Anna-Maria Kauer eröffnet mit „s’meine“ eigenes Fine-Dining-Restaurant in Bad Kötzting

Von Stefan Weber · 15. Juni 2024 um 05:00

Die junge Köchin, die ihre Ausbildung erst vergangenes Jahr mit Bestnoten abgeschlossen hatte, bietet nun in den eigenen Räumen des Gasthauses Kauer in Bad Kötzting (Landkreis Cham) Küche auf höchstem Niveau.

Erst im Sommer vergangenen Jahres hat Anna-Maria Kauer mit 19 Jahren ihre Ausbildung zur Köchin an der Hotelberufsfachschule in Viechtach mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen und ist in den elterlichen Betrieb an der Lamerstraße in Bad Kötzting mit eingestiegen. Mit dem eigenen Lokal hat sie sich nun einen lange gehegten Wunsch erfüllt, in dem sie vor allem eines will: Besonders kreativ kochen.

Es ist Samstagabend um 18 Uhr. Anna-Maria Kauer hat zum ersten Fine Dining im „s’meine“ geladen, dem neuen Restaurant, das zum Hotel-Pension Kauer gehört. Vier ehemalige Lehrer der Fachschule befinden sich unter den Gästen, und auch Bürgermeister Markus Hofmann und Stadtrat Julian Preidl sind gekommen. Zuerst wird bewundert, was die Familie Kauer in Eigenleistung aus dem ehemaligen „Bierstüberl“ gleich rechts vom Eingang gemacht hat. Dunkler Holzboden, graue Stühle, massive Holztische, die aus dem ehemaligen Stüberl ein modernes Restaurant gemacht haben. Der Schriftzug mit dem Namen leuchtet durch eine Blätterwand hervor.

Da staunen auch die Kollegen

All zu viel Zeit bleibt aber gar nicht, bis bis der Gruß aus der Küche für die erste Überraschung sorgt: Selbst gebackenes Brot mit dreimal verschiedener Butter – und die sogar mit Docht zum Anzünden. Gut vier Stunden lang gibt es einen der insgesamt acht Gänge nach dem anderen, und zu jedem natürlich der passende Wein dazu. Da zücken nicht nur die Politiker im Restaurant, sondern auch die Fachkollegen die Handys und machen Fotos, begleitet von Ausrufen äußerster Anerkennung.

Jeden Gang kündigt die Köchin – die übrigens alleine in der Küche steht – selbst an. Das ist ihr wichtig, denn schließlich stecken in dem Menü dieses Abends nicht nur rund drei Tage Arbeit, sondern auch jede Menge Herzblut.

Nur einen Tag geöffnet

Viel Aufwand, den die junge Köchin natürlich nicht jeden Abend aufbringen kann, schließlich ist sie auch in den täglichen Ablauf in der Küche mit ihrem Vater fest eingebunden. Donnerstags hat die immer Ruhetag, „da kann ich dann alles für ’s’meine’ vorbereiten“, sagt Anna-Maria Kauer. Zumindest das, was sich schon vorbereiten lässt. Die Idee ihres eigenen Restaurants habe sie schon sehr früh während ihrer Ausbildung gehabt, sagt sie. Im Bayerwaldhof in Liebenstein hatte sie dafür den perfekten Ausbildungsort in der Region, schließlich beherbergt das Hotel seit zehn Jahren auch das Sterne-Lokal Leos.

Die Speisen des Menüs an diesem Abend sind aufwendig, vielfältig und vor allem eines: voller Kreativität der jungen Köchen mit Bestnoten. Da gilt es am Ende des Abends noch die eine oder andere Frage zu beantworten, wie sie es überhaupt geschafft hat, so etwas auf die Teller zu zaubern. Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch viel Vorbereitung und Arbeit, und darum wird das „s’meine“ erst einmal nur am Freitag und nur auf Vorbestellung geöffnet werden. Anders ist das Pensum für eine Köchin alleine nicht machbar, immerhin soll es auch immer andere Menüs geben.

120 Euro für acht Gänge

Wichtig ist Anna-Maria Kauer aber genau das: Dass das Restaurant mit gerade einmal einem Dutzend Sitzplätzen insgesamt ihr ganz eigener Raum für ihre Ideen ist. Darum will sie auch am Ende jedes Abends, an dem die Gäste übrigens 120 Euro für acht und 80 Euro für fünf Gänge bezahlt haben (ohne die entsprechende Wein-Begleitung), auch mit den Besuchern im „s’meine“ sprechen und in Austausch treten. „Wer könnte das Menü besser erklären als diejenige, die es gekocht hat“, fragt sie ganz einfach.

Am 21. Juni wird das „s’meine“ zum ersten Mal ganz regulär geöffnet haben, und die ersten sieben Anmeldungen sind Anna-Maria Kauer schon sicher. Danach lässt sie sich überraschen, wie hoch die Nachfrage nach Fine Dining in Bad Kötzting sein wird. Von ihren Ausbildern erhält sie am Ende des Abends auf jeden Fall nur Lob, und das freut sie Köchin ganz besonders – denn bei denen ist sie sich sicher, dass klare Worte gefallen wären, wenn etwas nicht gepasst hätte. „Das haben sie die Jahre davor ja auch immer gemacht“, sagt Kauer, die sich an die Eröffnung einer der aufwendigsten Küchen in der Region gewagt hat.

Erster Gang: Zum Beginn gibt es Frittierten weißen und grünen Spargel, als Bouquet dazu noch Erdbeeren und Minze.
Zweiter Gang: Bärlauchcremesüppchen mit confierter Black Tiger Garnele, dazu Püree von der Pastinake und gerösteter Zwiebelcrumble
Dritter Gang: Brust von der Wachtel mit Variation von Roter Beete und Knoblauchschaum
Vierter Gang: Gedämpfter Saibling und in Rosmarinbutter und gebratene Kammmuscheln auf Staudensellerie-Apfelsalat mit Salzzitrone
Fünfter Gang: In Orangenöl gegrillte Wassermelone, dazu gebackene Ananas auf dessen Salat mit Koriander und würzigem Sauerrahm
Sechster Gang: Sorbet von Birne und Nelken auf Birnenragout mit Nelkenschaum
Siebter Gang: Rosa gebratener Rehrücken mit Kräuterrand, dazu Granatapfel-Rotweinsoße, Romanesco und Haselnussspätzle
Achter Gang: Limetten-Schmandmousse mit Kiwisoße, dazu Rhabarbersalat und frisches Erdbeereis