Jubiläum in Cham: Mit dem Reisebus fast die ganze Welt erobert

Die Reisebranche boomt. Und auch den Landkreis zieht es in alle Welt. Ein Teil fliegt, ein Teil nimmt das Auto und ein Teil den Bus. Eine Unternehmen, das seit Jahrzehnten mit den Chamern auf Tour geht, sitzt in Cham und feiert dieses Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Die Busse von Baumgartner bringen Menschen an ihr Ziel – und das mit Erfolg. „So richtig Probleme auf Reisen hatten wir noch nie!“, sagt Johannes Baumgartner.
Der gelernte Reisekaufmann mit – natürlich – Busführerschein führt das Unternehmen in dritter Generation und schaut mit Respekt auf die Firmengründer und seine Eltern: „Die haben viel aufgebaut!“ Wobei er selbst zuletzt auch einiges zu schultern hatte. Die Coronazeit sei die schwierigste Phase fürs Unternehmen gewesen, wo auch erstmals in der 70-jährigen Firmengeschichte Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt werden mussten.
Teurer Treibstoff
Doch habe man das alles gut überstanden – auch dank der drei Säulen, auf denen das Unternehmen ruht: Der Schulbusbetrieb und die Buslinien des ÖPNV, der Mietbusservice für viele Vereine und Pfarreien und der Reisebusservice. Aktuell sind es die extrem gestiegenen Preise für Treibstoff wie auch für Hotels, die die Reiseplanung schwieriger machen, doch die Nachfrage sei größer als vor Corona. „Es scheint, als müssten die Menschen etwas nachholen“, sagt der 41-Jährige. Am Montag sei in der Chamer Stadthalle die Programmvorstellung gewesen – gut 700 Besucher seien gekommen – „so viele wie noch nie!“, sagt er.
Als eines von wenigen Busunternehmen hat Johannes Baumgartner gerade eines nicht: Personalsorgen im Fahrerbereich. Es sei zwar einfacher, Busfahrer für den Linienbusverkehr zu finden als für den Reisebus. Doch sei er gut versorgt – im Februar sei ein neuer Fahrer eingestellt worden, ein zweiter habe sich am Montag vorgestellt. Der Führerschein für den Bus koste heute bis zu 12000 Euro, doch sei die Agentur für Arbeit in Cham offen für die Finanzierung von Umschulungen für den Beruf, lobte Baumgartner.
Anders als viele Busunternehmen setze er wie zuvor bereits sein Vater Paul auf Qualität statt Quantität. Viele Busunternehmen würden Busse mit möglichst vielen Plätzen ordern – das gehe zu Lasten des Komforts. „Wir wollen, dass die Menschen ein Reiseerlebnis mit uns haben“, sagt der Firmenchef. Säßen sie gedrängt ohne Platz und ohne Komfort stundenlang im Bus, sei das kein Reisegenuss – „dann kommen sie nicht wieder!“
Daher sei die Devise bald gewesen: weniger Sitzplätze in komfortablerem Bus. In diesem Jubiläumsjahr kommen zwei neue Reisebusse in Cham an – einer mit vier, einer mit fünf Sternen. Der habe nur 44 Plätze, aber jede Menge Beinfreiheit und Annehmlichkeiten. Denn von zufriedener Stammkundschaft lebt das Unternehmen im Reisebereich. Zwar liege das Durchschnittsalter der Reisebusnutzer etwa bei 60 Jahren, schätzt er, doch oft säßen auch junge Familien im Bus, wenn es zu Konzerten oder Musicals in Großstädte gehe.
Die neuen Busse hätten bereits die höchste Umweltklasse Euro 6d. Er ist skeptisch, was den Einsatz von elektrischen Reisebussen angeht. Die Batterien würden zu viel Platz wegnehmen, wenn eine annehmbare Reichweite Ziel sei. Heutige Reisebusse hätten eine Laufleistung von einer Millionen Kilometer und mehr. Im Linienverkehr seien dagegen Elektrobusse schon vielfach im Einsatz.
Tour nach Istanbul
Er selbst habe früher schon manche Reise mitgemacht , wozu er heute nicht mehr komme – als Achtjähriger etwa mit Busfahrer Thomas Nachreiner, der wie Bernhard Malterer Jahrzehnte die Chamer sicher durch die Welt kutschierte. Damals Anfang der 90er Jahre sei es nach Istanbul gegangen – drei Tage hin, drei Tage Urlaub, drei Tage zurück – er habe zu Hause noch den Muezzin rufen hören.
Gingen die ersten Fahrten noch in die Bayerischen Alpen oder an die Mosel, geht es heute bis zum Nordkap, nach Ägypten oder Tunesien. Auch wenn zwischendurch auch Reisen in Kombination Bus mit Schiff abgeboten werden – am liebsten plane man die Reisen, wo man alles in der Hand habe. Dennoch gebe es Dinge, die man auch dann nicht ändern könne, wie etwa das Hotelessen.
Johannes Baumgartner, der eigentlich Schreiner werden wollte, hat den Familienbetrieb übernommen, weil es weder seine Schwester noch sein Bruder wollten. Bereut hat er es nicht, auch wenn die Auflagen von Behördenseite erheblich seien. Ob eines seiner beiden Kinder einmal in vierter Generation die Firma übernehmen wird, steht aus: „Die sind noch zu jung!“Wenn ja, bleibt die Eroberung der Welt per Bus von Cham aus Aufgabe und Ziel.
Start vor 70 Jahren
Gründung: 1954 starteten die Großeltern von Johannes Baumgartner, Rosina und Alois Baumgartner, und das Busunternehmen mit einem 8-Sitzer-Bus bot Mietservice wie Transporte etwa für die Marktfrauen an. Bereits 1957 kam ein 17-Sitzer dazu.
Säulen: Der Buslinien- und Mietbusservice wurde dann unter Rita und Paul Baumgartner mit Busreisen massiv ausgebaut.
Aktuell: Heute setzt das Unternehmen mit seinen 20 Beschäftigten auf Qualität, das heißt, auf möglichst viel Komfort im Sterne-Reisebus, um zufriedene Fahrgäste zu haben.
