Zeugnisse erhalten: 85 Abiturienten des Robert-Schuman-Gymnasiums wurden verabschiedet

Erneut stand ein eingespieltes, charakteristisches Lied im Mittelpunkt der Abiturrede von Rudolf Zell, Schulleiter des Robert-Schuman-Gymnasiums, bei der Verabschiedung der Abiturienten am Freitagvormittag in der Stadthalle. Diesmal war es Georgio Moroders Olympiasong Reach Out. Auch wenn der Synthesizer-Sound und der treibende Rhythmus unweigerlich in die 80er Jahre weise, handle es sich doch um einen zeitlosen, ikonischen Song, der grundlegende Werte transportiere.
Zunächst hieß die stellvertretende Schulleiterin Sandra Wagner besonders alle Eltern willkommen. Deren Kinder bekämen nun mit der Überreichung der Reifezeugnisse zugleich die Freisprechung als selbstbestimmte Erwachsene: „Sie als Eltern haben alle Emotionen mit ihnen durchlebt.“ Neben den nachfolgenden Rednern begrüßte Wagner auch die Schulleiter benachbarter Schulen, den ehemaligen Schulleiter Günter Habel mit Gattin Christa und alle Kollegen, die ehemaligen einbegriffen.
Das Lied, so Schulleiter Zell in seiner Ansprache, gebe dem Leistungssportler den letzten Push mit, doch in den von Paul Engemann getexteten Worten „Reach out for the medal and give your all“ stecke auch Dynamik: als Motivationsprinzip, seine Träume nach langer Vorbereitung mit Beharrlichkeit, Ausdauer und Willenskraft in die Tat umzusetzen. Wie die Olympioniken hätten sich die Abiturienten für einen passenden Verein, das RSG, entschieden und sich im September 2016, aus unterschiedlichen Grundschulen kommend, auf ein gemeinsames Training eingelassen – mit gut passenden Plänen.
Durchschnittsnote 2,08
Denn er könne mit Stolz ein erfolgreiches Abschneiden verkünden: Bei einer Gesamtdurchschnittsnote von 2,08 erreichten 17 Absolventen das Ergebnis von 1,0 bis 1,5 – dabei sieben Mal die Traumnote 1,0 – und 40 Abiturienten blieben unter 2,0. Daher gratuliere er allen, dankte den Trainern, darunter Chefcoach Michael Wolfrum und den Eltern, die als Physiotherapeuten, Motivationscoaches, Orthopäden, Sponsoren und vieles mehr herhalten mussten.
Die Absolventen sollten nach ihrer Zukunft greifen. Schließlich müsse er, so Zell, auf die Liedzeile „You are standing on the edge of history“ verweisen. Das wirke, übertragen auf das aktuelle Weltgeschehen, fast bedrohlich: viele Kriege und bewaffnete Konflikte. Doch vielleicht stünden sie, die Abiturienten, auch im positiven Sinne am „Rande der Geschichte“ und hätten das richtige Rüstzeug bei Problemen – selbst wenn die Sterne wie im Vers „The stars are shining bright, make it yours tonight“ nicht immer hell leuchten: „Ihr könnt in eurem und im Leben anderer Menschen etwas bewegen.“
In seinem Grußwort gratulierte stellvertretender Landrat Sandro Bauer zum Erringen des bayerischen Abiturs. Er bat die Absolventen, die Heimat nicht zu vergessen. Es gebe im Landkreis drei freie Ausbildungsplätze pro Ausbildungsplatzsuchenden und in den letzten sieben Jahren sei das Arbeitsplatzangebot für jene nach einem Studium im akademischen Bereich um 67 Prozent auf mittlerweile 3100 gestiegen. Mit seiner Geschichte vom Holzfäller, der trotz größerer Anstrengung immer weniger Bäume zu Fall bringt, weil er keine Zeit hat, die Axt zu schärfen, verwies er auf die Bedeutung, sich ständig weiterzubilden und bereit zu sein für Neues.
