Hidden Champions: Ludwig Schierer aus Cham zweimal unter den Spitzenfirmen Bayerns

Von Johannes Schiedermeier · 26. Juni 2024 um 20:35

Es kommt vor, dass der Erfolg das Geheimnis des Erfolgs ist – zumindest zum Teil. Bei der Firma Ludwig Schierer trifft das zu. Sie hat gerade erst den Tod ihres Namensgebers verkraftet, da zeigt sich schon, dass die 125-jährige Geschichte des Unternehmens noch Jahrzehnte weitergehen sollte: Sohn Bernhard Schierer verkündet mit seinem Sohn Sebastian eine hochwertige Auszeichnung.

Die „Flexible Fertigungstechnik“ in Bad Kötzting, die sich auf Metallerzeugnisse spezialisiert hat, belegt unter 2942 bayerischen Mittelstandsfirmen Platz 45. Die Gesamtfirma folgt auf Platz 78.

Sebastian Schierer lacht auf die Frage, ob er schon immer in die Firma einsteigen wollte: „Ich habe Wirtschaftsingenieur studiert und mir schon noch andere Dinge angesehen. Aber daheim habe ich halt immer schon alles von der Firma mitgekriegt. Man wächst damit auf. Ich konnte schon mit fünf Jahren Auto fahren und war später mit Lkw und Gabelstapler auf dem Firmengelände unterwegs. Irgendwie wächst man rein.“

Und was hat das alles mit der Auszeichnung zu tun? „Die Auszeichnung belegt, dass die Auftragsbücher voll sind, die Firma finanziell gut da steht und das alles eine Zukunft hat. Wieso sollte man dann da nicht einsteigen?“, sagt Sebastian Schierer, der seit drei Jahren in der Geschäftsführung der Firma mitarbeitet und die Doppelwand-Fertigung verantwortet.

Aufgeben ist keine Option

Einen Teil des Ruhmes aber gibt Bernhard und den Namensgeber Ludwig Schierer weiter. „Er hat damals in Bad Kötzting die benachbarte Firma AGIL Metall- und Elektrotechnik gekauft. Ich gebe zu, dass ich da total skeptisch war. Wir haben den Betrieb aus der Insolvenz übernommen und es lief einfach nicht.“ Was dann kam, sei ein gutes Beispiel für die Devise von Ludwig Schierer: „Aufgeben ist keine Option“.

„Er hat immer gesagt: A Woch‘ mach ma des no“, erinnert sich Bernhard Schierer. Und dann sei es halt noch eine Woche geworden und noch eine: „Und plötzlich ist es gelaufen.“

Daraus ist dann das entstanden, was heute als „Ludwig Schierer Flexible Fertigungstechnik“ in Bad Kötzting steht und nun ausgezeichnet worden ist. Heute produziert Schierer am Standort in Bad Kötzting mit einer eigenen Konstruktionsabteilung Metallbauteile beispielsweise für Karosserien oder Abdeckungen für Elektrogeräte nach speziellen Kundenwünschen. In Bad Kötzting wird gestanzt, gelasert, verbolzt, abgekantet, beschichtet, lackiert, geschweißt und montiert – je nach Bedarf. „Wir haben dort eine sehr schlagkräftige Stamm-Mannschaft, die wir je nach Auftragslage auch durch Leiharbeiter ergänzen“, sagt Bernhard Schierer.

Dieser Platz 45 unter fast 3000 Mittelständlern, der vom SZ-Institut und Creditreform verliehen wird, ist keine von den Auszeichnungen, die man sich erkaufen könnte. Die beiden Schierers erklären, wie man an so etwas kommt: Creditreform sei so etwas wie die Schufa für Firmen. „Wir wissen ja nie, ob derjenige, der bei uns bestellt, auch bezahlt. Aber wir versichern unsere Geschäfte in jedem Einzelfall und die Firma lässt die Zahlungsmoral des Kunden prüfen. Auch wir legen jedes Jahr zusätzlich die testierten Ergebnisse unserer Bilanzen vor. Der Platz 45 sei Ergebnis einer detaillierten Analyse von Creditreform.

Aus der Wirtschaftsdatenbank seien Bilanzbonität, Auftragslage und Zahlungsmoral der am Wettbewerb beteiligten Mittelständler ausgelesen worden. Dass die Firma Ludwig Schierer so weit vorne steht, sei auch einer Firmentradition zu verdanken: „Mein Vater hat immer gesagt: Wir leisten uns nur, was wir uns aus eigener Kraft kaufen können. Alles andere schauen wir uns nur an“, erzählt Bernhard Schierer. Diese Devise gelte bis heute.

Die Firma Ludwig Schierer hat nach Aussage der beiden Geschäftsführer derzeit rund 250 Beschäftigte. Davon sind 100 in Bad Kötzting bei der Flexiblen Fertigung eingesetzt. Die Auszeichnung bewerten die Unternehmens-Chefs umso höher, als sie in schwierige Zeiten für die gesamte Baubranche fällt.

Auch an der Firma Ludwig Schierer geht das nicht spurlos vorüber: „Wir erleben immer öfter, dass sich die ganz Großen auch die kleineren Aufträge schnappen, die sie bisher gar nicht angeschaut hätten. Bis vor acht Wochen waren die Auftragsbücher auch noch voll. In den letzten vier Wochen merken wir aber auch, dass es weniger wird“, sagt Bernhard Schierer. Das sei aber noch lange nicht bedrohlich, weil die Auftragslage noch weit bis 2025 reiche.

Der stille Champion

Sein Tipp an die Häuslebauer: „Wer jetzt baut, macht eigentlich alles richtig!“ Wobei das derzeit seine Firma nur indirekt betreffe, weil seine Kunden ebenfalls Firmen sind. Und das seit 125 Jahren und in Bad Kötzting seit 30 Jahren.

In der Mitteilung über die Auszeichnung spricht das SZ-Institut von sogenannten „Hidden Champions“, die oft unbemerkt von der Öffentlichkeit zu den Spitzen ihrer Branche gehören. So einen „stillen, versteckten Champion“ hat man nun auch in Bad Kötzting und Cham verortet.