Keil am Regensburger Haidplatz: Das älteste Geschäft der Stadt ist dicht

Von Rainer Wendl · 28. Februar 2024 um 15:00

Im Schaufenster und in der Eingangstür von Stahlwaren Keil am Regensburger Haidplatz hängen graue Plastik-Planen – sie künden vom Ende einer 218-jährigen Tradition.

So unterschiedlich können Abschiede aussehen: Wer dieser Tage durch die Goliathstraße schlendert, wird beim Fachgeschäft „Die Reisetasche“ durch ein farbenfrohes Schild im Schaufenster über die bevorstehende Schließung im April informiert. Nach 32Jahren, wie auf dem leuchtend roten, mit gelben Schmetterlingen verzierten Plakat zu lesen ist.

500 Meter weiter westwärts, am Haidplatz, irritiert eine graue Plastikplane in der Auslage von Stahlwaren Keil. Die Geschichte dieses Betriebs zählt stolze 218 Jahre – jetzt ist sie offenbar heimlich, still und leise zu Ende gegangen.

Denn nicht nur das Fenster am Haidplatz, sondern auch das zur Weingasse hin ist verhangen. Gleiches gilt für die Eingangstür, die links vom Eingangsportal zum Thon-Dittmer-Palais liegt: Die graue Folie lässt keinen Blick in das Geschäft zu, einen Hinweis zum Grund und zur Dauer der Schließung suchen Kunden vergebens.

Schwierige Spurensuche

Handelt es sich nur um eine Renovierung oder ist das abgesehen von der Engel-Apotheke älteste noch am Original-Standort bestehende Geschäft der Stadt für immer dicht? Eine Antwort gibt es vom Vermieter, das ist die Stadt Regensburg als Eigentümerin des Thon-Dittmer-Palais’: „Stahlwaren Keil ist nicht mehr Mieter. Die Räume der Liegenschaft stehen seit 5. Februar leer“, lautet die Auskunft.

Die weitere Spurensuche gestaltet sich schwierig. Ein Anruf im Geschäft mündet in die automatische Ansage „Die Nummer ist nicht vergeben“, Anfragen per E-Mail oder Internet-Kontaktformular kommen postwendend als „unzustellbar“ zurück, die Homepage ist allem Anschein nach seit Langem nicht mehr aktualisiert worden. Firmenchef Andreas Hartmann hat folglich nichts Falsches erzählt, als er in einem MZ-Porträt vom Herbst 2021 seine Aversion gegen moderne Kommunikationsmittel zum Ausdruck gebracht hat.

So kann auch die Stadt nicht mehr weiterhelfen. Es sei nicht bekannt, „ob beziehungsweise wo der ehemalige Ladeninhaber seine Geschäfte weiterführt“.

Selbst Regensburgs bekanntester Messerschmiedemeister August Birzer aus dem Taubengässchen weiß nichts Genaueres: „Ich habe da schon lange keine Verbindung mehr. Obwohl der Haidplatz nicht weit von mir weg ist, komme ich nur selten in die Gegend rauf.“

Dass bei Mitbewerber Keil irgendetwas im Argen liegt, hat Birzer freilich schon registriert. So haben sich in den vergangenen Wochen Firmenvertreter fragend an ihn gewandt, weil sie am Haidplatz niemanden erreicht haben. Auch Kunden, die dort vor verschlossenen Türen standen, versuchten ihr Glück stattdessen im Taubengässchen.

Sanierung vor Neunutzung

„Die haben geglaubt, die beiden Geschäfte gehören zusammen“, schmunzelt Birzer. Die Wahrheit ist: Da vor einigen Jahren die Firma Krammer in der Kramgasse und nun auch Keil dichtgemacht haben, gibt es nur noch einen Messerschmied in der Altstadt. „Irgendwann werde ich auch zumachen“, sagt Birzer über sein 1828 gegründetes Familienunternehmen. „Aber die 200Jahre will ich auf jeden Fall noch vollmachen.“

Für die verwaisten Keil-Räumlichkeiten im Thon-Dittmer-Palais werden derweil von der Stadt verschiedene Nutzungsvarianten geprüft. Unabhängig davon sei nun jedoch erst einmal eine Sanierung erforderlich.