nach eigenen Worten „eine gute Ernte“. Anhaltender Regen sollte in den kommenden Wochen aber nicht mehr fallen, sonst könnte es noch Einbußen geben. Zuviel Hitze in der Erntezeit ist aber auch wieder nicht das Rechte, denn dann bekomme das Beerenobst einen Sonnenbrand. „Das gibt weiße Flecken, und man muss aussortieren“, sagt Peter Mulzer. Sie sind halt richtige Früchtchen, diese Beeren.
Mit Ware aus dem Supermarkt, versichern die Mulzers, haben ihre Erzeugnisse übrigens wenig gemein. „Wir lassen die Früchte ausreifen, bis sie ihr volles Aroma haben. Dann werden sie frisch verkauft. Heidelbeeren aus dem Supermarkt können schon mal deutlich älter sein.“


