Auch in Regensburg gibt’s bald einen Naschmarkt – aber anders als in Wien

Von Rainer Wendl · 2. Juli 2024 um 09:00

In der Goliathstraße wird ein Leerstand gefüllt, der Name ist berühmt. Was hat es mit dem Naschmarkt in Regensburg auf sich?

In Wien kommt kein Tourist an einem Besuch des Naschmarkts vorbei, der längst zu einer beliebten Sehenswürdigkeit der österreichischen Hauptstadt geworden ist. In der Regensburger Goliathstraße wird es bald ebenfalls einen Naschmarkt geben. In Sachen Konzept ist dieser zwar nicht mit seinem berühmten Wiener Namensvetter zu vergleichen – doch dank der Lage zwischen den Publikumsmagneten Steinerne Brücke, Wurstkuchl, Porta Praetoria und Altes Rathaus wird auch hier für reichlich touristische Laufkundschaft gesorgt sein.

Bislang kündet nur ein großes Plakat im Schaufenster von der Neuerung in dem Laden, wo bis vor wenigen Monaten über 30 Jahre lang das Fachgeschäft „Die Reisetasche“ zu finden war. „Wir eröffnen am 1. August oder 1. September. Das hängt davon ab, wann wir mit dem Umbau fertig sind“, sagt Hans Seidl, Geschäftsführer von Seidl Confiserie.

Naschmarkt in Regensburg: „Wir wollen was Neues ausprobieren“

Das 1988 gegründete Unternehmen hat seinen Sitz in Laaber und ist bekannt für seine Pralinen und andere süße Spezialitäten, zu den Großkunden gehört unter anderem Lufthansa. Was künftig in dem 110 Quadratmeter großen Laden in der Goliathstraße zu erwarten ist, lässt Seidl noch offen: „ Ein paar Spinnereien umsetzen, einfach anders sein als andere.“

Für seine Mitarbeiter – so lässt der Chef durchblicken – sei es in erster Linie wichtig gewesen, dass in der Innenstadt keine Konkurrenz zum großen, direkt an der A3-Ausfahrt Laaber gelegenen Fabrikverkauf entsteht. „Deshalb werden wir im Naschmarkt kleinere Packeinheiten anbieten. Aber das versteht sich eh von selbst. Bei einer Stadtführung will ja keiner eine riesige Tüte Pralinen mitschleppen“, so Seidl.

Stark gestiegener Kakao-Preis

Persönlich liegt ihm am Herzen, an dem neuen Standort die Popularität von Schoko-Erzeugnissen ohne Kakao zu steigern. Seidl Confiserie setzt schon seit längerer Zeit auf diese alternative Produktionsweise, auch als Reaktion auf den stark gestiegenen Kakao-Preis. Seidl selbst ist in Regensburg alles andere als ein Unbekannter: Als früheres Vorstandsmitglied und langjähriger Investor hat der Fußball-Liebhaber die positive Entwicklung des SSV Jahn mitgestaltet.

Und was verrät die Neueröffnung über die Entwicklung der Altstadt? „Essen und Trinken geht immer“, sagt Armin Gebhard. Der meinungsstarke Vorsitzende des Vereins Regensburger Kaufleute hat seine beiden Bekleidungsgeschäfte in unmittelbarer Nähe des künftigen Naschmarkts und sieht sich in der Ansicht bestätigt, dass es der klassische Fach-Einzelhandel im Stadtzentrum zunehmend schwer hat. Andererseits betont er: „Es ist immer erfreulich, wenn ein Leerstand verschwindet. In diesem Fall sogar durch ein inhabergeführtes Unternehmen aus der Region. Das wird sicher ein schönes Geschäft.“