Mit dem Kanu durch den Landkreis Cham paddeln: Experten verraten ihre Lieblingsstrecken

Von Lisa Steigerwald · 25. Juni 2024 um 15:00

Die Flüsse im Landkreis und das schöne Wetter locken viele Menschen ans Wasser. Viele von ihnen erholen sich aber nicht am Wasser, sondern auf dem kühlen Nass. Denn die Flüsse bieten optimale Bedingungen zum Kanufahren. Experten erklären, was beim Kanufahren zu beachten ist und welche Touren es in der Region gibt.

Die schönen Tage haben die Kanuten des Kanu Clubs „Graf Luckner“ schon im April auf das Wasser gelockt, sagt Vorsitzende Doris Wutz. Seitdem sind die Wassersportler regelmäßig auf den Flüssen in der Region unterwegs, wie etwa auf dem Regen, der Schwarzach oder der Donau.

Wasserstand muss beachtet werden

„Der Wasserstand ist gut“, sagt Wutz über den Pegel des Regens. Dieser sei aber auch bei Niedrigwasser für geübte Paddler gut befahrbar. „Man muss sehen, wo das Wasser langläuft“, sagt sie. Dann würde es keine Berührungen mit dem Boden oder mit Steinen geben. Doch generell müssen sich Kanufahrer bei Niedrigwasser an Beschränkungen halten. Außerdem mache es „keinen Spaß, über nasse Steine zu rutschen“, so Wutz.

Nichtmitglieder können jederzeit beim Kanu Club vorbeikommen und dort schnuppern. Der Verein trifft sich jeden Mittwoch- und Freitagabend um 19.30 Uhr im Vereinsheim. „Mit Anfängern machen wir kleine Touren, denen auch die Technik gezeigt wird“, sagt die Vorsitzende. Das Wichtigste sei, geradeaus fahren zu können, denn das Boot sei drehfreudig. Reinfallen würde man aber in der Regel nicht. Eine kurze Tour für Anfänger dauert etwa 2,5 Stunden und führt zum Beispiel von Chamerau nach Cham und endet am Bootshaus. Die Strecke soll Erwachsenen und Kindern Spaß machen, so Wutz. Der Kanu Club sei aber kein Bootsverleih, sondern stelle Boote zum Ausprobieren zur Verfügung, um neue Mitglieder zu gewinnen

Umweltschutz: „Natur beobachten, ohne aufzufallen“

Umweltschutz ist beim Kanufahren wichtig. Neben den klassischen Verhaltensregeln, wie keinen Müll zu hinterlassen, sollten zum Beispiel auch Altwasser nicht befahren und Tiere in Ruhe gelassen werden. Auch Kiesbänke sollten gemieden werden, da dort die Fischbrut heranwächst. „Natur beobachten, ohne aufzufallen“, lautet die Devise.

Auch die Sicherheit ist ein wichtiges Thema. Jeder Kanufahrer sollte deshalb eine Schwimmweste tragen. An manchen Stellen herrsche auch Helmpflicht. Kentern sollte man laut Wutz auf ruhigem Gewässer üben, um Paniksituationen zu vermeiden. Selbst Wehre können zu einer Gefahr werden, auch wenn diese für geübte Paddler oft ein Highlight seien.

Neben festem Schuhwerk sollte auch eine zweite Garnitur Wäsche mitgenommen werden, rät Wutz. Diese sollte schnell trocknend sein, wie moderne Sportkleidung, denn beim Bootfahren wird man oft nass.

Tagestour von Blaibach nach Chamerau

Wutz’ Lieblingstour ist auf dem Schwarzen Regen von Regen nach Teisnach. Die Strecke ist sehr ursprünglich und naturbelassen, sagt sie. Außerdem gebe es dort leichtes Wildwasser, weshalb auch eine Helmpflicht bestehe. Als landschaftlich und wassermäßig abwechslungsreich bezeichnet die Vorsitzende die Tagestour von Blaibach nach Chamerau auf dem Regen.

Auch für Nichtschwimmer geeignet

Silvia Tracz, Inhaberin des Kanuverleihs Zankl aus Miltach/Tiefental, bestätigt, dass der Wasserstand auf dem Regen derzeit optimal zum Paddeln sei. Vorkenntnisse sind für eine gebuchte Tour nicht erforderlich. „Die Leute werden eingewiesen und erhalten eine Schwimmweste“, sagt Tracz. Deshalb sei es auch für Nichtschwimmer geeignet. Kinder können ab drei Jahren mitfahren.

Bootsrutsche und Stromschnellen

„Jede Tour hat ihren Reiz“, sagt sie. Ihr Favorit sei die Halbtagestour vom Blaibacher See nach Chamerau. Auf den rund zwölf Kilometern (Paddelzeit drei bis vier Stunden) sei das Wasser sehr abwechslungsreich. Es gibt eine Bootsrutsche und Stromschnellen, aber es ist keine Wildwassertour, so Tracz.

