Postbank in Cham wird geschlossen – und mit ihr etliche Post-Dienstleistungen

Von Tanja Fenzl · 26. Juni 2024 um 05:00

Die Postbank schafft harte Tatsachen: Ende 2025 spätestens wird die Chamer Filiale in der Bahnhofstraße geschlossen. Und das bedeutet: Auch für den Postbank-Partner Deutsche Post ist bald Schluss an diesem Standort. Zumindest so halb.

„Da ist ja sowieso fast immer zu“, ist in Cham einer der häufigsten Sätze, wenn es um die Post geht. Gemeint ist dabei das frühere Hauptpostamt in Cham, Bahnhofstraße. Knappe Öffnungszeiten, tageweise Schließungen – Personalmangel und Krankenstand forderten in den letzten Jahren die Geduld der Chamer, die nur zu oft mit Paketen und Briefen beladen vor verschlossenen Türen standen. Jetzt verkündete die Postbank: Bis Ende 2025 wird die Chamer Filiale geschlossen. Das bedeutet vor Ort auch das teilweise Aus für den Postbank-Partner Deutsche Post.

Das genaue Aus steht noch nicht fest

Wann genau die Postbank-Filiale aufgegeben wird, stehe laut Unternehmenssprecher Hartmut Schlegel noch nicht endgültig fest. Was die wenigsten wissen: Die Post in der Bahnhofstraße ist eigentlich seit Jahren eine Postbank, bei der sich die Deutsche Post mit ihren Brief- und Paketdienstleistungen quasi eingemietet hat, nicht anders als bei Einzelhandelsgeschäften oder Getränkemärkten, mit denen die Post Partnerverträge abgeschlossen hat. Wenn die Bank geht, hat die Post keinen Partner mehr an dieser Stelle. Das riesige Gebäude selbst wurde bereits vor Jahren verkauft, steht inzwischen größtenteils leer.

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Bei der Stadt Cham war die Schließung Thema in der jüngsten Stadtratssitzung. Bürgermeister Martin Stoiber zeigte sich enttäuscht von der Entscheidung aus Bonn.

Lösung für ältere Kunden erarbeitet

Wieso schließt die Postbank, ein Tochter-Unternehmen der Deutschen Bank, ihre Filiale in Cham? Das liege am veränderten Verhalten der Kunden, sagt der Unternehmenssprecher. Und ja, man sei sich durchaus bewusst, dass gerade ältere Leute sich noch oft schwer tun mit Online-Banking und Co, aber der Großteil der Kunden setze eben immer mehr auf diese Art der Bankgeschäfte. „Viele wollen sogar Beratungstermine lieber telefonischen oder online abwickeln“, betont man bei der Postbank-Zentrale in Bonn. Für die älteren der mehr als zwölf Millionen Postbank-Kunden in ganz Deutschland stünden noch das Postgirobriefing und Telefon-Banking zur Verfügung, für das man nicht einmal ein Smartphone benötige. „Wegen ein paar Kunden alle Filialen wie die in Cham aufrecht zu erhalten, wird auf Dauer nicht möglich sein.“

In Zeiten der Digitalisierung: Hilfe für Kunden offline

Um allen dennoch gerecht zu werden, würden „Mitarbeitende geschult, die unsere Kundinnen und Kunden bei Fragestellungen rund um das Thema Digitalisierung weiterhelfen und sie aktiv auf dem Weg zum digitalen Banking begleiten“. Die Postbank soll mittelfristig zu einer „Mobile-First“-Bank entwickelt werden. Bundesweit schließt die Postbank daher in den nächsten beiden Jahren rund 230 der aktuell 550 Filialen deutschlandweit. Die nächsten Filialen werden sich danach für den Chamer Raum in Straubing und Regensburg befinden.

Die Mitarbeiter in Cham sollen im Übrigen nicht entlassen werden.

„Alle Kundenberater werden unverändert beschäftigt, in anderen Filialen oder einem der Regionalen Beratungscenter, die wir für die Beratung per Video und Telefon aufbauen. Mit den anderen Mitarbeitenden suchen wir das Gespräch“, heißt es bei der Postbank. . Abhängig von der individuellen Situation kämen im Rahmen bestehender betrieblicher Regelungen neben der Beschäftigung in anderen Bereichen der Bank eine Reihe von Instrumenten zum Einsatz, wie etwa Altersteilzeit oder Abfindungen.

Wie können die Kunden noch Geld abheben?

Geld abheben können die Chamer Postbank-Kunden nach der Schließung der Filiale weiterhin bei allen Geldautomaten der CashGroup Banken, zu der die Postbank gehört, dazu zählen Deutsche Bank, Commerzbank und HypoVereinsbank.

Und was ist mit Paketen und Briefen und anderen Post-Dienstleistungen? Dafür stünden noch zwei Postfilialen in Cham zur Verfügung, betont Dieter Nawrath, Sprecher der DHL Group. Demnach biete „die Postfiliale bei Trinkgut Gatzke in der Josef-Heilingbrunner-Str. 1 alle postalischen Leistungen an.“ Dort und in der Filiale Flo‘s Steam Heaven in der Schmidstraße 2 können dann auch nach der Schließung der Chamer Postbankfiliale alle benachrichtigten Sendungen abgeholt werden.

Verteilerzentrum bleibt im Zentrum des Landkreises

Trotzdem bleibt die Post AG am Standort Bahnhofstraße – wenn auch nicht für den normalen Kundenverkehr. Denn der Zustellstützpunkt für die Region befindet sich ebenfalls an dieser Adresse, wie die vielen Postfahrzeuge im Hinterhof beweisen. „Der Zustellstützpunkt bleibt unverändert in der Bahnhofstraße“, sagt Nawrath.

Und auch die Postfachanlage und die Poststation vor der Bankfiliale, in der die Chamer Pakete und Päckchen rund um die Uhr abholen können, bleiben ebenfalls an diesem Standort, bekräftigt man.

Schon wieder hängt ein Zettel mit neuen Öffnungszeiten aus

Wer am Dienstag Bankgeschäfte erledigen wollte oder Briefe oder Pakete aufzugeben hatte, der fand sich übrigens wieder einmal mit an der automatischen Glasschiebetür aufgeklebten Zetteln mit „vorübergehend angepassten Öffnungszeiten“ konfrontiert. Als wollte er sagen „typisch“, verzog ein Kunde das Gesicht und fotografierte die Zettel mit dem Handy ab, ehe er unverrichteter Dinge wieder zurück zu seinem Auto ging.

Das Verteilerzentrum der Post AG bleibt weiterhin in Cham.
Auch die Postfachanlage und die Poststation vor dem Gebäude bleiben erhalten.
Wieder einmal hängen „angepasste“ Öffnungszeiten aus.