Sommerempfang: Die Zeitenwende fand in Cham zwischen Panzer und Schnitzel statt

Von Johannes Schiedermeier · 27. Juni 2024 um 17:00

Die Stadt Cham hatte noch nie Probleme mit ihrer Kaserne, den Soldaten oder Panzern auf dem Weg zum Bahnhof. Man wusste immer, was man aneinander hat. Deswegen hat die vielbeschworene Zeitenwende beim Sommerfest der Stadt und ihrer Panzerbrigade eigentlich nur eines gezeigt: Der Schulterschluss ist noch enger geworden.

Die vier Redner hatten unter dem Strich eine Forderung gemeinsam: Die vielzitierte Zeitenwende muss gelebt werden durch Umdenken, mehr Eigenverantwortung des einzelnen Bürgers und einer Wiederbelebung des Gedankens, dass der Einzelne auch dem Staat dienen muss.

„Wir fühlen uns zu Hause“

Und so waren die Sommerkleider zwischen dem Flecktarn und der gemeinsame Grillteller zwischen den Panzern in der Stadt Cham einen Abend lang etwas ganz Normales. Oberst Axel Hardt brachte es auf diesen Nenner: „Wir fühlen uns hier zu Hause! Sie stärken uns den Rücken und sind an unserer Seite, wenn wir sie brauchen, so wie wir an ihrer Seite sind, wenn Not am Mann ist.“

Der Kommandeur der Panzerbrigade 12 „Oberpfalz“ fand deutliche Worte: „Der Krieg ist zurück in Europa. Die propagierte Zeitenwende läuft – jetzt!“ Die Erwartungen an die Bundeswehr und speziell an die Brigade seien hoch. „Wir sollen das Rückgrat der Abschreckung in Europa werden. Wir müssen kriegstüchtig werden und das schnell.“ Dazu müsse man abschrecken und auf den Ernstfall vorbereitet sein.

Neben der Kampfbereitschaft bedürfe es dazu der Integraton der Bundeswehr in die Gesellschaft. Hier machte sich der Oberst die wenigsten Sorgen: „In 30 Dienstjahren habe ich eine so tiefe Integration nie erlebt, wie hier in der Panzerbrigade 12.“

Diese Erkenntnisse seien noch nicht bei allen angekommen. Denen sage er: Freiheit gibt es nicht umsonst — Freedom is not for free! Die Diskussion um die Reaktivierung der Wehrpflicht sei ein wichtiger Schritt: „Zeitenwende ist auch Erkenntniswende!“Es bedürfe einer zahlenmäßigen Ausweitung der Bundeswehr. Das Dienen in der Gemeinschaft müsse verstärkt werden. Das umfasse für ihn auch Polizei, Feuerwehr, THW oder Reservisten in der Bundeswehr. „Das ist für mich Dienen im ureigensten Sinn, einen Beitrag zu leisten für eine friedliche Gesellschaft mit der Waffe in der Hand bei der Bundeswehr oder mit der Pfeife im Mund auf dem Fußballplatz.“

Bürgermeister Martin Stoiber wünschte sich ein Übergreifen des Fußballfiebers auf die Gesellschaft. Nur so könne man die Herausforderungen der Zeit meistern. Stoiber zählte die Probleme der Wirtschaft und der Migration auf, de Herausforderungen des Klimawandels, der Staatsfinanzen und der Bürokratie auf. Die Menschen müssten die Vorteile der Demokratie wieder erkennen, selbstständiger werden und nicht immer nach Regulierung durch den Staat rufen.

Der Landkreis Cham wisse selbst am besten, was der Fall des Eisernen Vorhanges bedeutet habe. Heute sei man ein Aufsteiger-Landkreis in der Mitte Europas. „Demokratie und EU sind ein Geschenk“, so der Bürgermeister. Dann ging er auf die Lage der Stadt ein, die derzeit auf rund 20 Millionen Euro an Rücklagen blicken darf. Andererseits stehen für die Zukunft Investitionen in einer Gesamthöhe von rund 70 Millionen Euro an. Investionen beispielsweise in die Infrastruktur, in Bildung und Sicherheit seien einerseits nötig, um die Attraktivität Chams zu wahren, andererseits gehe es bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit um die Zukunft. Das hätten auch die vier Hochwasser seit Weihnachten gezeigt.

Regierungspräsident Walter Jonas hob die Bedeutung der Bundeswehr bei der Verteidigung hervor und im Katastrophenfall. Auch er betonte die neue Erkenntnislage: Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges hätten alle gehofft, dass damit die alten feindlichen Verhältnisse Vergangenheit seien. „Jetzt sehen wir, dass wir eine verteidigungsfähige Nation sein und um die Demokratie kämpfen müssen. “

„Der Gedanke, dem Land in verschiedensten Funktionen zu dienen, bis hinein ins Ehrenamt ist wieder wichtig“, so Jonas. Er befürwortete das Gesetz zur Förderung der Bundeswehr. „Jetzt müssen Taten folgen“, forderte der Regierungspräsident.

Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler griff Bürgermeister Stoibers Gedanken von der EM-Euphorie auf. Es sei sensationell, dass der EM-Song von einer Chamerin komme. Es sei wichtig, dass die Menschen sich mit ihrem Land identifizieren und erkennen, in welchem Wohlstand sie leben. „Das schärft den Blick für das Wesentliche. Wer hätte gedacht, dass hier noch einmal jemand Wehrfähigkeit fordern würde?“, so Löffler.

Ganz neue Fragen

Die Menschen hätten sich an Frieden in Freiheit gewöhnt und müssten jetzt erkennen, dass das Gleichgewicht der Kräfte wiederhergestellt werden muss. Es gebe ganz neue Fragen zu beantworten: Wie gehen wir mit dem Staat um, wie geht der Staat mit uns um? Ist es wirklich nötig, wie hier reguliert wird? Löfflers Forderung: „Wir sollten dem Einzelnen wieder mehr zutrauen und Fehler aushalten lernen. Wir sind stark genug Dinge selbst sinnvoll zu regeln.“

Die Redner: Oberst Axel Hardt
Bürgermeister Martin Stoiber
Regierungspräsident Jonas
Landrat Franz Löffler
Die einen standen staunend davor, die anderen wollten in den Turm klettern. Auch der modernste Leo war ausgestellt.
Flecktarn trifft Sommerkleid: Das Publikum war gut gemischt und verstand sich prächtig.
Einblick ins Innere wurde gewährt, Fotos waren verboten.
Gruppenfotos mit Oberst und Bürgermeister waren inklusive, auch für diese drei Damen der Stadtverwaltung, die sich extra gleich eingekleidet und mitorganisiert hatten.