Zu ihren Lieblingsstrecken gehört die Seentour, die besonders für Familien mit Kindern geeignet ist. Sie führt von Viechtach über den Höllensteinsee zum Blaibacher See. Die Strecke ist 14 Kilometer lang (Paddelzeit vier bis fünf Stunden) und ist laut Tracz landschaftlich sehr schön.

Da sich der Huchen bis einschließlich 15. Juli in der Laichzeit befindet, darf die Strecke von Regen nach Viechtach erst ab dem 16. Juli bepaddelt werden, informiert Tracz.

Kanus schon im Voraus buchen

Der Kanuverleih in Miltach bietet auch mehrtägige Touren an. Derzeit ist aber nur die 2,5-Tages-Tour verfügbar. Ein Gutachten entscheide, „wie viele Boote der Fluss verträgt“, sagt Tracz, und damit auch, ob die Fünftagestour nach Regensburg wieder angeboten werden kann.

Sie empfiehlt, die Touren im Voraus zu buchen, da die Anzahl der Kanus begrenzt ist. Das Landratsamt regelt, wie viele Boote im Landkreis zugelassen sind. Denn laut dem Amt können die Kreisverwaltungsbehörden „die Ausübung des Gemeingebrauchs regeln, beschränken oder verbieten“ (Art. 18 Abs. 3 BayWG). Das Landratsamt Cham hat 2021 die „Verordnung zur Regelung des Gemeingebrauchs auf dem Schwarzen Regen und dem Regen im Landkreis Cham“ erlassen.

Damit soll die Sicherheit und Leichtigkeit des Bootsverkehrs auf dem Schwarzen Regen und dem Regen erhalten bleiben, die Natur geschützt und der Erholungsverkehr auf dem Gewässer geregelt werden. Außerdem bezwecke die Verordnung den Schutz von Leben und Gesundheit der Wasserwanderer und eigentumsgleicher Rechte, insbesondere bestehender Fischereirechte, so die Auskunft des Landratsamts.

Nichts für Anfänger – Niedrigwasser im Sommer

Das Bärenloch zwischen der Stadt Regen und Teisnach/ Viechtach empfiehlt Thomas Schmidt, Inhaber des Kanuverleihs wasserwucht in Runding, für erfahrene Paddler. Es sei eine schöne und einsame Waldschlucht, aber durch das Wildwasser nicht für Anfänger geeignet und eine anstrengende Strecke. Die Tour auf dem Schwarzen Regen sei auch sein Favorit in der Region.

Auch wenn derzeit kein Niedrigwasser herrscht: In Mittelgebirgen wie dem Bayerischen Wald, dem Schwarzwald, der Eifel oder dem Hunsrück ist es seit jeher so, dass im Sommer die Wasserstände sinken und meist nur die Mittel- und Unterläufe eines Flusses befahr sind, so Schmidt. „Das sind dann oftmals die ruhigeren und einfacheren Flussabschnitte“, sagt er. Paddler, die an sportlichen Abschnitten interessiert sind, sollten daher schon im Frühling startklar sein. „Aber auch im Sommer hat der Regen noch relativ häufig ab Viechtach oder Blaibach, spätestens ab Cham einen Wasserstand, der zur Befahrung ausreicht“, sagt Schmidt.

Durch Hochwasser stand Betrieb still

Das Hochwasser in der Region habe auch die Kanuten beeinträchtigt, so Martin Stelzl, Inhaber des Aqua-Hema in Blaibach. Eine Woche stand der Betrieb still. Denn ab Meldestufe 1 und einem Wasserstand von 1,60 Metern ist das Kanufahren laut Stelzl verboten. „Wir geben schon ab einem Meter keine Boote mehr raus“, sagt der Inhaber.

Auch er rät dazu, sich rechtzeitig anzumelden, denn gerade am Samstag und in den Ferien sei ein Bootsausflug gefragt. Insgesamt sei das Geschäft aber eher rückläufig. Stelzl vermutet, dass viele Leute meinen, dass das Kanufahren durch Regelungen verboten sei.

Das sollte man beim Kanufahren beachten

Gesetz: Im Landkreis ist grundsätzlich das Befahren von oberirdischen Gewässern mit „kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft“ (wie Kanus oder Kajaks) auf allen dafür geeigneten Flüssen und Gewässern erlaubt, so das Landratsamt. Dabei müssen die Bestimmungen des wasserrechtlichen Gemeingebrauchs nach Art. 18 Abs. 1 Bayerisches Wassergesetz (BayWG) eingehalten werden.

Kanu-Ampel: Das Befahren des Schwarzen Regen und Regen im Gewässerabschnitt Blaibacher See bis Chamerau sei nur zulässig, wenn ein gewisser Mindestwasserstand gegeben und das Gewässer außerdem nicht zu stark erwärmt ist. Ob diese Anforderungen erfüllt sind, kann über die „Kanu-Ampel“ eingesehen werden: landkreis-cham.de/natur-umwelt/umweltdaten/wasserstandsdaten/.