Am Bayerwaldhof in Liebenstein ist Ausbildung mehr als „nur lernen“

Von Stefan Weber · 25. Juni 2024 um 19:00

Erst vor kurzem wurde der Bayerwaldhof in Liebenstein als einer der besten Ausbildungs-Betriebe Deutschlands durch das Institut für Management- und Wirtschaftsforschung ausgezeichnet, und mit Anna-Maria Kauer schickt sich eine junge Köchin gerade an, nach ihrer Ausbildung in Liebenstein im elterlichen Betrieb im eigenen Restaurant „s’meine“ Küche auf höchstem Niveau zu bieten. Entwicklungen, die nicht nur Hoteldirektor Alfons Weiß nicht wundern und sehr freuen, sondern auch zwei der jüngst erst ausgelernten Mitarbeiterinnen im Hotel, Anastasia Schreindorfer und Christina Freimuth.

Die beiden haben selbst erst vor rund einem Jahr ausgelernt – Schreindorfer als Köchin, Freimuth als Hotelfachfrau – und haben nicht woanders, sondern im Hotel in Liebenstein Verantwortung übernommen. Beide sind für ihre Bereiche als Ausbildungs-Koordinatorinnen direkt mit dem jeweiligen Ausbildungsleiter für die Wissens-Vermittlung an die kommenden Generationen in der Branche mit verantwortlich. Ein Wunsch, den sie selbst mit Blick auf die Karriere-Planung für mindestens die kommenden beiden Jahre selbst geäußert hätten, sagt Hoteldirektor Alfons Weiß.

Nach Ausbildung geht es los

Ausbildung, so wie sie jüngst erst ausgezeichnet wurde, sei eben mehr, als „nur lernen, es geht auch um die Karriere danach“, sagt er. Dass der Bayerwaldhof für sie die beste Adresse ist, das hat Anastasia Schreindorfer – die Familie betreibt ein eigenes Hotel in Warzenried – besonders festgestellt, als sie nach ihrer Ausbildung drei Monate in Österreich gearbeitet hatte. „Da habe ich gesehen, was ich hier habe und auch festgestellt, dass das Lernen erst nach der Ausbildung losgeht.“

Für Christina Freimuth war nicht der Wechsel, sondern die angebotenen Möglichkeiten der Anlass, das Hotel erst gar nicht zu verlassen. Nicht nur mehr Verantwortung in jungen Jahren in dem weithin bekannten Hotel, sondern auch die Möglichkeit, auf Kosten des Arbeitgebers ab Oktober für längere Zeit nach Sri Lanka reisen und dort ihr Wissen um Tee erweitern zu können, hat den Ausschlag gegeben. Die Aufgabe als Ausbildungs-Koordinatorinnen erledigen die beiden übrigens nicht nach, sondern während der Arbeitszeit, die – wie im „Corona-Jahr“ 2021 eingeführt – nicht mehr fünf sondern vier Tage in der Woche in Anspruch nimmt.

Schon vor längerer Zeit hatte der Bayerwaldhof viel in die Anwerbung von neuen Mitarbeitern und Auszubildenden investiert – „Ich muss sagen: Wir freuen uns für das nächste Ausbildungsjahr über die sehr gute Bewerber-Lage“, formuliert es Hoteldirektor Weiß – und natürlich auf jeden ehemaligen Mitarbeiter, der seinen Weg wieder zurückfindet. So wie Schreindorfer, oder eben wie Freimuth, die gar nicht weg war. Die Möglichkeit, sich in die Ausbildung des Nachwuchses mit einbringen zu können, war ein Pfad, der auch für den Bayerwaldhof neu beschritten wurde. Natürlich gibt es weiterhin für jeden der fünf Berufe, die hier ausgebildet werden, einen Ausbildungsleiter.

Wer geht gleich zum Chef?

„Aber wer geht gerade im ersten Lehrjahr immer gleich zum Chef, wenn er Fragen hat?“, erinnern sich die beiden Koordinatorinnen noch gut an ihre eigene Lehrzeit. Ein geringerer Altersabstand mache das schon viel leichter. Hinzu kommen noch regelmäßige kleinere Schulungs-Einheiten, die die beiden abhalten, um die Lehre im Hotel noch umfangreicher gestalten zu können. Außerdem bringen die beiden natürlich für die Ausbildung gerade darum auch etwas mit, was im Hotel als sehr wertvoll geschätzt wird: Die Erfahrung der jüngst erst abgeschlossenen Lehre und natürlich den Blick auch auf das private Leben der neuen Mitarbeiter, die (fast) im selben Alter sind.

Hotel-Geschichte

Anfänge: Der Beginn des Bayerwaldhofs liegt im damaligen Gasthaus in Liebenstein im Jahre 1971. Es wird das Gasthaus mit Wirtsstube gebaut, vier Gästezimmer gehören dazu. Schon ein Jahr später eröffnet die kleine Disco und Bar „Sattelstube“.

Entwicklung: 1975 wird ein Reitstall gebaut, 1976 das erste Hallenbad und eine Sauna; 1978 entsteht ein Gästehaus mit 16 Zimmern, fünf Jahre später der Mitteltrakt des heutigen Hotels. 1989 wird aufgestockt und ein neues Hallenbad gebaut. 1998 folgt ein zweiter Wellnessbereich, im Jahr 2000 werden Restaurant und Buffetbereich erweitert.

Sterne-Küche: Im Frühjahr 2017 eröffnete das Leos, das im November bereits mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.

Aktuell: Während der Corona-Pandemie wurde auch viel in die Nachhaltigkeit investiert – so gingen im Jahr 2021 ein Heizwerk und eine neue PV Anlage ans Netz des Hotels, das seitdem autark ist.

Auch auf diesen neuen Pfaden soll der Weg aber noch nicht zu Ende gegangen sein, sagt Weiß: Ausbildung müsse immer wieder neu gedacht werden, um nicht nur das Hotel in Liebenstein, sondern die gesamte Tourismus-Region im Bayerischen Wald voranbringen zu können. Dass die beiden Koordinatorinnen nicht nur mit ihrem Wissen, sondern auch mit ihrer spürbaren Begeisterung einen wichtigen Beitrag leisteten, davon sei er überzeugt. Arbeit werden sie ab dem neuen Lehrjahr genug zu tun haben: Neben rund 30 Praktikanten, die jedes Jahr in den Betrieb hineinschnuppern, befinden sich 25 derzeit in Ausbildung – und elf „Neue“ sind für das neue Ausbildungsjahr bereits fest eingeplant.