Mit dem Trabi auf Westeuropatour: Unterm Eiffelturm in Paris mit Zweitaktfeeling

Von Christoph Klöckner · 24. Juni 2024 um 19:00

Ihr Auto ist klein, übersichtlich im Komfort wie im Motorraum – und es ist ein Magnet. Das haben Verena Böhm (23) und Emilian Gleixner (24) aus Roßbach (Landkreis Cham) aus ihrem Hotelzimmer beobachtet, von dem sie den Parkplatz im Blick hatten. „Alle zehn Minuten kamen Leute und haben ein Bild mit dem Trabi gemacht!“ Das graue DDR-Überbleibsel auf vier Rädern erregt viel Aufsehen.

Das haben die beiden reiselustigen Zweitakt-Fans aus Roßbach auf den 2700 Kilometern der 15-Tages-Tour vielfach mitbekommen. „So bald die Menschen am Straßenrand uns sahen, ging der Daumen hoch“, erzählt Verena Böhm. Und überall – ob in der Schweiz, in Frankreich, in Belgien oder Holland – haben sich die Hingucker beim Anblick der Rennpappe gefreut.

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Doch, wie kommt man auf die Idee, sich mit so einem Fahrzeug auf solch eine Mammuttour zu begeben? Ein Probelauf im vergangenen Jahr nach Italien hat dem Pärchen gut gefallen – auch wenn es hier über Berge und Pässe ging, die vor allem die Bremsen der kleinen Ostlegende auf vier Rädern ans Limit brachte. „Ziel war ein Foto am Meer. Wir sind über den Brenner gefahren – bergrunter haben dann die Bremsen versagt“, erzählt Verena Böhm. Doch gebe es dort glücklicherweise Auslaufspuren für Lastwagen mit gleichen Problemen.

Nur übers Land

Wie bei der jetzigen Reise, die am 3. Juni startete, fuhren die Beiden auch 2023 keine Autobahn mit dem Trabant. „Das ist nicht lustig mit dem Trabbi“, sagt Emilian Gleixner, „auch wenn er 100 fährt!“ Daher fahren sie immer nur Wege abseits der Schnellstraßen.

Zu dieser Gemütlichkeit zwingt einen der Zweitakter, wie auch zu häufigen Pausen, denn ob draußen vor dem Wagen oder drinnen im Innenraum – laut ist der Motor immer. Dazu sind die Sitze hart und hinterlassen kein Wohlfühlgefühl bei den Insassen. Es gebe zwar ein Originalradio, mit den Scheibenwischern der einzige Komfort, doch sei es einfach nicht zu hören dank des Motors.

Da lege man gerne alle 200 oder 300 Kilometer eine Pause ein, sagen die Beiden. Durch das gemächliche Tempo fanden sie immer schöne Ecken, um eine Rast einzulegen oder gleich ein oder zwei Tage vor Ort zu bleiben. Während andere versuchen würden, möglichst schnell ans Urlaubsziel zu kommen, würden sie sich Zeit lassen und die Strecke und ihre Schönheiten genießen, so das Pärchen im Einklang.

Verlässliches Auto

Und so verlässlich der Zweitakter auch dahintuckert, irgendwo habe man immer ein Ohr am Motorgeräusch. Er habe praktisch alles mitgenommen, was an solch einem Fahrzeug kaputt gehen kann. Und nicht nur das: die beiden Weltenbummler haben zur Sicherheit kurz vor der Reise den Motor ausgebaut, in alle Einzelteile zerlegt und dann wieder zusammengebaut. Der Motor sei vom Gewicht her keine Herausforderung für Tüftler. Tauchen Fragen zum betreib auf, wartet im Handschuhfach ein dickes Handbuch – auch ein Original – mit Anleitungen, was man bei welcher Panne tun muss. „Drei Tage vor dem Start haben wir ihn wieder eingebaut und sind dann einfach losgefahren“, sagt Verena Böhm.

Und der Kleine hat sie nicht enttäuscht – nur in der Schweiz hat der 24-Jährige gelernte Mechatroniker noch schnell übers Internet neue Düsen bestellt und eingebaut. Und selbst den Albtraum der Beiden, ein Liegenbleiben im Stadtverkehr in Paris, hat der Trabi ihnen erspart und seine Kilometer runtergespult.

Dafür wurde er aber auch von seinen Insassen entsprechend verwöhnt: Gut viereinhalb Liter Öl hat der Trabbi für die Strecke und sein Zweitaktgemisch getrunken.

Der Trabant 601 von Verena Böhm und Emilian Gleixner ist zwar ein Oldtimer mit H-Kennzeichen, doch eigentlich in der Trabant-Familie ein Youngtimer, fast schon ein Vereinigungsauto: Er wurde 1988 gebaut. Und nächstes Jahr gibt es ein neues Ziel für ihn und seine Besitzer – Norwegen würde das Pärchen reizen.

Auf Reisen mit der DDR-Legende

Tour: Das Ziel der 15-tägigen Tour mit dem Trabant 601 war vorgegeben: Verena Böhm und Emilian Gleixner wollten ein Bild mit Trabbi und Eiffeltrum. Es ging über die Schweiz nach Frankreich, dann ans Meernach Belgien und Holland.

Magnet: Der Trabi war überall, wo er auftauchte, ein Magnet für das Zwischenmenschliche. Die Menschen hätten sich gefreut und gewundert über das seltsame Auto, sie angesprochen und um Selfis mit Trabbi gebeten. Das seien an die 100 gewesen.

Das Originalhandbuch hat für jedes Problem eine Antwort
Verena Böhm und Emilian Gleixner düsten nach Paris.
Übersichtlich und genügsam: der Trabimotor Fotos: ck/Böhm