Vergleiche zur Karriere der Popsängerin Leony
Bürgermeister Martin Stoiber zog Vergleiche zur Karriere der Popsängerin Leony aus Chammünster, die nach dem Abitur am RSG ihren Traum verwirklichen konnte, auch wenn der Weg nicht ganz gerade gewesen sei. Es gelte, Mut zu fassen zum Aufbau eines selbstbestimmten und glücklichen Lebens. Als Vertreter des Schumanisten-Fördervereins gab Chaitanya Joshi, der vor drei Jahren hier als Abiturient geredet hatte, in seinem Geleitwort den jungen Damen und Herren das lateinische Wort „tollere“ mit auf ihren Weg: nicht nur das Aufheben und Bewahren von Gelerntem aus dem Lehrplan, sondern vor allem von humanistischen Werten, die diese Schule so auszeichnen, wie etwa Menschlichkeit und Toleranz.
Der Elternbeiratsvorsitzende Christoph Dengler erzählte in seinem Geleit von einem Adler, der unter Hühnern aufwuchs und sein Leben akzeptierte, auch wenn er den großen Vogel am Himmel bewunderte: „Ihr seid alle als Adler geboren. Macht was aus eurem Leben!“
Die Feier wurde von den fast 20 Blasmusikern und Perkussionisten der Big Band der Schule unter Leitung von Florian Simmeth mit Songs von Pharrell Williams, ABBA, Adele und Frank umrahmt. Dabei verabschiedete der Orchesterleiter drei langjährige Mitglieder: die Trompeterinnen Anja Weinzierl und Amelie Wagner sowie den Saxophonisten Leo Meierhofer.
Mit humorvollen und launigen Erinnerungen beleuchteten Leander Schmidbauer und Marissa Kolbeck in ihren Abschiedsworten die Mühe, so eine Rede im Internet zu finden, als auch coole Momente im Schulleben: „Ihr lieben Lehrer habt es nicht immer leicht mit uns gehabt, wir aber auch nicht.“ So wurde das Schulzimmer schon mal zum Friseursalon, lernte man in Coronazeiten mangels sozialer Kontakte viel über sich selbst oder genoss man Dolce Vita bei der Abschlussfahrt in Italien.
Man werde sich spätestens bei der Besichtigung des im neuen Glanz erstrahlendem Schulhaus wiedersehen: „Aus iss und goar iss und schod – na, schee iss, dass woahr ies!“ Mit dem Mundartsong „Loan di o“ spielten Annika Schmidberger und Klara Schönberger zum Abschied ein anmutiges Ständchen und Schulleitung und Betreuer erhielten kleine Geschenke.
Diverse Preise verliehen
Oberstufenkoordinator Michael Wolfrum übernahm anschließend die Preis- und Zeugnisverteilung. Das Cambridge-Zertifikat CAE bekamen Ricarda Hamperl und Vanessa Vogl. Ehrenpreise in bestimmten Fächern in Form eines Buchpreises, einer Urkunde und der Mitgliedschaft in der Fachgesellschaft gab es für Elena Schwingl (Biologie), Katharina Lesch (Chemie), Annika Schmidberger und Elias Häusler (Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker), Martin Böhm, Johannes Hackl, Elias Häusler, Paula Heigl und Johannes Schwarzfischer (Latein), der auch eine goldene Ehrennadel des Altphilologenverbands erhielt, sowie Franziska Plattner (Mathematik). Sie wurde auch mit der Mitgliedschaft bei der Deutschen Physikalischen Gesellschaft geehrt, wie auch Johannes Schwarzfischer, dem zudem wie Sophia Baier der Ehrenpreis für Wirtschaft und Recht überreicht wurde.
Seit Bestehen der Schule wird ein Schuman-Preis verliehen. Ihn erhielt Leo Meierhofer für sein Engagement in zahlreichen schulischen Funktionen, sein besonnenes und sympathisches Auftreten, sein sportliches, musikalisches und schauspielerisches Talent und seinen Einsatz für andere wie etwa die Nachhilfe für einen Mitschüler der 10. Klasse jeden Mittwoch in der Freistunde.
Mit der Überreichung der Zeugnisse an die 85 Abiturienten und der Bayernhymne fand schließlich die Feierstunde ihren Abschluss.




